Königin Joyce Bansah
Die Hockenheimerin Joyce Bansah wurde zu Königin Mama Adziwonor III aus Ghana.
Bild: Hans-Joachim Of
Die Königin aus Hockenheim: Joyce Bansah ist Regentin über 30.000 Untertanen in Ghana
Hockenheim
20.01.2019 07:05
"Du wurdest zur nächsten Königin bestimmt!" - Mit diesem Telefonanruf ihres Vaters änderte sich für Joyce Bansah plötzlich alles. Die 40-Jährige aus Hockenheim im Rhein-Neckar-Kreis wurde im Vorjahr zum Oberhaupt einer 30.000 Menschen großen Volksgruppe in Ghana gewählt. Regiert wird aber hauptsächlich von Zuhause aus - per Telefon, Skype oder Whatsapp.

Eines ist schnell klar: Um eine Audienz bei Stammesoberhaupt Joyce Bansah zu bekommen, braucht man Zeit und Geduld - und das, obwohl sie quasi um die Ecke, in der Rennstadt Hockenheim, wohnt. "Oh ja", sagt die gebürtige Ghanaerin lachend. "In wenigen Monaten hat sich bei mir und meinen Angehörigen fast alles verändert."

Joyce Bansah ist Königin Mama Adziwonor III

2003 kam die gelernte Hotelfachfrau nach Deutschland, lebte bis 2007 in Heidelberg. Im vergangenen Jahr erreichte sie dann plötzlich ein Telefonanruf ihres Vaters aus der westafrikanischen Heimat - und die Nachricht: "Du wurdest zur nächsten Königin bestimmt!", brachte Gewissheit: Die 40-jährige ist nun Königin Mama Adziwonor III - und damit Oberhaupt der etwa 30.000 Menschen umfassenden Ahado-Hohoe-Volksgruppe im rund 30 Millionen Einwohner zählenden Land Ghana.

Königin Joyce Bansah
Bild: Hans-Joachim Of

"Mir war durch meine Eltern, Geschwister und Verwandten bekannt, dass ich zu einer von vier Familien gehöre, die für eine Thronfolge infrage kommen", erklärt Joyce Bansah im Gespräch mit ka-news. Mit einer "gehörigen Portion Nervosität" trat sie daraufhin die rund 7.000 Kilometer lange Flugreise in die ghanaische Hauptstadt Accra an.

Von dort ging es anschließend mit dem Auto rund fünf Stunden in die 240 Kilometer entfernte Stadt ihrer Eltern. Mit dabei: ihr Lebensgefährte Karl sowie ihre Kinder, der 15 Jahre alten Likem, der sechsjährigen Julian und Jamie, vier Jahre alt.

"Ich möchte mich zuerst für die Frauen und Kinder in unserem Land einsetzen"

Drei Tage lang hätten die Vorbereitungen der Krönungszeremonie gedauert, berichtet die Hockenheimerin, die am Goethe-Institut Deutsch lernte. In festlicher, farbiger Landestracht, umringt von Schirmträgern, sei sie dann schließlich gekrönt worden. Mit einer richtigen Krone, so wie die Queen? "Nein, nicht so prunkvoll, groß und schwer", lacht die Nachfolgerin der verstorbenen, bisherigen Regentin.

Für die Zeremonie reiste die Thronfolgerin zurück nach Ghana, in die Stadt ihrer Eltern. Bild: privat

Bansah, die christlich erzogen wurde und wie ihre Kinder auch getauft ist, nimmt ihre repräsentative Arbeit und Verantwortung nach eigener Aussage ernst und möchte, dass es ihrem Volk gut geht. Wie sieht die Regierungsarbeit im Vielvölkerstaat Ghana mit zahlreichen, ethnischen Volksgruppen aus? "Ich möchte mich zuerst für die Frauen und Kinder in unserem Land einsetzen, für unser Volk da sein, mir ihre Probleme und Sorgen anhören." 

Wichtig sei die Bekämpfung der Armut und die oftmals fehlende Bildung, "die wiederum eine Beschäftigung verhindert." Dass die dort lebenden Menschen durch Arbeit und eine sinnvolle Aufgabe ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, sei laut Joyce Bansah eine der vorrangigsten Aufgaben, die es anzupacken gelte.

Die Hockenheimerin Joyce Bansah wurde zu Königin Mama Adziwonor III aus Ghana. Bild: Hans-Joachim Of

"Das Internet ist ein Segen!"

Und obwohl sie im Dezember bereits zum zweiten Mal nach Ghana reiste: Ihr Lebensmittelpunkt sei nach wie vor in Hockenheim, erklärt die 40-Jährige. Regiert wird hauptsächlich per Telefon, Skype oder Whatsapp mit einer Vertreterin vor Ort. "Das Internet ist ein Segen!", weiß Königin Mama Adziwonor III. Ihr Lebensgefährte Karl Faath wohnt in der Nachbargemeinde Altlußheim und besitzt in der Rennstadt Hockenheim eine Autowerkstatt, in der "Ihre Majestät" ab und zu im Büro anzutreffen ist.

Im vergangenen Jahr erreichte die gebürtige Ghanaerin die Nachricht, dass sie die nächste Königin eines Volksstammes wird. Bild: Hans-Joachim Of

Die nächste Reise im Frühjahr stehe aber schon fest. Im Vorfeld versuche die Thronfolgerin hierzulande, Spendengelder zu generieren. Auch eine Stiftung oder einen Verein mit Namen "Wacinfa-ma" fasst sie ins Auge.

Die Königin will ihrem Volk ganz nahe sein

"Irgendwann, wenn die Zeit reif ist", wolle Joyce Bansah, die sich nach eigener Aussage in Deutschland sehr wohl fühlt, gerne deutsch-afrikanisch kocht und Spätzle und Knödel liebt, aber in ihr Heimatland zurück - zumal sie bis an ihr Lebensende zur Königin bestimmt ist. "Dann kann ich meinem Volk ganz nahe sein!"

Bansah wurde, gekleidet in festlicher, farbiger Landestracht, umringt von Schirmträgern, gekrönt. Bild: privat

Übrigens: Wer den Namen Bansah schon einmal gehört hat: Ihr Onkel Chephas Bansah ist seit 1992 König eines anderen Stammes in Ghana – und wohnt in Ludwigshafen!

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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