Straffälligenhilfe in der JVA Buchsal
Petra Schaab, Klaus Thiemann, Friedlinde Herceg und JVA-Leiter Thomas Weber
Bild: Schwitalla
Ehrenamt in der JVA Bruchsal: Es gibt nicht immer nur Lob
Bruchsal
20.09.2017 12:42
Es ist kein leichtes Amt, das sich Petra Schaab, Klaus Thiemann und Friedlinde Herceg ausgesucht haben. Sie engagieren sich in der Straffälligenhilfe der JVA Bruchsal und werden deshalb oft in der Öffentlichkeit angefeindet.

"Mach doch lieber was mit Kindern oder Kranken", ist ein Satz, den die Ehrenamtlichen oft hören. Selbst in der Familie stoßen sie oft auf Unverständnis: "Mein eigener Sohn war zuerst gar nicht begeistert von meiner Tätigkeit in der JVA", erzählt Friedlinde Herceg, die seit anderthalb Jahren in der Gruppen- und Einzelbetreuung in der JVA Bruchsal arbeitet.

Dennoch gibt es sie, diese Menschen, die nicht urteilen, nicht werten und einfach nur helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Thomas Weber, der Leiter der JVA Bruchsal, ist dankbar für das Engagement der Ehrenamtlichen. Denn es setzt da ein, wo seine Mitarbeiter häufig aus Zeitgründen aufgeben müssen.

Die Ehrenamtlichen des SKM - Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland - kommen in die JVA entweder, um einzelne Gefangene zu besuchen oder um in Gruppen die Freizeitgestaltung der Insassen zu übernehmen. Kochkurse, Modellbau, Yoga, Sport, Gesellschaftsspiele und - ganz wichtig und bei den Gefangenen sehr begehrt - Sprachunterricht sind die Angebote, die die Ehrenamtlichen je nach ihren eigenen Fähigkeiten und Interessen anbieten.

Im Knast gelten andere Regeln

Immer in enger Abstimmung mit der Leitung der JVA und innerhalb der engmaschigen Sicherheitsvorschriften. "Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn plötzlich alle Türen zufallen und fest verschlossen sind", berichtet Klaus Thiemann, der erste Vorsitzende des SKM in Bruchsal und Leiter der Gruppe "Modelleisenbahn" in der JVA. "Aber man gewöhnt sich daran und es ist auch ein schönes Gefühl, den Menschen hier Abwechslung zu bringen. Außerdem bemerkt man erst im Austausch in der Gruppe, welche Fähigkeiten und Talente in den Gefangenen stecken, diese zu fördern ist wichtig für sie, aber auch für uns", weiß der ehemalige Polizeibeamte.

Denn - und da sind sich die Ehrenamtlichen mit JVA-Leiter Weber einig: "Die Gefangenen von heute können morgen unsere Nachbarn sein". Will heißen, eine möglichst frühzeitige Integration in die Gesellschaft ist wichtig für alle Beteiligten. "Menschen, die sich nicht komplett von der Gesellschaft verstoßen fühlen, werden vielleicht später nicht mehr straffällig", meint Thomas Weber und setzt auf die Mithilfe der Ehrenamtlichen.

Hilfe von "Außen"

Denn es sei wichtig, dass diese "von außen" kämen und nicht Teil des Vollzugs-Apparates seien, dem die Gefangenen häufig mit Misstrauen gegenüberstehen. "Unsere Ehrenamtlichen leisten einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft", erklärt er. "Sie tragen viel dazu bei, dass die Gefangenen den Kontakt zu Gesellschaft nicht komplett verlieren.

Viele Insassen bekommen nie Besuch, haben keinen Kontakt zu ihrer Familie, da sind die Freizeitgruppen aber besonders auch die Einzelbesuche sehr wichtig", weiß er. Es gebe gerade für die Einzelbetreuung lange Wartelisten, daher kann es eigentlich auch nie genug Ehrenamtliche geben, ist sich Petra Schaab, Sozialarbeiterin und Geschäftsführerin des SKM im Landkreis, sicher.

Ehrenamtliche gesucht

Wer in der Straffälligenhilfe tätig werden will, muss einen Einführungskurs belegen, in dem unter anderem die grundlegenden "Spielregeln" des Strafvollzugs erklärt werden, an die sich alle zu halten haben, die in der "Lebenswelt Gefängnis" agieren. "Zu ihrer eigenen Sicherheit", wie alle Beteiligten betonen. Ein solcher Kurs findet am Wochenende des 23. und 24 September in Bruchsal statt. Wer Interesse hat, ganz unverbindlich daran teilzunehmen, kann sich unter 07251 5056812 oder info@skm-bruchsal.de anmelden.

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