Hani Rashid / Lise Anne Couture
Hani Rashid / Lise Anne Couture
Bild: Naho Kubota Photography
Schlosslichtspiele-Künstler Hani Rashid: "Zeitgleich Architektur und Spektakel"
Karlsruhe
06.08.2017 19:00
In diesem Sommer gehen die Schlosslichtspiele in Karlsruhe in die dritte Runde. Aber wer sind die Menschen, die die Schlossfassade einen Sommer lang verwandeln? ka-news blickt hinter die Kulissen und spricht mit den Künstlern. Heute: Das international renommierte Architektenbüro Asymptote Architecture setzt auf Mathematik.

Hani Rashid und Lise Anne Couture gründeten 1989 gemeinsam das Architekturstudio Asymptote. Ihre Arbeiten wurden weltweit ausgestellt und in vielen Publikationen besprochen. ka-news hat mit Hani Rashid über die Show gesprochen, die die beiden bei den Schlosslichtspielen präsentieren werden.

Herr Rashid, wie haben Sie von den Schlosslichtspielen erfahren? Waren Sie schon einmal in Karlsruhe?

Das großartige ZKM in Karlsruhe kennen wir schon seit vielen Jahren. Ich habe mit Peter Weibel bereits an ein paar Initiativen gearbeitet, genauer gesagt war es eine Zusammenarbeit mit ihm und dem Guggenheim Museum in New York. Auch als ich die Vereinigten Staaten auf der Architektur Biennale 2000 repräsentiert habe, war Peter eine große Unterstützung. Zu der Zeit haben wir computergenerierte "full scale environments" im amerikanischen Pavillon kreiert. Das war damals bahnbrechend auf unserem Gebiet. Seitdem ist Herr Weibel eine Schlüsselfigur meines Denkens und Arbeitens geworden.

Warum wollten Sie teilnehmen?

Das ZKM spielt immer an vorderster Front mit, was neueste Technologien und Kunst angeht, sowohl auf der Ebene der Kunstproduktion als auch der -ausstellung. Für die Arbeit von Lise Anne und mir, in die wir bei "Asymptote" seit zwei Jahren involviert sind, ist die Ausstellung zentral, da sie sich auf Architektur bezieht. 

Ihre Show nennt sich "Hyperfine Splitting 008_Mediations on Jakob's Ladder". Was können die Zuschauer davon erwarten?

Wir haben das Schloss digital kartographiert und ein sehr beeindruckendes Werk entwickelt, das die gesamte Fassade in einzelne, ständig wechselnde geometrische Formen zerteilt. Wir haben uns dabei von den Skulpturen von Sol Lewitt und Donald Judd und deren mathematischen Strukturen inspirieren lassen.

Das Publikum wird Zeuge, wie sich unsere Idee offenbart und eine Spannung zur bestehenden Architektur des Schlosses entsteht. Das Ganze ist abgestimmt auf die eigens komponierte Musik von der  Tonkünstlerin Olga Neuwirth. Wir hoffen, dass die Eindrücke und Emotionen, die der Besucher mitnimmt, aus der Vermischung des tatsächlich Bestehenden und dem Abstrakten entstehen. Die Strukturen sind alle angeordnet und fusionieren in eine philosophische Interpretation von visuellen und akustischen Zeichen. 

Unser Hauptkonzept wurde auch inspiriert von der Grundidee der Jakobsleiter (Anm. d. Redaktion: Gemeint ist eine biblische Vorstellung von einem Auf- und Abstieg zwischen Himmel und Erde), die in nahezu jeder Religion und in Fabeln existiert, und dem Einfluss, den diese Idee für Menschen auf der Suche nach Erleuchtung und Verstehen hat.  

Was ist der Unterschied zwischen Ihrer Show und den anderen? Was macht Ihre Show besonders?

Weil ich die anderen Arbeiten noch nicht gesehen habe, kann ich diese Frage noch nicht beantworten. Dennoch haben wir versucht, etwas "Lyrisches" und nicht allein Unterhaltendes zu schaffen. Wir wollen dem Publikum ein Kunstwerk zeigen, dass gleichzeitig Architektur und Spektakel ist. Anstatt ihm nur ein "Wow" zu entlocken, wollen wir das Publikum mit etwas zurücklassen, das rätselhaft ist und ein offenes Ende hat, nicht nur eine Show, sondern eine Arbeit, die auch Fragen stellt. 

Sie sind in Projekte auf der ganzen Welt involviert. Woran arbeiten Sie momentan?

Momentan arbeiten wir an einem neuen Museum für zeitgenössische Kunst für das Hermitage Museum in Moskau, einer Kunsthalle in St. Moritz, einen Wohnturm im Miami (Missioni Baia) und einem Bürokomplex in Gent, Belgien. Außerdem bauen wir eine außergewöhnliche  Kirche in Venedig, die zum ersten mal auf der Architektur Biennale in Venedig im Mai 2018 vorgestellt wird. 

Von allen Projekten, die Sie bis jetzt realisiert haben, haben Sie eines, das Ihnen am Besten gefällt? 

Das wären beides Projekte, die wir in den letzten paar Jahren gebaut haben. Zum einen ist das das Yas Viceroy Hotel in Abu Dhabi, das im Zentrum der Fromel 1-Rennstrecke in Abu Dhabi liegt und zum anderen unser ARC Museum in Daegu, Südkorea, das Künstlern gewidmet ist, die sich mit der Natur des Wassers befassen.

Können Sie es sich vorstellen, nächstes Jahr noch einmal an den Schlosslichtspielen teilzunehmen?

Ja, das würde mich sehr freuen, denn ich denke, dass dieses "Festival" für konzeptionelle Architektur ziemlich einzigartig und einfach nur toll ist.

Die Fragen stellte Katharina Scholl. Fragen und Antworten wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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