Lea LaDoux
Lea LaDoux
Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie
Karlsruher Pop-Poetin Lea LaDoux über Corona: "Ohne Zweitjob hätte ich nicht gewusst, von was ich leben soll"
Karlsruhe
24.05.2021 14:30
Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich, da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler während Corona" nachgefühlt. Heute: Lea LaDoux, Singer/Songwriterin.

Mit einem Augenzwinkern: Lea LaDoux - mit diesem klingenden Namen muss man ja berühmt werden. Im Ernst, die Karlsruher Musikerin berührt seit Beginn ihrer musikalischen Karriere mit ihrem fragilen (Dream-)Pop, jetzt hat die Sängerin eine schöne, neue Single namens "Lies" veröffentlicht - und das mitten in der Corona-Pandemie. Was macht man als Künstlerin eigentlich während des Lockdowns?

"Es ist auf jeden Fall wichtig, in Form zu bleiben, also Instrument und Stimme nicht 'einrosten' zu lassen und trotzdem zu üben", so LaDoux. Da brauche es ziemlich viel Selbstdisziplin, wenn keine Auftritte anstünden. "Der Vorteil als Songwriterin bei der Sache ist natürlich, dass man beim Schreiben automatisch auch Stimme und Instrument trainiert", erklärt die Karlsruherin.

Lea LaDoux
Lea LaDoux Bild: Patrice Horlait

"Momentan bestehen meine täglichen Routinen eher aus Marketing-Aufgaben zwecks meiner Single. Ich habe einen genauen Marketing-Plan, in dem festgehalten ist, was ich an welchem Tag mache und poste, um den Song an die Leute zu bringen." Das erstrecke sich dann von unzähligen E-Mails über Playlisten-Bewerbungen bis hin zu Social Media-Aktivitäten beziehungsweise Content-Produktion, um "einfach alles irgendwie am Laufen zu halten".

Bietet Corona für sie auch Chancen und neue Projekte, Ideen? Die 30-Jährige ist sich sicher: "Auf jeden Fall. Den ersten Lockdown habe ich genutzt, um mal einen Gang zurück zu schalten und mich als Künstlerin und auch als Mensch wieder zu finden, nachdem ich mich im Alltagsstress davor irgendwie ein Stück weit verloren hatte, und rauszufinden, was ich will."

"Als hätte jemand auf Pause gedrückt"

Da habe sie dann auch "Lies" geschrieben. "Für mich war das einfach, als hätte jemand auf Pause gedrückt und so traurig wie das alles war und ist, war das in dem Moment irgendwie gar nicht schlecht, nochmal ein paar Schritte zurück zu machen und mein ganzes Künstlerdasein nochmal aus einer neuen Perspektive zu betrachten." Die Musikerin habe in der Corona-Zeit sehr viele Songs geschrieben, die ihr viel bedeuten und die jetzt nach und nach veröffentlicht werden.

"Allerdings bin ich noch nicht so optimistisch, was Corona mit der Musikindustrie im Gesamten macht. Die Umsatzeinbrüche durch das Wegbrechen der Live Konzerte sind einfach immens und ich kann mir nicht vorstellen, wie und wann das alles wieder auf einen grünen Zweig kommt. Ich mache mir schon große Sorgen um die Kultur und vor allem um die kleineren Künstler."

Lea LaDoux
Lea LaDoux Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Die größeren würden auf jeden Fall überleben. Aber wie das mit der "Unterschicht" der Industrie weiter gehe, wisse sie nicht. "Ich wünschte, es würde wenigstens mal eine Spotify-'Revolution' geben, dass Künstler wenigstens dort ordentlich entlohnt werden und Musik nicht mehr fast oder ganz 'kostenlos' ist. Ich hoffe, dass Corona auf irgendeine Art und Weise zur Chance von Kultur wird. Dass sie wieder neu Wertschätzung erfährt, nachdem die Menschen jetzt so lange Zeit darauf verzichten mussten."

"Ohne Zweitjob hätte ich nicht gewusst, von was ich leben soll"

Ist es für sie vor diesem Hintergrund aktuell ein Leben - oder eher ein (künstlerisches) Überleben? "Ich würde sagen, es ist von beidem etwas", so die studierte Musikwissenschaftlerin. "Es ist Leben, weil man sich als Künstler trotzdem seiner Kunst widmen kann."

Aber es sei auch ein Überleben, weil man zum einen kaum Geld durch Auftritte verdienen könne und einfach nicht wisse, wann und wie es weitergehen wird. "Ohne Zweitjob hätte ich nicht gewusst, von was ich leben soll!"

Auf die Frage, ob sie durch Corona etwas verloren habe, sich etwas oder gar auch sie selbst verändert habe, antwortet LaDoux deutlich: "Ich finde, Corona hat alles verändert, das ganze Leben. Und die Kulturszene wird danach auf keinen Fall mehr so sein, wie sie vorher war."

Für sie habe Corona auf jeden Fall nochmal den Blick geschärft auf das, "was ich als Künstlerin will und auch auf das, was im privaten Leben wichtig ist". Zeit mit Freunden und Familie sei durch Corona nochmal kostbarer geworden als ohnehin schon.

Lea LaDoux (links) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei
Lea LaDoux (links) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Daher steht neben der neuen Single-Veröffentlichung nun vor allem eine besonders bedeutende Zeit vor der Sängerin: "Ich werde jetzt auf jeden Fall zum ersten Mal Mama, im Oktober wird Baby LaDoux geboren und ich möchte beweisen, dass man als Künstlerin erfolgreich und gleichzeitig eine gute Mama sein kann. Das ist mir total wichtig!"

"Mein Songwriting kann mir niemand nehmen"

Ihre neuen Songs, die sie jetzt nach und nach veröffentliche, sollen "ein gutes Fundament für die Zeit nach Corona aufbauen, wenn man dann auch wieder auftreten kann und alles wieder einfacher wird". Und weiter Songs schreiben werde sie sowieso, sagt die Künstlerin: "Das ist mein großes Glück, dass mir mein Songwriting niemand nehmen kann - nicht mal Corona!"

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