Seán Treacy
Seán Treacy
Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie
Karlsruher Künstler während Corona: Seán Treacy "hätte nie gedacht, dass es verboten wäre, Musik zu machen"
Karlsuhe
20.06.2021 15:17
Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler während Corona" nachgefühlt. Heute: Seán Treacy, Leader und Frontmann der gleichnamigen (Cover-)Band.

Treacy und seine Mannen haben gefühlt schon jede Bühne bespielt, die man rocken kann in dieser Region. Die Truppe ist ein echter Dauerbrenner, agil wie ein musikalischer Dynamo und versiert, wie es Profis eben sind.  Für die Band, welche es gewohnt ist, regelmäßig Gigs zu spielen, war es während Corona natürlich eine komplizierte Zeit. Was macht man als Künstler eigentlich während des Lockdowns? Gab es tägliche Routinen?

"Versucht, diese 'Zwangspause' zu benutzen"

Der grundsympathische Deutsch-Ire Treacy holt aus: "Weil ich nicht arbeiten durfte, hieß es nicht, dass ich nicht mehr Musiker sein durfte." Er habe früher oft beklagt, dass er mit der Musik so viel unterwegs war, dass er keine Zeit hatte, neue musikalische Wege zu gehen. "Ich habe versucht, diese 'Zwangspause' zu benutzen, kreative Dinge auszuprobieren."

Impression Musikzimmer  Seán Treacy
Impression Musikzimmer Seán Treacy Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Alltagsgewohnheiten  gebe es offensichtlich auch: "Weil meine Partnerin im Lockdown mehr als sonst arbeiten muss, verbringe ich viel mehr Zeit mit unserer sechsjährigen Tochter. Das ist unglaublich schön und ich bin sogar dankbar, dass ich diese Zeit habe",  schwärmt Treacy. Außerdem mache ihm der tägliche Haushalt, der Einkauf, das Kochen und so weiter richtig Spaß.

Treacy überwältigt von Großzügigkeit der Menschen

Bietet Corona auch neue Chancen, Projekte oder Ideen? Der 59-Jährige Künstler ist sich sicher: "Ja. Ich habe viele Möglichkeiten, mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten, die ich vorher nicht hatte." Zusammen habe man viele Projekte gemacht, um beispielsweise Arbeitslosen auf Mallorca oder anderen Künstlern in dieser Region finanziell zu helfen.

Der Vater dreier Kinder ist überwältigt von der Großzügigkeit der Menschen, die diese Projekte unterstützt haben. Denn: "Ich bin auch begeistert von den vielen Musikern, die bereit waren, dabei zu sein und mitgeholfen haben, obwohl auch sie in einer schwierigen Lage waren und immer noch sind!"

Seán Treacy (rechts) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei
Seán Treacy (rechts) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Wie hat er das Leben während Corona er- und überlebt? "Ich habe in meinem Leben viele 'Ups And Downs' erlebt. Es gab Zeiten, in denen ich dachte, ich wäre der König, und Zeiten, in denen ich fast alles verloren habe. Wenn ich nichts anderes weiß, habe ich gelernt, dass jede neue Phase ein neuer Anfang ist und man selbst die Wahl hat, aufzugeben oder anzupacken. Als geborener Optimist habe ich immer versucht, das Beste aus dieser Situation herauszuholen."

Hat sich der Musiker durch Corona verändert? Der mehrsprachige Treacy gibt sich offen: "Ich denke schon. In meiner 40-jährigen Musikkarriere hätte ich nie gedacht, dass es verboten wäre, Musik zu machen!" Die Musik gehöre zu seinem Alltag wie das tägliche Brot, "und ich habe in der letzten Zeit gelernt, sie mehr zu schätzen und nicht mehr als selbstverständlich zu sehen. Ich habe außerdem gelernt, wie wichtig die Musik - meine Musik - für andere Leute ist."

"Tore gehen langsam wieder auf"

Was passiert nach der Pandemie, gibt es konkrete Pläne? Treacy zeigt sich optimistisch: "Also, die Tore gehen langsam wieder auf, die Veranstalter melden sich langsam aber sicher wieder. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder vollbeschäftigt bin. Ich würde trotzdem gern mit allen, die ich kennengelernt habe, in Kontakt bleiben, und schauen, was wir in Zukunft zusammen machen können. Und ich würde auch gern Zeit für Familie, Freunde und für die Kreativität freihalten!"

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