Diego Rocha, Flamencogitarrist aus Karlsruhe
Diego Rocha, Flamencogitarrist aus Karlsruhe
Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie
Karlsruher Gitarrist Diego Rocha: "Ich freue mich darauf, mein Publikum wieder zu sehen"
Karlsruhe
09.05.2021 14:30
Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich, da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler während Corona" nachgefühlt. Heute: Diego Rocha, Flamencogitarrist.

Flamenco hat viel mit Herzblut zu tun, diese Kunstform - übrigens seit 2010 Weltkulturerbe - kommt direkt aus der Seele, möchte man sagen. Das bemerkt man auch beim Musiker Rocha, dem buchstäblich Künstlerblut durch die Adern fließt. Aber was macht man denn so als Kreativer eigentlich während des Lockdowns? Gibt es tägliche Routinen?

Rocha: "Der Lockdown hat mir als Künstler jede Möglichkeit des Arbeitens in Theatern und Flamencotanzschulen untersagt. Dies hat zur Folge, dass man während des Lockdowns in erster Linie erzwungenermaßen viel Freizeit hat, da die Türen meiner Arbeitsplätze ebenfalls schließen mussten."

Impression Flamenco
Impression Flamenco Bild: pixabay

Während des Lockdowns habe er daher häufig in sich hineingehört und sich die Frage gestellt, wie er die freie Zeit künstlerisch am besten nutzen und gestalten könne. "Diese Frage ließ mich als Künstler nicht los und begleitet mich nach wie vor. Abseits von diesem Gedanken sieht meine Routine so aus, dass ich nach dem Frühstück meine Flamencogitarre bis zu drei Stunden in die Hand nehme und hierbei die Fingertechniken verfeinere und auch neue Solos komponiere."

"Corona bietet auch neue Chancen und Ideen"

Des Weiteren gehe der Musiker auch den alltäglichen Dingen nach wie Einkaufen, Eltern und Geschwister besuchen, mit Musikerkollegen telefonieren et cetera. "Außerdem verbringe ich viel Zeit mit meiner Freundin und mache eine tägliche 'Siesta'."

Aber bietet Corona auch Chancen, neue Projekte, Ideen? "Dankenswerterweise ja", so Rocha. Er habe sich zuallererst ein Aufnahmestudio zu Hause eingerichtet.

"Abgesehen davon, dass ich meine musikalischen Ideen und Kompositionen seither jetzt professionell festhalten und aufnehmen kann, wurde ich Tage nach der Einrichtung des Aufnahmestudios gefragt, ob ich an einem Flamenco-Onlinevideo mit dem Namen 'Proyecto Unidos - Flamenco Covid-19' mit weiteren 35 Künstlern aus Spanien und Deutschland mitwirken möchte. Dank des neu eingerichteten Aufnahmestudios konnte ich tatsächlich Teil dieses tollen Onlineprojektes sein."

Diego Rocha beim täglichen Üben
Diego Rocha beim täglichen Üben Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Dank Corona habe der Karlsruher ein langfristiges Ziel umgesetzt und die Zeit genutzt und mit Hilfe von sehr vielen Tutorials seine Homepage erstellt und veröffentlicht. "Meinen Gitarrenunterricht habe ich aufgrund der Pandemie auf ein Onlineformat umgestellt. Seitdem gebe ich meinen Schülern Flamencogitarrenunterricht über Skype."

Flamencofestival in Frankfurt geplant

Zusätzlich habe er mehrere Künstleragenturen kontaktiert, um das während der Corona-Zeit gegründete Ensemble 'Son de tres' (bestehend aus Gesang, Gitarre und Flamencotanz) vorzustellen. "Des Weiteren kam mir die Idee, ein dreitägiges Flamencofestival mit der Unterstützung des 'Internationales Theater' in Frankfurt am Main zu organisieren", so Rocha weiter.

"Derzeit bin ich im Austausch mit dem Theater bezüglich der genauen Umsetzung und hoffe, dass es trotz der Corona-Pandemie bald stattfinden kann. Außerdem wirke ich als Flamencogitarrist bei einem neuen Projekt namens 'Vivaldi Flamenco' mit."

Hierzu sei er im April für eine zweiwöchige Probe mit weiteren sechs Flamencokünstlern gebucht worden. "Die Proben waren ein voller Erfolg und eine willkommene Abwechslung für alle beteiligten Künstler. Ich freue mich auf 'Vivaldi Flamenco' und auf die Premiere im 'English Theatre' in Frankfurt am Main."

"Durch Corona haben sich auch neue Vorhänge geöffnet"

Doch ist das für den Gitarristen ein Leben - oder eher ein (künstlerisches) Überleben? "Es ist ein Leben - jedoch hinter geschlossenen Bühnenvorhängen. Allerdings haben sich während Corona auch neue Vorhänge geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären. Da ich grundsätzlich ein positiv denkender Mensch bin, blicke ich voller Freude auf die geöffneten Vorhänge."

Hat sich für den Musiker durch Corona etwas verändert? Der 37-Jährige erzählt: "Ich habe durch Corona leider viele Auftritte verloren und leider kann ich auch die Flamencogitarrenbegleitung in den Tanzschulen in Heilbronn, Stuttgart, Frankfurt und Bruchsal, in denen ich tätig bin, derzeit leider nicht ausüben."

Diego Rocha (links) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei
Diego Rocha (links) im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Er trage seine Auftritts- und Workshoptermine in den Kalender seines Handys ein. Während Corona habe Rocha leider keinen einzigen Termin wahrnehmen können. "Die Kalendereinträge erinnern mich trotzdem an die ursprünglichen Termine. Diese Momente lösen in mir Sehnsucht aus", gesteht der gebürtige Karlsruher Rocha.

"Abgesehen davon, dass ich aufgrund der abgesagten Auftritte und Workshops einen finanziellen Verlust erleide, ist der Verlust des Zusammenlebens mit anderen Menschen ein viel größerer." Folglich habe ihn Corona gelehrt, dass man zukünftig dieses Zusammensein viel mehr schätzen sollte.

"Begegnungen mit Menschen machen Leben lebenswert"

Was sind denn die konkreten Pläne nach Corona, für die Zukunft? "Nach Corona und nach Öffnung der Bühnenvorhänge ist mein Plan, wieder auf der Bühne zu stehen und vor Publikum spielen zu dürfen." Dieses unbeschreibliche Gefühl sei während Corona leider auch verloren gegangen, jedoch von großer Bedeutung für Künstler.

"Das Publikum und der Applaus ist für mich als Künstler wie eine Danksagung und eine Wertschätzung der täglichen Proben. Ich denke und hoffe, dass sich nach Corona weitere Möglichkeiten ergeben werden und freue mich vor allem darauf, meine Musikerkollegen und das Publikum wieder zu sehen."

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