Klaus Braun, Jazzmusiker
Klaus Braun, Jazzmusiker
Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie
Corona als künstlerische Möglichkeit: Karlsruher Jazz-Gitarrist Klaus Braun "komponiert und arrangiert wieder mehr"
Karlsruhe
15.05.2021 15:00
Die langwierige Corona-Episode ist vor allem für Künstler, Musiker, Schauspieler in der Fächerstadt eine harte und schwierige Zeit - was machen Karlsruher Kreative eigentlich, da so gut wie nichts stattfindet und passiert? ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei hat in seiner Serie "Karlsruher Künstler während Corona" nachgefühlt. Heute: Klaus Braun, Jazzmusiker und Musikschullehrer.

Ich muss erst einmal gestehen, ich bin ein Riesenfan von Jazzgitarrist Pat Metheny, dieser außergewöhnliche Musiker liefert stets Episches, vor allem live ist er unglaublich versiert - ich durfte das schon hautnah im Tollhaus erleben.

Natürlich wird sein 2020 verstorbener (Piano-)Partner Lyle Mays schmerzlich vermisst. Der Karlsruher Jazzer Klaus Braun bringt mit seinem kongenialen Projekt den Sound von Metheny auf die (über)regionalen Bühnen - das ist definitiv was für Feinschmecker!

Aber was macht man denn so als Kreativer eigentlich während des Lockdowns? Gibt es tägliche Routinen? Braun: "Tatsächlich haben sich meine üblichen täglichen Routinen nicht sehr verändert. Ich übe vormittags meine vier Stunden, ab Mittag gebe ich Online-Unterricht. Ein wenig mehr Zeit habe ich aktuell, um mir mittags etwas zu kochen, da die Fahrten zu meine Musikschulräumlichkeiten aktuell ja wegfallen."

Klaus Braun im "Heim-Studio"
Klaus Braun im "Heim-Studio" Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

So könne er neue Rezepte probieren. zwei bis drei Kilo "Corona-Bonus" an Gewicht seien hier allerdings dadurch auch zu beklagen, so der Musiker leicht verschmitzt. Aktuell arbeitet Braun weiterhin an seinem großen Projekt, der Pat-Metheny-Tribute-Band. Die Premiere dazu hätte ja am ersten Lockdowntag, am 13. März 2020, stattfinden sollen. Es gebe immer noch viel zu verbessern, auch zu organisieren, zu bewerben.

"Habe Schüler, die mir die Treue gehalten haben"

Der gebürtige Karlsruher führt aus: "Allerdings bin ich nun in der Corona-Zeit zu der Entscheidung gekommen, mein Solo-Jazzgitarrenprogramm zu erweitern. In Zeiten des Lockdowns wurden in der Tat immer mehr Ideen geboren, was meine künstlerische Tätigkeit anbelangt. Einige Bandprojekte sind möglich, darunter auch eine verstärkte Tätigkeit mit meinen eigenen Stücken."

Während Corona: Ist es ein Leben - oder eher ein (künstlerisches) Überleben? Während Corona lebe er eigentlich recht ordentlich, so der Gitarrist, "zum Glück gibt es Computer, so dass ich online Gitarrenunterricht geben kann. Und ich habe Schüler, die mir die Treue gehalten haben. Selbstverständlich wollen alle wieder Präsenzunterricht. Aber allen ist auch klar, dass Online-Unterricht eben eine Übergangsphase ist." 

"Corona hat mir gegen Ende letzten Jahres zugesetzt"

Was die künstlerische Präsenz anbelange, so müsse auch das Pat-Metheny-Tribute-Projekt nach den Sommerferien wieder aktiv aufgefrischt werden, durch Wiederholungsproben. Was sind die konkreten Pläne nach Corona, für die Zukunft? 

"Die Corona-Zeit hat mir erst gegen Ende des letzten Jahres etwas zugesetzt", so Braun. "Keine Veranstaltungen mehr, keine Konzerte. Ich habe allerdings schätzen gelernt, was ich habe. Ich lebe angenehm, habe eine tolle Frau an meiner Seite." Auch habe Braun weiterhin und oft über das Internet mit Freunden kommunizieren können.

"Ich fokussiere mein Üben nun noch mehr"

Verändert habe sich schon die Sichtweise auf die Musik, auf seine Musik. "Was will, was kann ich präsentieren nach dem Lockdown? Ich fokussiere mein Üben nun noch mehr als zuvor. Ich kann sogar sagen, dass ich während Corona mehr auf meine innere Stimme zu hören lernte, vor allem was Klang und Ausdruck anbelangt. Die Hetze des Alltags fiel ja weg. Die Ruhe nervte mitunter, hatte aber auch irgendwie und irgendwo ihr Gutes."

Konkret will er nach Corona das große 'Pat-Metheny-Tribute'-Projekt "noch besser, noch toller" präsentieren. Am 9. Dezember soll im Jubez Karlsruhe die Premiere stattfinden. Es soll ein Filmteam anwesend sein, um ein Livevideo zu drehen.

"Meiner CD 'Unit' soll bald eine zweite folgen"

Der 64-Jährige weiter: "Ich habe namhafte Musiker in der Band, aus der Region, auch aus Stuttgart. Diese Band wird und soll dann viele weitere Konzerte geben, und das nicht nur in der Region. Des Weiteren werde ich, wie schon erwähnt, meine Solo-Jazzgitarren-Präsentation verstärken. Meiner CD 'Unit', die ich mit Band einspielte und die ausschließlich eigene Kompostionen enthält, soll bald möglichst eine zweite folgen."

Impression "Heim-Studio" Klaus Braun
Impression "Heim-Studio" Klaus Braun Bild: Tim Carmele/TMC-Fotografie

Auch hierzu habe die Corona-Zeit gedient: "Neue Ideen entstanden in dieser außergewöhnlichen Zeit. Ich komponiere und arrangiere wieder mehr. Ich gebe weiterhin gerne Gitarrenunterricht und freue mich darauf, meine Schüler wieder live zu unterrichten!"

 

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