Frank Nenninger, Oberbauleiter und Kasig-Geschäftsführer (r.) und Eibs-Betriebsleiter Werner Merkel.
Bild: Lena Ratzel
KSC-Stadion kann rechtzeitig fertig werden - "wenn der Totalunternehmer endlich Leistung zeigt"
Karlsruhe
27.08.2020 06:00
2022 soll das neue Wildparkstadion fertiggestellt sein, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wie liegt der Neubau im Zeitplan? Was passiert aktuell auf den Baustellen und was steht als nächstes an? ka-news.de hat sich vor Ort umgeschaut und die Fortschritte unter die Lupe genommen.

Seit November 2018 entsteht am Adenauerring das neue KSC-Stadion. Aber erst seit Ende vergangenen Jahres geht es mit dem Bau des eigentlichen Stadionkörpers so richtig voran auf der Großbaustelle. Das zeigt sich besonders an der ehemaligen Gegengerade, an deren Stelle aktuell die Osttribüne entsteht: Treppen, Dachkonstruktion, Stützbalken - optisch erkennt man schon eine nahezu fertige Tribüne.

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Doch beim genaueren Hinsehen wird klar: Im Inneren wartet doch noch einiges an Arbeit. Betritt man das Wildparkstadion, findet man sich auf einer Promenade unter der eigentlichen Tribüne wieder.

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Im äußeren Ring entstehen aktuell Kioske, Verkaufsstände sowie Lagerräume. Im inneren Ring, direkt in der Schräge der Tribüne, werden die Stadionbesucher später die Toiletten finden. Dort beginnt man bereits mit dem Innenausbau und der Elektronik.

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Insgesamt werden rund 34.300 Zuschauer den Karlsruher SC live im Stadion anfeuern können, davon über 21.000 von Sitzplätzen aus. Dafür werden seit Montag die ersten der nagelneuen Sitzschalen auf die Osttribüne montiert. Aus überwiegend blauen und vereinzelt weißen Sitzen wird so der Schriftzug "Karlsruher SC" entstehen.

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Über der Tribüne erhebt sich bereits in großen Teilen die Dachkonstruktion, welche die Zuschauer künftig vor Wettereinflüssen schützt. Gut erkennbar: Im vorderen Ring wird das Dach lichtdurchlässig sein. Dafür wurden transparenten Platten aus Polycarbonat verbaut. Hat das im Sommer nicht einen Treibhauseffekt auf die Zuschauerränge?

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Sorgen vor einer übermäßigen Wärmeentwicklung braucht man laut Werner Merkel, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark (Eibs) nicht haben. Der Grund: Nach hinten wird das Dach mit Trapezblech abgedunkelt.

Frank Nenninger, Oberbauleiter und Kasig-Geschäftsführer (r.) und Eibs-Betriebsleiter Werner Merkel. Bild: Lena Ratzel

Der kleine Teil mit den durchsichtigen Platten diene vor allem dem Erhalt des Grüns im Stadionrund. "Der Rasen ist ein Naturprodukt und braucht Licht", erklärt Merkel im Gespräch mit ka-news.de.

Aber nicht nur im, auch um das neue Stadion wird derzeit fleißig gewerkelt: Der ehemalige Fanshop ist mittlerweile abgebaut und wurde provisorisch an die Einfahrt zum Wildparkstadion versetzt. Auf dem Platz nun freien Platz werden derzeit Container errichtet, die im Laufe der nächsten Wochen als Kabinen für Spieler und Schiedsrichter dienen.

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Negative Auswirkungen der allseits präsenten Corona-Krise spüre man bisher trotz der nicht - im Gegenteil: Die Pandemie und die damit verbundenen Geisterspiele seien zum Großteil sogar ein Segen für die Großbaustelle. Der Grund: Aufgrund einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga (DFL) darf die für ein Zweitligaspiel normalerweise vorgeschriebene garantierte Mindestanzahl von 15.000 Zuschauerplätzen unterschritten werden. "So kann flexibler gearbeitet werden, ohne überall Provisorien errichten zu müssen", so die Stadion-Verantwortlichen.

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Dennoch: Ganz ohne Zeitverzögerung kam auch der Neubau des Wildparkstadions bisher nicht aus. Erst vor einer Woche wurde bekannt: Die Eröffnung der Osttribüne im September verzögert sich. Das liegt allerdings nicht an Corona, sondern an fehlerhaften Stahlteilen für den Bau des Tribünendachs.

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"Ein neuer und angepasster Zeitplan befindet sich derzeit in Abstimmung", vermeldete der Eibs in seiner Pressemeldung dazu und ließ dabei Raum für Spekulationen, ob die Eröffnung des Stadions im Sommer 2022 einzuhalten ist oder nicht.

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Klare Worte findet hierzu Frank Nenninger, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) und Oberbauleiter: "Das Stadion ist in der vorgesehenen Zeit baubar", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. Dennoch sei der Zeitplan eine "harte bauvertragliche Auseinandersetzung zwischen den Partnern". 

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Ebenso klare wie auch kritische Worte richtet Nenninger daher an den Stadion-Totalunternehmer, BAM Sports: "BAM ist gefordert und muss Leistung zeigen. Wir haben unsere Arbeit geleistet und nun liegt es am Totalunternehmer, das Werk so abzuliefern, wie es vorgegeben ist."

Werner Merkel, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark (l.) und Kasig-Chef Frank Nenninger. Bild: Lena Ratzel

Weiter steigende Kosten erwartet der Kasig-Chef in diesem Zusammenhang allerdings nicht mehr: "Mehr Geld bekommt der Totalunternehmer nicht, sie bekommen eher etwas abgezogen." Erst im Mai wurde bekannt, dass das 123 Millionen Euro teure Bauprojekt noch einmal 20 Millionen Euro mehr kosten wird als geplant.

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Auf die im nächsten Schritt anstehenden Bauarbeiten im Wildparkstadion selbst haben die Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern aber erst einmal keine sichtbaren Auswirkungen: Das zweite Baufeld, die Südtribüne, ist von ihrem Provisorium befreit worden und steht nun zur Bebauung bereit. Bis spätestens Mitte 2021 soll die neue KSC-Stehplatztribüne hier - nach bisherigem Zeitplan - fertig sein.

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Indes bereitet sich die Geschäftsstelle des KSC auf den Umzug von der Haupttribüne in eine Containerlandschaft auf Platz sechs vor. Die ebenfalls auf der Haupttribüne untergebrachte Leitstelle der Einsatzkräfte wird in ein Provisorium auf der Osttribüne ziehen, denn: Auch bei Geisterspielen muss eine Leitstelle vorhanden sein.

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Sind diese Umzüge geschafft und die Osttribüne bezugsfertig, so kann die Haupttribüne abgerissen werden. Als Stichtag hatte man dafür Anfang Dezember 2020 angepeilt - ob der aufgrund der Verzögerung auf der Osttribüne noch zu halten ist, ist noch offen.

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