Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe
Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe
Bild: ps
Supporters stehen hinter Pyro-Show im Wildpark: "Wir können die Strafe zahlen, Ziel ist aber ein Freispruch"
Karlsruhe
27.07.2019 06:24
Der Karlsruher SC muss am 8. August in Frankfurt vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erscheinen: Es geht um die Pyro-Show am 3. November 2018, mit welcher die Fans Abschied von ihrem alten Wildparkstadion genommen haben. Der DFB hat eine Klage gegen den KSC erhoben - wegen unerlaubter Pyro-Technik im Stadion. Veranstaltet wurde die Show jedoch von den Supporters Karlsruhe und zwar im Rahmen einer von der Stadt genehmigten Veranstaltung. Der DFB sieht das anders - sollte es zu einer Verurteilung vor dem Sportgericht kommen, könnte die Strafzahlung bis zu 70.000 Euro betragen.

Details der DFB-Anklage sind nicht bekannt - der KSC äußert sich nicht zum laufenden Verfahren. Bei den Supporters ahnt man, um was es bei der Anklage gehen könnte: Den Einsatz von Pyrotechnik, konkret mehrerer Bengalo-Fackeln, im Rahmen der Abschiedsshow des alten Wildparkstadions. Um was wird hier seit November 2018 gestritten? Wir haben Marco Fuchs, 1. Vorsitzender der Supporters, über den aktuellen Stand gesprochen.

Worüber wird eigentlich gestritten?

Für den DFB handelte es sich um einen unerlaubten Pyrotechnik-Einsatz während eines Fußballspiels - für den KSC, die Stadt Karlsruhe und die Veranstalter "Supporters Karlsruhe" war es eine private Drittveranstaltung, die nach Ende des Fußballspiels stattgefunden hat. 

Bild: Thomas Riedel

Der Knackpunkt: "Es gibt wohl keine richterliche Definition, wann ein Fußballspiel offiziell beendet ist", sagt Fuchs, "die sportliche Begegnung endet mit dem Schlusspfiff, aber wann endet die Veranstaltung? Bereits nach der Pressekonferenz oder wenn die Gastmannschaft das Gelände verlässt?"

Rückendeckung von  Stadt Karlsruhe

Für Supporters und KSC ist klar: Bei der Pyroshow handelte es sich um eine separate Veranstaltung. Aus dem Wildpark wird auf ka-news.de-Nachfrage bestätigt: "Der KSC bleibt bei seiner Auffassung, dass es zwei getrennte Veranstaltungen waren."

Ebenfalls unverändert bleibt die Haltung der Stadt Karlsruhe, Eigentümerin des Wildparkstadions, die die Veranstaltung damals genehmigte. "Wenn nach dem Spiel unter Begleitung von Profis eine Pyroshow zum Abschied des Stadions gemacht wird, dann finde ich das gut", sagte seinerzeit Ordnungsamt-Chef Björn Weiße - zu dieser Position steht er bis heute.



Dass aus Sicht des DFB die Fußball-Veranstaltung mit der Räumung des Stadions beendet wäre, dafür spricht ein ähnliches Szenario, dass sich im Dezember 2018 in Darmstadt ereignet hat - und keine DFB-Konsequenzen nach sich gezogen hatte.

Dort wurde die Gegentribüne mit einer Pryoshow von den Fans verabschiedet, bevor es einem Neubau weichen muss. "Ganz sauber wäre vermutlich gewesen, wenn alle Zuschauer nach dem Fußballspiel das Wildparkstadion verlassen hätten und erneut zur Abschiedsshow gekommen wären, so munkelt man in der Szene", sagt Fuchs. 

"DFB-Regularien sind alles andere als transparent"

Dass Fanszene und DFB nicht auf dem besten Fuß stehen, ist kein Geheimnis. Entsprechende Kritik gibt es auch am aktuellen Vorgehen des Fußballverbands: "Für uns aus Fansicht sind die DFB-Regularien alles andere als transparent", sagt Marco Fuchs. Die verbandseigene Gerichtsbarkeit schaffe Ungleichheiten zwischen den Vereinen in den Ligen - "Bayern München steckt eine DFB-Strafe leichter weg als kleine Traditionsvereine".

Zudem käme es immer zu einer "Doppelbestrafung", so Fuchs. Sofern ein Straftatbestand vorliegt, leitet nicht nur der DFB, sondern auch die Staatsanwaltschaft ein Verfahren ein - mit entsprechenden Konsequenzen. "Es sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, nicht der DFB", so Fuchs.

Veranstaltung war bei allen zuständigen Stellen angemeldet

Was die Veranstalter ebenfalls ärgert: Sie sind nicht Teil der DFB-Anhörung. "Dabei können wir nachweisen, dass alles genehmigt war, bis zu jedem einzelnen Standort der Fackelträger", sagt Fuchs. "Wir könnten Auskunft erteilen, aber dazu müssten wir gefragt werden. Wir haben dem DFB im November, als klar war, dass er Ermittlungen aufnimmt, in einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert, dass sie uns ansprechen sollen. Wir als Veranstalter könnten Licht in das Dunkle bringen." Passiert ist bislang nichts.

Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe Bild: ps

"Wir können vom Ordnungsamt entsprechende Genehmigungen vorlegen", sagt Fuchs. Man habe damals sogar noch eine weitere Versicherung abgeschlossen und eine positive Stellungsnahme eines unabhängigen Pyrotechnikers vorgelegt. "Dieser hat die Veranstaltung aufgrund der offenen Bauweise als nicht gefährlich für die Zuschauer beurteilt", sagt Fuchs im Gespräch.

Einen Hinweis auf bevorstehende Pyrotechnik mit Rauchentwicklung gab es vor Veranstaltungsbeginn von Stadionsprecher Martin Wacker und damit war die Möglichkeit gegeben, das Stadion zu verlassen, sofern man die Pyrotechnik nicht hätte sehen oder ihr nicht hätte ausgesetzt sein wollen.

Angeklagt wird Verband, Supporters wollen gehört werden und sind am 8. August vor Ort

Beim DFB hält man sich hingegen an den KSC, denn dieser gehört -  im Gegensatz zu den Supporters - dem Verband an und unterliegt dessen Gerichtsbarkeit. Auch bei der anstehenden mündlichen Verhandlung am 8. August in Frankfurt wird wohl nur ein kleiner Kreis aus dem KSC-Vorstand teilnehmen. Vor Ort möchte man vonseiten der Supporters dennoch sein und prüft aktuell noch Möglichkeiten, zumindest als Zuschauer teilnehmen zu können.

Bild: Arne Dedert/Archiv

Unabhängig von der Präsenz im "Gerichtssaal" wollen die Supporters am 8. August in Frankfurt vor Ort sein. Geplant ist eine Kundgebung vor dem DFB-Gebäude - ob diese auf genügend Teilnahmeinteresse stößt und stattfinden wird, prüft der Verein derzeit.

Wie teuer wird eine Verurteilung?

Eine Verurteilung könnte teuer werden: Man weiß in der Fanszene, welcher Strafbetrag pro Fackel vom DFB angesetzt wird - im Worst-Case kann die Strafe bei bis zu 70.000 Euro liegen. Das Portal "liga3online" hatte bereits im November errechnet: "Legt man den zu Saisonbeginn eingeführten Strafenkatalog zugrunde, würden pro Fackel 350 Euro Strafe fällig - bei 180 eingesetzten Fackeln würde das also in der Summe 63.000 Euro ergeben."

Bild: Thomas Riedel

Einen ähnlichen Fall hat es 2014 in Erfurt gegeben: Wie das Portal "liga3online" berichtete, verhängte der DFB eine Strafe in Höhe von 15.000 Euro. Auch die Erfurter seien davon ausgegangen, dass es sich bei der Aktion um eine eigene Veranstaltung handle. Die Begründung: Bei Bundesligaspielen sei der Einsatz von Pyrotechnik untersagt. 

Supporters können Strafe bezahlen - "Solidarität ist groß"

Sollt es zu einer Verurteilung kommen, sehen es die DFB-Regeln vor, die Kosten an den Verursacher weiterzuleiten - das wären in diesem Falle die Supporters. Diese würden die Strafe auch übernehmen: "Die Supporters werden ihrer Verantwortung gerecht und würden in diesem Falle dann Rechtsmittel einlegen."

Bild: Thomas Riedel

Die Solidarität unter den Fußballfans deutschland- und europaweit sei groß, erzählt Fuchs im Gespräch mit ka-news.de, die Strafe könnte auch aufgrund zahlreicher Spendenangebote bezahlt werden. "Das Ziel ist aber ganz klar ein Freispruch."

Ist sich DFB in seiner Anklage sicher?

Die Erwartungen der Supporters an den KSC sind klar: "Wir haben dem KSC empfohlen, DFB-Urteile nicht anzunehmen und eine entsprechende Instanz weiterzugehen", sagt Fuchs. Sollte sich der Verein an diese Forderung halten, könnte das Verfahren schlussendlich am europäischen Sportgerichtshof enden.

Etwas Hoffnung besteht, dass die Strafe geringer ausfällt als im Worst-Case angenommen: Der Fußballverband hat ein dreiviertel Jahr benötigt, um die Anklage gegen den KSC zu erheben und vor das Sportgericht zu ziehen. "Das lässt vermuten, dass sie sich in ihrer Sache nicht hundertprozentig sicher sind", sagt Marco Fuchs.


Abschiedsspiel Wildparkstadion


 

ka-news-Hintergrund

Die mündliche Verhandlung gegen den KSC findet am 8. August vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Frankfurter Hermann-Neuberger-Haus in Frankfurt statt. Mündlich wird die Sportstrafsache gegen Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC verhandelt.

Geleitet wird die Verhandlung von Stephan Oberholz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts. Zur Verhandlung kommen die Geschehnisse nach dem Drittligaspiel gegen die Würzburger Kickers am 3. November 2018.

"Im Rahmen der Verabschiedung des alten Wildparkstadions wurden seinerzeit auch pyrotechnische Gegenstände gezündet. Fraglich ist insbesondere, ob der Karlsruher SC in diesem Zusammenhang gegen formelle Genehmigungspflichten verstoßen hat", so der DFB.
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