Für die Partie Stuttgart gegen Karlsruhe werden nur etwa 400 bis 600 Beamte eingesetzt.
(Symbolbild)
Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Nach dem KSC-VfB-Derby: Fans warten auf Auskunft der Polizei - wurden sie in den Gewalttäterdateien eingetragen?
Karlsruhe
22.01.2020 17:47
Das letzte Derby des Karlsruher SC gegen den VfB Stuttgart ist vielen in eher unliebsamer Erinnerung geblieben: Hunderte Karlsruher Fans wurden eingekesselt, nicht in das Stadion gelassen und mussten bei der Stuttgarter Polizei ihre Personalien angeben. Über diese Daten verlangen sie nun Auskunft, laut Fanhilfe blieb die aber bislang aus. Ein Grund dafür: Sie haben ihre Schreiben laut der Polizei an die falsche Adresse gesendet. Nun sollen die KSC-Anhänger erneut anfragen, denn der Umgang und die Verarbeitung der Daten kann schwere Konsequenzen für sie haben.

Die Ereignisse in Stuttgart haben für viel Wirbel gesorgt. Am Tag des Derbys im November wurden zahlreiche angereiste KSC-Fans nicht zum Spiel gelassen und mussten teilweise mehrere Stunden im Polizeikessel ausharren. Über 500 Fans mussten bei der Polizeimaßnahme außerdem ihre Personalien angeben.

Fans des VfB Stuttgart werden auf dem Weg zum Derby gegen den Karlsruher SC von der Polizei begleitet. Bild: Tom Weller/dpa

Die Fanhilfe Karlsruhe hilft den Betroffenen, von ihren Rechten Gebrauch zu machen: Sie stellt die Vorlage für ein Schreiben zur Verfügung, mit dem die Fans die Polizei Stuttgart um Datenauskunft bitten können.

Auskunft steht noch aus: "Uns ist kein Fall bekannt"

Mittlerweile sind seit dem Derby rund zwei Monate vergangen. Doch: "Uns ist kein Fall bekannt, dass jemand eine Datenauskunft geschweige denn eine Eingangsbestätigung erhalten hat", so Martin Winter von der Fanhile Karlsruhe Mitte Januar gegenüber ka-news.de. Nun wird den Fans ein weiteres Formular angeboten, mit dem sie die Stuttgarter Polizei nochmals auf ihr erstes Schreiben hinweisen können. 

ka-news.de hat bei der Polizei Stuttgart nachgehakt: "Wir haben die Anfrage erhalten, aufgrund der hohen Anzahl dauert die Beantwortung allerdings etwas länger", sagt Sprecher Tobias Tomaszemski. Die Auskunft werde den Fans allerdings in jedem Fall erteilt und die Anfragen von der Rechtsabteilung der Polizei derzeit schon bearbeitet.

KSC-Fans haben Dokumente an falsche Adresse gesendet

Aus einem weiteren Grund verzögere sich der Ablauf. "Ein Teil der Anfragen wurde an die falsche Adresse geschickt und nicht an das Polizeipräsidium Stuttgart - und daher sind die Anfragen bei uns zunächst durch mehrere Dienststellen gewandert", so Thomaszemski im Gespräch mit ka-news.de weiter. 

Warum ist es es so wichtig, dass die Fans über ihre Daten Bescheid wissen? "Wenn die Polizei die Betroffenen in die Datei 'Gewalttäter Sport' oder die 'SKB-Datenbank' einträgt, kann das eine Auswirkung auf das Verhalten der Polizei haben", erklärt Winter. "Beispielsweise bei der nächsten Verkehrskontrolle oder bei der nächsten Auslandsreise." 

Infoabend der Fanhilfe Karlsruhe im Dezember 2019. Bild: ka-news

Dies ginge so weit, dass unter Umständen eine Ausreise am Flughafen verwehrt werde. Darüber hinaus könnten die Fans auf Grund der Einträge eine Gefährderansprache, Betretungsverbote oder eine Meldepflicht bei Risikospielen erhalten. 

Wie sollten die Fans vorgehen, wenn sie auch in Zukunft von der Stuttgarter Polizei keine Auskunft über ihre Daten erhalten? "Dann raten wir den Betroffenen, eine Beschwerde bei der Landesdatenschutzbeauftragten zu stellen", so Martin Winter abschließend. 

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
2 Kommentare