Einsatzkräfte der Polizei und Bundespolizei vor dem Karlsruher Wildpark. (Symbolbild)
Bild: Thomas Riedel
"High Risk ist keine gesetzliche Definition" - Wer legt also fest, wann KSC-Spiele ein Hochrisiko sind und warum?
Karlsruhe
10.07.2019 18:10
Baden und Württemberg - das ist so eine Sache mit der Freundschaft und der Liebe zwischen den beiden Landesteilen. Kein Wunder, dass die Partien zwischen dem KSC und der VfB Stuttgart berühmt-berüchtigt sind. Aber auch zwischen Anhängern des SV Waldhof Mannheim und Karlsruhe-Fans kracht es regelmäßig. Dann werden Spiele besonders bewertet und zu Hochrisikospielen erklärt. Das bedeutet: mehr Polizeibeamte vor Ort - denn oftmals enden die Spiele in Gewalt.

Mehrmals im Jahr herrscht rund um das Wildparkstadion im Karlsruher Hardtwald Ausnahmezustand, etwa dann, wenn die Gegner des KSC SV Waldhof Mannheim, Kaiserslautern oder Stuttgart heißen - das sind noch die bekanntesten Derbys des Vereins. Jedoch auch wenn Hansa Rostock zu Besuch in der Fächerstadt ist, wird das Spiel zum Hochrisikospiel erklärt. Denn nicht nur auf dem Platz geht es heiß her. 

Pyrotechnik wird im Block abgebrannt. (Symbolbild) Bild: fu-sportfotografie.de

Dabei beruht die Entscheidung, den Karlsruher Wildpark zu einer Art Hochsicherheitsstadion zu machen, auf verschiedenen Faktoren. "Zunächst wird die Bewertung immer einzeln für jedes Spiel vorgenommen", erklärt Daniel Hänsch von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Karlsruhe.

Entscheidung liegt beim Heimverein

"Da spielen Faktoren wie erwartete Zuschauerzahlen, das Fanverhältnis der Teams oder besondere Begleitumstände, beispielsweise die Tabellensituation, eine Rolle, aber auch die Erfahrung aus den vergangenen Begegnungen der beiden Mannschaften. Hochrisikospiele zeichnen sich in der Gesamtschau durch die Gefahr von nicht unerheblichen Störungen der öffentlichen Sicherheit aus!"

Einsatzkräfte der Polizei und Bundespolizei vor dem Karlsruher Wildpark. (Symbolbild) Bild: Thomas Riedel

Allerdings gilt: Die Feststellung, dass Begegnungen ein erhöhtes Risiko haben, liegt beim Heimverein. Der trifft die Entscheidung, Spiele als Hochrisiko einzustufen - jedoch erst, wenn Gespräche mit allen Sicherheitsorganen getroffen wurden. Diese Entscheidung muss laut Statuten dem DFB "unverzüglich" mitgeteilt werden.

"Dasselbe gilt, wenn einer entsprechenden Anregung des Gastvereins oder der Sicherheitsorgane nicht entsprochen wurde. Dann ist die DFB-Zentralverwaltung berechtigt, aufgrund eigener Erkenntnisse ein Spiel als 'Spiel mit erhöhtem Risiko' einzustufen", heißt es in den DFB-Sicherheitsrichtlinien. 

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen

Gesetzlich definiert ist der Begriff "Hochrisikospiel" dabei nicht, vielmehr ist für den Heimverein eben jene Sicherheitsrichtlinie §32 des DFB relevant. Wenn ein Spiel dann den Stempel "Hochrisko" erhält, muss der Heimverein laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) verschiedene Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten: 

 

Begrenzung des Ticketverkaufs

Strikte Trennung der Fanlager, entweder durch Zuweisung von Plätzen oder einrichten sogenannter "Pufferblöcke"

Verstärkte Personenkontrollen

Bewachung der Anlage mindestens in der Nacht
vor dem Spiel

Begleitung der Gästefans durch Ordner des Gastvereins

Einsatz des Stadionsprechers des Gastvereins

Verbot des Verkaufs von alkoholischen Getränken

 

Wenn das Spiel aber von den Behörden und den Vereinen zu einem Spiel mit erhöhtem Risiko deklariert wurde, kommen mehr Polizeibeamte zum Einsatz. "Das Kräftekonzept orientiert sich aber am konkreten Einzelfall", so Daniel Hänsch gegenüber ka-news.de.

So wird beispielsweise schon die Anreiseplanung der Fans mit einbezogen. "Aber auch, ob konkrete Hinweise auf mögliche Störungen vorliegen. Spiele die kein erhöhtes Sicherheitsrisiko bergen, werden im Vergleich zu High Risk-Partien mit deutlich geringerem Personalaufwand besetzt."

Über 7 Millionen Euro für Polizei im Land

In der Bundesliga gab es laut Recherche des SWR in der Saison 2016/17 24 "Spiele mit erhöhtem Risiko", 34 in der 2. Bundesliga und 51 in Liga 3. Das waren etwa zehn Prozent aller Spiele in den ersten drei Ligen. Der Karlsruher SC hatte, so ergab die Anfrage von ka-news.de, in der abgelaufenen Saison 2018/19 vier Hochrisikospiele im heimischen Wildpark: Kaiserslautern, Rostock, Halle am letzten Spieltag sowie das Pokalfinale gegen den SV Waldhof Mannheim. 

Die Polizei wünscht den Waldhof-Fans eine gute Heimfahrt. (Archivbild) Bild: Tim Carmele

Insgesamt lag der Kostenaufwand für Fußballspiele in der Saison 2017/2018 in Baden-Württemberg bei 7,1 Millionen Euro für die ersten drei Ligen. Diese beinhalten: 120.573 Einsatzstunden, Raum- und Ausstattungskosten inklusive sowie dem Verwaltungsaufwand. Ausgenommen sind die Rüst- oder Fahrzeiten, wie das Innenministerium (IM) des Landes auf Nachfrage von ka-news.de mitteilt. 

 

 

Laut Innenministerium (IM) konnte man den Rückgang der Einsatzstunden auch auf das Projekt "Stadionallianzen" zurückführen. Das wurde im Juli 2017 initiiert und hat zum Ziel, die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsakteuren der jeweiligen Spielorte zu intensivieren und zu verbessern. 

Vor dem Spiel: Gespräche mit allen Beteiligten 

Heißt konkret: Vor jedem Spiel treffen sich alle Verantwortlichen von Polizei, Verein und Fans oder Kommunen zu einem Gespräch. "Diesen erfolgreichen Weg wollen wir weiter gehen!", so das IM. Was das Projekt so erfolgreich macht? "Weil an allen relevanten Fußballstandorten im Land ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt wurde, dass den regionalen Bedürfnissen und Besonderheiten gerecht wird", so das IM gegenüber ka-news.de weiter.

Derby gegen Waldhof April 2018 - samt Großaufgebot der Polizei. (Archivbild) Bild: Tim Carmele

Konkrete Maßnahmen, die von dem Projekt bisher ergriffen wurden, waren unter anderem die verstärkte Nutzung präventiver Maßnahmen, etwas die sogenannte Gefährderansprache, Aufenthaltsverbote oder Meldeauflagen. So wurden außerdem Fanbriefe im Vorfeld verschickt, Konfliktsituationen bei An- und Abmarsch der Fans entschärft oder die Infrastruktur verbessert. Das heißt: Der Umbau des Wildpark, aber auch beim SC Freiburg, erfolgen in enger Abstimmung mit der Kommune, dem Verein und der Polizei.

Durch diese Aktion wurden laut IM bereits etwa 30.000 Einsatzstunden eingespart. So will das Innenministerium gewährleisten, dass auch künftig auf immer weniger Spielen das Label "High Risk" prangt. 

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