Fan-Marsch
Fans des VfB Stuttgart werden auf dem Weg zum Derby gegen den Karlsruher SC von der Polizei begleitet.
Bild: Tom Weller/dpa
Derby-Drama geht weiter: Polizei soll KSC-Fans Anzeige verweigert haben - was ist dran an den Vorwürfen?
Karlsruhe
29.11.2019 18:43
Die Vorfälle beim Südwest-Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart sorgen auch knapp eine Woche später noch für Schlagzeilen. Nun steht die Polizei in der Kritik: Sie soll sich nach Angaben der Fanhilfe Karlsruhe geweigert haben, die Anzeigen einiger KSC-Fans aufzunehmen. Der Grund: zu geringe Relevanz. Was ist dran an den Vorwürfen?

Was in Stuttgart am vergangenen Sonntag passiert ist, erhitzt immer noch die Gemüter zahlreicher KSC-Fans. Sie waren am Tag des Südwest-Derbys von der Polizei nicht zum Spiel ins Stadion gelassen worden, mussten zum Teil mehrere Stunden im Polizeikessel ausharren. Der Karlsruher SC selbst gab an, den Vorfall aufarbeiten zu wollen.

"Ihr seid im Recht!"

Doch damit scheint die Angelegenheit noch nicht beendet zu sein. Nun wurde Kritik an der Polizei laut: Sie soll mehrere Anzeigen der KSC-Fans bezüglich der Derby-Vorkommnisse abgelehnt haben. Das gibt die Fanhilfe Karlsruhe bereits am Mittwoch auf ihrer Website bekannt. Die Vereinsabteilung der Supporters Karlsruhe unterstützt KSC-Fans, die im Zusammenhang mit ihrem Fandasein in juristische Konflikte geraten sind.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

"Hallo KSC-Fans, leider erreichen uns einige Berichte von Betroffenen des Derbykessels, bei denen sich die Polizei weigert, die Anzeige aufzunehmen. Das ist nicht rechtens! Die Polizei ist verpflichtet, eure Anzeige aufzunehmen. Lasst euch nicht einschüchtern, ihr seid im Recht!", heißt es in der Stellungnahme. 

In ihrer Begründung bezieht sich die Fanhilfe auf Paragraph 158, Absatz 1 der Strafprozessordnung. Diese besagt: "Die Anzeige einer Straftat und der Strafantrag können bei der Staatsanwaltschaft, den Behörden und Beamten des Polizeidienstes und den Amtsgerichten mündlich oder schriftlich angebracht werden."

Süd-Derby
Für die Partie Stuttgart gegen Karlsruhe werden nur etwa 400 bis 600 Beamte eingesetzt. Bild: Sebastian Gollnow/dpa

"Dass Anzeigen abgewiesen werden, ist grundsätzlich möglich"

Die Polizei selbst sieht das aber ein wenig anders: "Grundsätzlich ist es möglich, dass Anzeigen abgewiesen werden, wenn kein Strafgrund vorliegt", erklärt Polizeisprecherin Christina Krenz auf Nachfrage von ka-news.de.

 

Die Vorwürfe seien ihr aber bekannt: "Vor zwei Tagen wurde die erste Frage diesbezüglich an uns herangetragen. Seitdem haben wir mit verschiedenen Revieren Rücksprache gehalten, dass Anzeigen tatsächlich abgewiesen wurden, ist uns bislang nicht bekannt." Und weiter: "Wir wissen leider nicht, wo diese Anzeigen angeblich nicht aufgenommen wurden."

Im Gegenteil: Allein gestern seien im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe über zehn Anzeigen in Bezug auf das Derby angenommen worden. "Im Verlauf des heutigen Tages sind noch einige hinzugekommen", so Krenz.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

Mindestens acht Fans sollen betroffen sein

Martin Winter, Abteilungsleiter der Fanhilfe Karlsruhe, überzeugt das aber nicht: "Bei der Polizei hat es heute angeblich eine interne Dienstanweisung gegeben, alle Anzeigen im Bezug auf das Derby explizit aufzunehmen. Wir wissen aber von rund acht Personen, deren Anzeige abgewiesen wurde", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

Die Begründung der Polizeisprecherin ist nach Ansicht von Winter hier unwirksam: "Die Polizei darf Anzeigen abwehren, aber nur, wenn erwiesenermaßen kein Straftatbestand vorliegt. Die Polizei kann sich in diesem Fall kaum aus der Affäre ziehen."

KSC äußert sich nicht

Ein Richter sollte seiner Meinung nach hier ein neutrales Urteil fällen: "Die Polizei befindet sich hier in einem Interessenkonflikt. Sie ist gewissermaßen selbst beschuldigt und in diesem Fall muss ein Gericht entscheiden.“ Wann und ob das passieren wird, ist allerdings nicht bekannt. Der Karlsruher SC wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber ka-news.de nicht äußern.

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