Frank Mentrup ließ sich am Freitag bei einem öffentlichen Faktencheck über die Planungen zu einem neuen KSC-Stadion und einen möglichen Umbau des Wildparkstadions informieren.
Frank Mentrup ließ sich am Freitag bei einem öffentlichen Faktencheck über die Planungen zu einem neuen KSC-Stadion und einen möglichen Umbau des Wildparkstadions informieren.
Bild: SPD/Archiv
Wird das das Wildparkstadion umgebaut?
Wird das das Wildparkstadion umgebaut?
Bild: ErS
KSC-Manager Oliver Kreuzer und Präsident Ingo Wellenreuther beim Faktencheck zum KSC-Stadion.
KSC-Manager Oliver Kreuzer und Präsident Ingo Wellenreuther beim Faktencheck zum KSC-Stadion.
Bild: (feb)
Faktencheck KSC-Stadion: OB Mentrup erstaunt über fehlenden Abschluss
Karlsruhe
26.04.2013 19:01
Wildpark-Umbau, Stück für Stück sanieren oder ein Stadion-Neubau für den Karlsruher SC? Die Stadion-Frage spaltet die Karlsruher bereits seit Jahren. Nachdem sie zwischenzeitlich auf Eis zu liegen schien, hatte OB Frank Mentrup noch vor seiner Wahl angekündigt, das Thema wieder aufzugreifen. Nun hat er sich bei einem öffentlichen Faktencheck über die Sachlage rund um den Wildpark auf den aktuellen Stand der Dinge bringen lassen. Das Fazit des Stadtoberhaupts: "Ich bin überrascht, dass es damals zu keinem Abschluss kam."

Trotz 194 Anmeldungen bei der Stadt Karlsruhe war das Gemeindezentrum der Kirche St. Bernhard in der Karlsruher Oststadt mit rund 150 Besuchern nicht ganz gefüllt, als OB Mentrup um 15 Uhr den Faktencheck eröffnete. "Bevor ich mich mit dem KSC zusammensetze, will ich mich in das Thema Wildpark richtig einarbeiten", erklärte das Stadtoberhaupt bereits letzte Woche im Gespräch mit ka-news diesen Termin.

OB: Gemeinderat soll im Herbst über Stadion entscheiden

Deshalb gab es am Freitag den Faktencheck, zu dem sich zahlreiche Stadträte, Bürgermeister, Fangruppen und Bürger eingefunden hatten. Ebenso den Weg ins Gemeindezentrum in der Oststadt fanden KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, Manager Oliver Kreuzer und der kaufmännische Direktor Rolf Ulrich. OB Mentrup setzte mit dem Faktencheck eines seiner Wahlversprechen um: "Ich freue mich über das Interesse", so das Stadtoberhaupt. "Denn in einem halben Jahr müssen wir zu einem Ergebnis gekommen sein, wie es weitergehen soll und kann." Aktuell habe das Land noch elf Millionen Euro für das Stadion in seinen Doppelhaushalt eingestellt - ein Posten, der Ende 2013 gestrichen werden könnte: "Das Land will Ende 2013 eine Antwort haben", so Mentrup.

Supporters-Chef Löffler: "Die Zeit der Vorwürfe sollte nun vorbei sein"

Deshalb tue ein Auffrischen der Planungen nun gut, um letztlich mit dem Gemeinderat eine Entscheidung fällen zu können. Weitere und tiefergehende Gespräche und Planungen mit dem Karlsruher SC kündigte er für die kommenden Wochen an. "Im Herbst will ich dann im Gemeinderat die formale Diskussion führen", machte der Oberbürgermeister seine Marschroute deutlich.

Bereits im Vorfeld der Veranstaltung äußerten sich der Supporters-Vorsitzende Martin Löffler und der Fanprojekt-Leiter Volker Körenzig im Gespräch mit ka-news positiv über den Faktencheck. "Es ist gut, alle Seiten anzuhören und dass der OB alle Gruppen eingeladen hat. Die Zeit der Vorwürfe sollte nun vorbei sein. Wir sollten nun miteinander reden, nicht übereinander", so Löffler. Körenzig zeigte sich gespannt, wie in das seit über 20 Jahre dauernde Thema nun wieder Bewegung kommen könnte.

Faktencheck geht über zweieinhalb Stunden 

Und auch KSC-Präsident Wellenreuther, der es doch rechtzeitig aus Berlin zum Karlsruher Faktencheck schaffte, sah das Positive: "Wir sind optimistisch und finden es gut, dass sich der Oberbürgermeister des Themas annimmt", sagte er gegenüber ka-news. Den Ball sieht er aber weiterhin bei der Stadt: "Der KSC ist nur Nutzer. Die Stadt muss mit dem Gemeinderat entscheiden, was mit dem Profifußball in Karlsruhe geschehen soll." Als Mieter könne der Verein keine Investitionsmaßnahmen tätigen. Ein neues Stadion, welches 30 bis 40 Jahre stehe, sei aber ein "Stadion mit Perspektive". Der Präsident erwartet nun die Verhandlungen mit der Stadt, die in einem ersten Gespräch am 13. Mai beginnen sollen.

So begann um kurz nach 15 Uhr dann eine über zweieinhalb-stündige Infoveranstaltung zur Stadionfrage mit Informationen über die Instandsetzungsmaßnahmen der letzten Jahre im Wildpark und die Ist-Situation. Aktuell werde das Stadion Stück für Stück teilsaniert, so ein städtischer Mitarbeiter,im Sommer folge der dritte Bauabschnitt.Seit 2007 investierte die Stadt demnach zirka 5,5 Millionen Euro. Den Bedarf in den nächsten fünf Jahren berechnen Experten mit sechs bis neun Millionen Euro. In diesen Jahren stehen diveres Sanierungen wie die der Toilettenanlagen und weitere Auflagen von DFL und DFB ins Haus.

Was folgte war für viele der Anwesende nichts Neues, rief jedoch die lange und bisher ergebnislose Diskussion über Standorte und Größe des Stadions ins Gedächtnis. Sieben Standorte waren anno 2005 in den Planungen der Stadt Karlsruhe untersucht worden. Standorte wie der Rosenhof (Linkenheimer Landstraße), der Messplatz, der Ettlinger Seehof, die Rüppurrer Wiesen oder ein Platz nähe der Neuen Messe schieden damals früh wegen verschiedener Gründe aus: Restriktionen im Bebauungsplan, Eigentumsverhältnisse, die einen Grundstückserwerb sehr umständlich gemacht hätten, oder Landschaftsprobleme an diesen Orten ließen die Planer schnell zu der Erkenntnis kommen, dass die Untere Hub oder der Gleisbauhof an der Autobahnausfahrt Durlach in Frage kommen könnten. Allerdings habe es auch an diesen Standorten gewisse Probleme gegeben, stellte die Stadt damals fest.

Wildpark: Gute Modelle - aber keine Lösung

Ehe es in die vertieften Planungen zu den drei möglichen Standorten - inklusive Wildpark - ging, erläuterte das Architekturbüro Speer und Partner aus Frankfurt die Anforderungen an ein modernes Stadion und welche Wichtigkeit dies für die Stadt als "Visitenkarte" habe. Tiefergehenden Planungen gab es dann im Oktober 2008, als die Planer und Architekten verschiedene Möglichkeiten an den unterschiedlichen Standorten aufzeigten. So bewertete man damals die Untere Hub mit 165,7 Millionen Euro, den Gleisbauhof mit 216,8 Millionen Euro und den Wildpark mit rund 108 Millionen Euro bei einem Neubau. Alle Standorte hätten dabei Vorteile, aber auch Nachteile gehabt, so das Planungsbüro. Eine Einigung erzielten die Verantwortlichen damals bekanntlich nicht.

Neuer Wind in die Planungen kam mit dem Investor Newport, der auf der Mastweide ein neues Stadion errichten wollte. Doch nachdem die Schätzungen Newports mit 51 Millionen Euro und die der Stadt mit 146 Millionen Euro weit auseinander klafften und ein externes Gutachten die Kosten auf rund 120 Millionen Euro bezifferte, legte das Unternehmen die Planungen auf Eis.

Mentrup: "Ich bin überrascht, dass es damals zu keinem Abschluss kam"

So wurden im Jahr 2009 die Planungen für den Wildpark intensiviert. Ein Stadion unter Benutzung des Erdwalls, eines ohne den Erdwall, die Einbeziehung der Haupttribüne oder ein komplett neues Stadion waren Gegenstand der Planungen an diesem "historischen Standort" des Büros Speer und Partner. Die veranschlagten Kosten variierten dabei zwischen 88 und 134 Millionen Euro. Das Büro Speer sprach beim Faktencheck von "guten Modellen, doch die Parteien erzielten leider keine Einigung."

Überrascht zeigte sich deshalb auch OB Mentrup: "Es gab viele Gutachten, es wurde schon viel untersucht, um zu einem Abschluss zu kommen. Vieles ist davon neu für mich, aber ich bin überrascht, dass es damals zu keinem Abschluss kam", so das Stadtoberhaupt. Er definierte drei Kostenblöcke, die in den kommenden Planungen intensiver berücksichtigt werden müssten. Das seien zum einen die Erwerbungskosten für mögliche Grundstücke, die Erschließungskosten inklusive Infrastruktur (20 Millionen Euro am Gleisbauhof, über 30 Millionen an der Unteren Hub) und die Baukosten für das Stadion selbst.

Mentrup: "Stadion ist so nicht mehr anbietbar"

Intensive Beratungen und Diskussionen zum Thema Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Vermarktung, Größe und Ausstattung, Sicherheit, Anbindung des ÖPNV und weitere Punkte müssten nun folgen - einmal im Gespräch mit den KSC-Verantwortlichen und zum anderen in Workshops, die sich aus den Fragen der Besucher des Faktenchecks ergäben. In wie fern diese öffentlich sein werden, müsse nun noch intern geklärt werden. Eines ist für Mentrup aber klar: "Wir haben nicht mehr ultra viel Zeit. Das Stadion ist so nicht mehr anbietbar."

Er zeigte sich erfreut über die sachlichen und konstruktiven Beiträge der Bürger und kündigte nach den Workshops eine öffentliche Abschlussveranstaltung an. Nun wolle er das Gespräch mit dem Innenministerium des Landes, der Polizei und dem KSC suchen und die bisherigen Standorte erneut auf Kosten und Rentabilität prüfen. Als neuen Standortvorschlag brachte Mentrup dabei ein Gelände nahe der Neuen Messe ins Gespräch - allerdings habe das Land bereits angekündigt, dieses nicht abtreten zu wollen. "Am Ende liegt die Entscheidung aber am Gemeinderat. Sie entscheiden, wieviel Geld in die Hand genommen werden soll", beendete Mentrup den Faktencheck.

Auch wenn der Faktencheck nun wenig Neues geliefert hat, so zeigte er allen Anwesenden doch eines: Der Weg zu einer Lösung ist aufgrund der zahlreichen Punkte wie Infrastruktur, Größe und Co. noch ein ganz schön langer für OB Mentrup und die Karlsruher Bürger.

Der für den Faktenchecks durch Oberbürgermeister Mentrup angesetzte schien überraschend: Freitags von 15 bis 18 Uhr hieß es in der Einladung - an einem Tag, an dem der Karlsruher SC um 19 Uhr ein wichtiges Heimspiel in der 3. Liga zu bestreiten hat. Mentrup bekräftigte im Gespräch mit ka-news, dass dieser Termin so gelegt sei, dass alle Beteiligten im Anschluss in den Wildpark gehen könnten. Beim KSC-Präsidium um Ingo Wellenreuther kam dieser Vorschlag indes nicht gut an. Er befürchtete im Gespräch mit ka-news, dass er nicht an diesem Termin teilnehmen könnte, ebenso wie andere wichtige Funktionäre des Vereins. Einigen Karlsruher stieß es bitter auf, weil die Veranstaltung bereits um 15 Uhr stattfinden sollte und viele Interessierte wegen der Arbeit nicht teilnehmen könnten.

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Das Wildparkstadion

Die Haupttribüne des Karlsruher Wildparkstadions Die Südkurve des Karlsruher Wildparkstadions Die Haupttribüne des Karlsruher Wildparkstadions Das Spielfeld von der Südkurve gesehen


Demo gegen Stadionstandort Gleisdreieck/Mastweide



Colani-Entwürfe zum Stadion (2000)

Der Designer Luigi Colani legte schon im Herbst 2000 eigene Entwürfe für ein neues KSC-Stadion vor.


"Bedrohtes Idyll" Mastweide



Entwürfe KSC-Arena Karlsruhe

<p><strong>Übersichtsplan:</strong></p>
<p>Rot: Trainingsplätze im Wildpark<br />
Blau: Stadionbaukörper am Gleisdreieck<br />
Grün: Mittelfristig Sportpark "Untere Hub"<br /></p> Luftbild Standort Gleisdreieck

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