Christian Eichner (KSC Trainer) kommt aus der Halbzeitpause.
Ein Jahr ist Christian Eichner schon Trainer beim Karlsruher SC - Zeit für einen Rückblick.
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
Ein Jahr KSC-Trainer: "Viel passiert, viel erlebt, viel zu verarbeiten", sagt Christian Eichner
Karlsruhe
03.02.2021 17:08
Am 3. Februar 2020 wurde Christian Eichner der Nachfolger von Alois Schwartz als Cheftrainer des Karlsruher SC. Inzwischen hat er dem Team seinen Stempel aufgedrückt, ist - nach anfänglich kleineren Problemen - mit der Elf auf Rang fünf in der Tabelle der 2. Bundesliga gestürmt. Im Interview mit ka-news.de wagt "Eiche" einen Blick zurück auf die Höhen und Tiefen seines Trainerjahres - und einen Blick nach vorne auf seine (blau-weiße) Zukunft.

Herr Eichner, wird das Jubiläum "Ein Jahr KSC-Cheftrainer" gefeiert?

Nein, das ist ein ganz normaler Tag.

Wie lautet Ihr Fazit der zwölf zurückliegenden Monate?

Es ist in dieser Zeit, auch bedingt durch die Corona-Pandemie, extrem viel passiert. Ein schwacher Start in die Liga, zwei Spiele - auch auswärts - innerhalb von vier Tagen. Dann in Vierergruppen trainieren – am Ende das Wahnsinnsfinale bei Greuther Fürth, jetzt gerade Tabellenplatz fünf. Viel passiert, viel erlebt, viel zu verarbeiten.

Christian Eichner (KSC Trainer) im Training.
Christian Eichner (KSC Trainer) im Training. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Was hat sich am meisten aus dieser Zeit ins Gedächtnis eingeprägt?

Dass ich mir Tag für Tag meiner Aufgabe hier bewusst bin: Das bedeutet, dass ich jeden Tag bei meiner Arbeit versuche, jedem gerecht zu werden. Und dass ich jeden Tag Verantwortung übernehme - nicht nur für eine Mannschaft auf dem Platz, sondern auch darüber hinaus. Ich habe eine Mitverantwortung für die Mannschaft hinter dem Team, die Physios, Betreuer et cetera.

Gibt es ein Einzelereignis?

Den 28. Juni 2020: Der Sieg in Greuther Fürth und die ein, zwei Minuten nach dem Abpfiff. Zu dem Zeitpunkt lief das Spiel in Kiel gegen Nürnberg noch - zunächst mit Fehlinformationen - dann mit dem Ergebnis, die Klasse gehalten zu haben. Diese ein, zwei Minuten dauerten eine kleine Ewigkeit.

Welche Ihrer Entscheidungen war der größte Fehler?

Puh, explizit fällt mir da nichts Schwerwiegendes ein.

Womit lagen Sie dagegen "goldrichtig"?

Es gab und gibt generell sicher nicht die eine goldrichtige Entscheidung, die alles in eine Richtung gelenkt hat. Aber es gab, was uns betrifft, sicher ein paar kleine Entscheidungen, die sich in der Summe auf unserer Seite positiv niedergeschlagen haben.

Kritischer Blick bei Christian Eichner (KSC Trainer)
Kritischer Blick bei Christian Eichner (KSC Trainer) Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Zum Beispiel?

Einige personelle Entscheidungen beispielsweise: Daniel Gordon nach langer Pause aufzustellen, der dann prompt ein Tor gegen Paderborn macht. Oder: Kyong Rok Choi ins zentrale Mittelfeld zu stellen und durch diese kleine Veränderung den gewünschten Effekt zu erzielen und mit 3:0 gegen Sandhausen zu gewinnen. Das ließe sich fortführen…

Haben Sie die Entwicklung so vorhergesehen?

Das konnte man so natürlich nicht erwarten. Klar ist für mich aber auch: Der aktuelle Erfolg resultiert auch mit daraus, dass und wie diese schwierigen Momente von uns gemeinsam gemeistert wurden. Zum Beispiel lagen wir gegen Arminia Bielefeld mit 0:3 zurück, waren so gut wie abgestiegen, am Ende stand es 3:3. Oder die drei Niederlagen zu Saisonbeginn - die Mannschaft kam da raus. Das schweißt zusammen.

Vor dem Spiel: Christian Eichner lacht. Die Niederlage im letzten Pflichtspiel wird aber für weniger freundliche Mienen gesorgt haben.
Vor dem Spiel: Christian Eichner lacht. Die Niederlage im letzten Pflichtspiel wird aber für weniger freundliche Mienen gesorgt haben. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Die größte Überraschung - positiv und negativ?

Stellvertretend: Wie sich Marco Thiede fußballerisch weiterentwickelte, das haben ihm die wenigsten zugetraut. Ich will ihn nicht über die anderen stellen - aber ich erwähne ihn, weil er viel von dem verkörpert, wofür diese Mannschaft steht.

Schauen wir nach vorne: Was sind die kurz- und mittelfristigen Ziele?

Mir ist es extrem wichtig, dass der Mannschaft und mir die Arbeit Freude macht, das war schon vor einem Jahr eines meiner größten Ziele. Auf sportlicher Ebene konkret: so früh wie möglich den Klassenerhalt erreichen.

Was erwarten Sie mit dem KSC in einem Jahr?

Ich erhoffe, dass wir als Verein weiter organisch wachsen, uns sukzessive verbessern - in dem Bereich, in dem ich Verantwortung trage, aber auch daneben.

Christian Eichner (KSC Trainer) nachdenklich.
Christian Eichner (KSC Trainer) nachdenklich. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Wir müssen uns aber immer im Klaren sein, dass wir uns in Sachen Etat, in Sachen finanzieller Möglichkeiten, im hinteren Bereich der Liga bewegen. Dass es auch so möglich ist, Große zu ärgern, haben wir gezeigt.

Und was wäre Ihr Wunsch? Erste Bundesliga?

Wie gesagt: In der jetzigen Situation ist erste Bundesliga ist nicht möglich. Wir können in dem einen oder anderen Spiel überraschen, aber in Summe gelingt uns das nicht. Wir haben - auch durch die zwei Drittliga-Jahre - einen Rückstand aufzuholen. Und das geht nur Schritt für Schritt.

Das große Ziel ist, ein stabiler Zweitligist zu werden, in den nächsten zwei, drei Jahren. Und, dass man sagt: Der KSC ist wieder da. Und "wieder da" bedeutet vor allem Stabilität, sportlich wie finanziell. So kann wieder etwas Positives wachsen und entstehen.

Wann ist Christian Eichner - mit oder ohne KSC - in der 1. Bundesliga?

(lacht) Ich hatte schon als Spieler nie überehrgeizige Ziele, auch jetzt nicht. Ich habe alles auf mich zukommen lassen. Als ich damals als Spieler bemerkte: Hoppla, du kannst in der ersten Liga mithalten - da wurde ich extrem ehrgeizig.

Christian Eichner
Christian Eichner im Jahr 2008 als Spieler beim KSC. Bild: Carolin Reisenauer

Natürlich würde ich mich freuen, wenn mal ein Spiel samstags um 15.30 Uhr angepfiffen wird und ich an der Linie stehen würde. Aber wie gesagt: Es kommt - oder eben nicht. Aber - auch aus eigener Erfahrung: Da einmal dabei sein zu dürfen, da gibt es nichts Größeres.

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