KSC-Präsident Ingo Wellenreuther begrüßt die Mitglieder.
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther begrüßt die Mitglieder.
Bild: Thomas Kienzle/dpa
Herr Wellenreuther, wo steht der KSC 2022 und was werden Sie konkret angehen?
Karlsruhe
15.10.2019 17:30
Keine drei Tage sind vergangen, seit Ingo Wellenreuther im Amt des KSC-Präsidenten bestätigt wurde - wenn auch nur mit hauchdünner Mehrheit. Doch für den Politprofi ist das kein Drama, im Gegenteil: Ihm ist der knappe Vorsprung gegen seinen Kontrahenten mehr Wert als ein konkurrenzloser Sieg, wie er im Interview mit ka-news.de-Redakteurin Anya Barros erzählt.

Herr Wellenreuther, der Samstag ist gefühlt schon wieder eine Ewigkeit vorbei, ist der Alltag als KSC-Präsident schon wieder eingekehrt?

Es geht nonstop weiter, ich komme gerade von einer Sitzung vom Steuerungskomittee in Sachen Stadionneubau, also von daher - die Arbeit geht direkt weiter.

Bild: Paul Needham

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Wiederwahl bisher? 

Ich habe viele Gratulationen bekommen, viele im Verein haben sich gefreut, dass die Leistungen des bestehenden Präsidiums honoriert worden sind und für mich persönlich gab es auch viele Glückwünsche. Viele waren auch froh, dass nicht eine ganze Gruppe von Leuten in die Vereinsorgane Präsidium und Verwaltungsrat gewählt wurden, die mit der CG Gruppe zusammenhängen. Das war doch so manchem Mitglied suspekt. Jetzt schauen wir nach vorne und müssen alle für den KSC an einem Strang ziehen - das ist das Entscheidende. Der Samstag ist jetzt also abgehakt.

Drei weitere Jahre mit Ihnen an der Spitze des Vereins - wo steht der KSC 2022? 

Unser Ziel ist, dass wir ein stabiler Zweitligist mit Ambitionen werden und wenn das neue Stadion eröffnet worden ist, dass wir dann - ganz bescheiden - den Blick nach oben Richtung Bundesliga richten können. Aber entscheidend ist erstmal: Demütig zu sein! Wir sind erst einige Wochen wieder zurück in der 2. Liga und stehen dafür ganz ordentlich im Mittelfeld der Tabelle da.

Das wollen wir in der Saison beibehalten, damit wir ohne Abstiegsorgen die Saison stabil zu Ende spielen und darauf dann aufbauen können. Wie gesagt: Wir wollen ein stabiler Zweitligist in den nächsten Jahren werden und dann mit einem sportlich und wirtschaftlich guten Fundament nach vorne blicken. 

Ingo Wellenreuther (KSC Präsident) spricht einleitende Worte. Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Was werden Sie in den nächsten Tagen und Wochen konkret angehen? 

Da ist natürlich der Stadionbau, der jetzt in Detailverhandlungen weiterbetrieben werden muss, da laufen die Sitzungen auch ohne Unterbrechung weiter. Der KSC ist da auch mit vollem Engagement dabei.

Das zweite Thema ist die Ausgliederung: Da werden wir nun die Frage des Aktienverkaufs intensiv prüfen und vorbereiten.

Was die Jugendarbeit betrifft, ist es die "Vision Wildpark". Das meint die ganze Aufstellung im Jugendbereich mit dem Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums und dem Anlegen verschiedener Sportplätze.

Wie gesagt, die Aufgaben gehen uns nicht aus und wir haben noch viele Schritte vor uns - da wird es uns auf keinen Fall langweilig.

Präsident Ingo Wellenreuther Bild: Hammer Photographie

Sie haben am Samstag Fehler eingestanden - dabei sagt man Ihnen nach, dass Sie genau das nicht könnten. Gehen Sie nun demütiger an Ihr Amt? 

Das ist genau der Unterschied: Es ist eine Sache, wie ich wirklich bin und die andere, was man mir nachsagt. Ich war schon immer demütig und hatte Respekt vor der schwierigen Aufgabe, einen Traditionsverein wie den KSC zu führen. Ich habe - wie jeder Mensch - auch immer mal Fehler gemacht und diese auch eingeräumt.

Ich hoffe aber auch viele Dinge zusammen mit meinem Präsidium ganz gut gemacht zu haben, auch wenn einem natürlich nicht immer alles gelingen kann. Mein größter Kritiker bin jedenfalls ich selbst, weil ich überprüfe, was ich tue und reflektiert bin und auch mit Kritik leben kann, wenn sie denn konstruktiv ist.



In den letzten Tagen wurde oft versucht, mich in ein schlechtes Licht zu rücken - das kann ich zwar nicht akzeptieren, aber damit muss ich leider umgehen. Deswegen habe ich die Gelegenheit genutzt, am Samstag in meiner Rede viele Dinge zu erklären, gerade was noch nicht so bekannt war.

Das betrifft die verschiedenen Gerichtsverfahren, die einfach notwendig waren und sind, weil ich als KSC-Präsident verpflichtet bin, die Rechte des KSC zu verteidigen und die Rechte der Mitglieder zu wahren - das ist eine meiner wichtigsten Aufgaben. Ich denke, das haben nun viele verstanden, nachdem sie Details erfahren haben, warum es notwendig war, gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Deswegen glaube ich, dass ich mich nicht so arg verändern muss, sondern die Mitglieder haben am Samstag gemerkt, ich habe es ja konkret angesprochen, dass ich sehr wohl kritikfähig bin und zu meinen Fehlern stehe, die ich gemacht habe. 

Gerade in den schwierigen Abstiegssaisons war sicherlich die ein oder andere Trainerverpflichtung nicht glücklich, das ist wahr. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und es geschah vor allem immer in der Absicht, das Beste für den KSC zu bewirken. Die Mitglieder haben das anerkannt und deswegen war das Ergebnis für mich sehr zufriedenstellend.

Von 9.000 Mitgliedern waren etwas mehr als 1.000 in der Halle. Sind sie mit der Beteiligung zufrieden? 

Wenn man bedenkt, dass schönes Wetter war… Aber 1.000 Leute sind 1.000 Leute von 7.000 Stimmberechtigten, das sind fast 15 Prozent. Im Vergleich zu anderen Vereinen ist das keine schlechte Quote. Ich habe zwar mit ein bisschen mehr gerechnet, aber so war es nun mal.

Bild: Paul Needham

Der Abstand war knapp, beträgt aber 40 Stimmen, aber bei so einer aufgeladenen Stimmung im Vorfeld ist so ein knapper Sieg bei einem Gegenkandidaten mehr Wert, als ohne Gegenkandidaten mit höheren Prozentpunkten zu gewinnen. Ich denke, das war ein ehrliches Ergebnis, wenn auch knapp, das stimmt.

Aber mit fast vier Prozent Vorsprung bin ich trotzdem sehr zufrieden, denn ich denke, alle die mich nicht wählen wollten, waren am Samstag in der Halle. Von den 9.000 Mitgliedern waren "nur" knapp 500 nicht für mich - damit kann ich leben.


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