Daniel Gordon (KSC 3) im Lauf
Daniel Gordon (KSC 3) im Lauf
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
Vertrags-Frust bei KSC-Profi Daniel Gordon: "Dass es sich so hinzieht, nervt natürlich"
Karlsruhe
08.09.2020 14:43
Daniel Gordon ist im Moment vertragslos. Der Abwehrspieler würde aber gerne weiterhin beim Karlsruher SC spielen. Dessen Sportgeschäftsführer Oliver Kreuzer erklärte, Gordon gerne als "Kabinenspieler" einen neuen Kontrakt zu geben. Doch der Etat für Personalkosten beim badischen Zweitligisten gibt dies im Moment nicht her. Streckt "Gordi" seine Fühler schon nach anderen Vereinen aus?

Herr Gordon, "Kabinenspieler" - was bedeutet das?

Dieser Begriff ist auf jeden Fall nicht von mir. Ich glaube das basiert darauf, dass ich in jeder Mannschaft, in der ich war, ein hohes Ansehen genossen habe. Ich bin ein positiver Typ, daraus entstand vielleicht dieser Begriff. Mir geht es ums Sportliche, aber es geht natürlich auch darum, wie man in der Kabine agiert. Ich habe da in den zurückliegenden Jahren eine gute Mischung gefunden.

Das heißt doch aber in erster Linie, dass man ihre charakterlichen Fähigkeiten höher einschätzt als ihre sportliche Leistungsfähigkeit. Konsequenz: Vertrag nur aufgrund Ihrer Sozialkompetenz?

Nein. Ich will der Mannschaft natürlich sportlich weiterhelfen. Mit der Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers gibt es nochmals zusätzliche Konkurrenz, aber der stelle ich mich, wenn es klappt. Mein Naturell ist es nicht, zu sagen: "Gordi, stell dich hinten an und warte." Ich will natürlich spielen.

Daniel Gordon (KSC 3) im Interview, nach dem Training.
Daniel Gordon (KSC 3) im Interview, nach dem Training. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Alles andere wäre auch kontraproduktiv für das Team. Es geht um den Wettbewerb. Ich wäre ein schlechtes Vorbild, wenn ich sagen würde, ich gebe mich damit zufrieden im Kader zu stehen. Nur Kabinenspieler - nein.

Das heißt, durch diese Kategorisierung fühlen Sie sich nicht als Auslaufmodell diskreditiert?

Ich bin erfahren genug, weiß um meine Situation, weiß um mein Alter. Aber ich glaube ganz sicher, dass ich der Mannschaft helfen kann.

Dennoch: Schreckt diese öffentliche Einordnung nicht andere, interessierte Clubs ab? Ist das für Ihre Zukunft nicht hinderlich bis destruktiv?

Nein, das sollte man nicht überbewerten. Es gibt einige Interessenten. Dass es nicht mehr Vereine sind, liegt wohl daran, dass der KSC und ich kommunizierten, dass wir weiter zusammenarbeiten wollen.

Daniel Gordon (KSC 3) schießt den Ball.
Daniel Gordon (KSC 3) schießt den Ball. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Leben Sie im Moment vom Arbeitslosengeld?

Korrekt.

Sie haben Familie, Ihre Frau erwartet das zweite Kind. Da ist diese Hängepartie doch belastend.

Nicht zufriedenstellend. Keiner der arbeitslos ist, ist zufrieden. Es wurde klar kommuniziert seitens des KSC, dass man verlängern will. Dass es sich so hinzieht, nervt natürlich...

Gibt es eine Deadline, bis wann alles über die Bühne sein soll?

Nein, das wurde nie ausgesprochen. Aber klar, die Saison beginnt bald. Ich würde schon gerne von Anfang an dabei sein. Bis die Transferperiode vorbei ist, wird noch viel passieren.

Siegesjubel des Torschützen Daniel Gordon (KSC 3)

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Siegesjubel des Torschützen Daniel Gordon (KSC 3) ;DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO. Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Stichwort Saisonstart: Sind Sie denn fit genug?

Ich absolviere viele Laufeinheiten, bin im Fitnessstudio. Aber klar ist auch, dass ich in Sachen Teamtraining Nachholbedarf habe. Ich würde alles geben, um schnell den Anschluss zu finden.

Der KSC hat inzwischen vier Innen-, aber nur einen Rechtsverteidiger unter Vertrag. Glauben Sie wirklich, bei den Finanzproblemen als fünfter Innenverteidiger einen Vertrag zu bekommen, ehe ein Rechtsverteidiger da ist?

Beides steht im Raum. So wurde es kommuniziert. Ich glaube daran, dass die Zusagen eingehalten werden, dass ich Geduld brauche.

Daniel Gordon (KSC 3) wirft den Ball im Aufwärmspiel beim Training. vor dem Tor.
Daniel Gordon (KSC 3) wirft den Ball im Aufwärmspiel beim Training. vor dem Tor. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Können Sie da nachts überhaupt noch gut schlafen?

Absolut, ich stehe zwar unter Spannung, aber mein Schlaf ist in Ordnung. Es steht das nächste Kapitel auf der Agenda. Ich warte, freue mich. Ich weiß aber auch, dass das Thema Fußballprofi bald ein Ende hat.

Und was kommt danach?

Ich will eine Trainerkarriere starten.

Sind Sie dazu nicht zu gutmütig, zu sehr auf Ausgleich bedacht?

Das kann ich erst beantworten, wenn ich auf der anderen Seite stehe. Ich bin sehr anspruchsvoll, scheue mich allerdings nicht, Kritik zu üben. Aber: Zunächst will ich noch spielen, dann die Trainerscheine machen - alles step by step.

Daniel Gordon (KSC 3) mit Humor beim Training.
Daniel Gordon (KSC 3) mit Humor beim Training. Bild: Carmele/TMC-Fotografie
ka-news.de-Hintergrund: Daniel Gordon

Daniel Gordon wurde am 16. Januar 1985 in Dortmund geboren. Der Deutsch-Jamaikaner begann seine Fußballkarriere von Borussia Dortmund. Nach Stationen beim VfL Bochum, Rot-Weiß Oberhausen und FSV Frankfurt spielte der Innenverteidiger in der Nationalmannschaft von Jamaika.

Seit 2012 trägt "Gordi" das Trikot des KSC - mit einer einjährigen Abwesenheit durch seinen Wechsel zum SV Sandhausen. Der inzwischen 35-Jährige lebt seit acht Jahren in der Fächerstadt. In seiner blau-weißen Karriere hat der 1,94 Meter-Hüne für den KSC 216 Spiele absolviert und 16 Tore erzielt. Mit dem Ende der Saison im Juni lief auch Gordons Vertrag bei den Karlsruhern aus. Seither ist er vereinslos.
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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