Kai Gruber
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Unternehmer Kai Gruber im Interview: "Das würde ich als KSC-Präsident anders machen"
Karlsruhe
04.07.2020 15:00
Der 57 Jahre alte Kai Gruber, Vater von zwei Kindern, ist seit längerem Sponsor beim KSC. Jetzt will der studierte Maschinenbauingenieur Präsident des Karlsruher Traditionsvereins werden. Peter Putzing sprach mit dem Unternehmer und Unternehmensberater über seine Pläne und Visionen.

Herr Gruber, aus welcher Motivation heraus wollen Sie Präsident des KSC werden? 

Ich bin seit Jahren bei Spielen des KSC, mit Leidenschaft, auch auswärts, wenn es möglich ist. Ich bin bei Heimspielen auch immer gerne ins Clubhaus gegangen, habe mich dort unterhalten, habe die Fans lieben und schätzen gelernt. Es ist mir daher schon lange ein Anliegen, etwas für und mit dem KSC zu machen.

Und welche Qualifikation für diesen Job bringen Sie mit?

Die wirtschaftliche und soziale Kompetenz, die ich habe. Dies muss man auch vor dem Hintergrund sehen, was in den letzten Jahren geschah. Die Wertschätzung der Gönner und Sponsoren, aber auch der Fans, war nicht korrekt.

Sie wollen einen Verein führen. Haben Sie darin Erfahrung? 

Ich war viele Jahre in der Vorstandschaft des Tennisclubs Blau-Gold Rastatt. Seit einiger Zeit arbeite ich als Vorstand auch beim FV Steinmauern, dem Fußballverein in meinem Wohnort, mit.

Der größte Teil des KSC ist die Fußballabteilung. Haben Sie Fußball gespielt?

In der Jugend beim SV 08 Kuppenheim, dann bin ich zum Tennis gewechselt, war dort auch ziemlich erfolgreich. Es ging in der Jugend nur eines - da ich im Tennis besser war, fiel die Entscheidung pro Tennis.

Was gefiel Ihnen am KSC, seit Sie sich mit einer Kandidatur beschäftigten?

Der Schuldenberg wurde reduziert und auch daher finden sich immer wieder neue Sponsoren, die Interesse am Verein zeigen. Der Klassenerhalt wurde geschafft, was einen Neuanfang erleichtern wird! Ich bemerke eine positive Stimmung - die will ich noch verstärken.

Was wollen Sie noch verstärken, was verändern? Was sind die Ziele?

Wir müssen den Verein Schritt für Schritt wirtschaftlich sauber aufstellen. Dann brauchen wir unbedingt ein Umfeld, in dem es möglich ist, die Jugendspieler wieder näher an die Profis heranzuführen. Es war ein großer Fehler die zweite Mannschaft abzumelden. Wenn das mit der Annäherung der Jugend gelingt, kommen wir sportlich weiter.

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Mein Ziel ist es, so hat es auch der SC Freiburg für sich definiert: Der KSC soll zu den besten 20 Vereinen in Deutschland gehören. Da muss dann alles so aufgestellt sein, dass man auch einmal einen Abstieg wieder in die zweite Liga verkraften kann.

Ein Zitat von Ihnen: "Durch den Wegfall der 2. Mannschaft entstand eine Lücke, die wir füllen müssen!" Wie soll das geschehen?

Das wird ein weiter Weg, aber den muss man gehen. Es gibt die Möglichkeit, eine gut durchdachte und organisierte Partnerschaft mit einem anderen Bundesliga-Verein einzugehen. Unsere Spieler sollen dort Praxis sammeln.

Sie sind Mitglied beim "KSC Freundeskreis" - somit auch Sponsor. Gehören Sie auch dem "Bündnis KSC" an?

Dem Bündnis gehöre ich nicht an. Aber ich kenne die Mitglieder.

Sind Sie der Kandidat des Freundeskreises. Wurden Sie von dort ermutigt?

Nein! Ermutigt wurde ich von vielen Seiten. Aber es ist mir wichtig klarzustellen, dass ich ein unabhängiger Kandidat bin. Ich kandidiere für keine Interessenvertretung, keine Gruppe. Ich will für den KSC arbeiten und wirtschaften. Ein Wort zum Freundeskreis: Der hilft dem KSC, verhält sich aber immer neutral - das schätze ich.

Bei Ihrer Wahl würden Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze Vizepräsidenten bleiben. Kämen Sie damit zurecht?

Ich käme mit beiden bestens zurecht. Wir kennen uns und hatten immer angenehme Gespräche.

Bei der letzten Wahl zum Vizepräsidenten scheiterten Sie knapp an Siegmund-Schultze. Ärgert Sie das heute noch?

Eigentlich war es damals so, dass nur Holger Siegmund-Schultze und ich kandidierten. Dann kam kurzfristig Edgar Schmitt hinzu. Da haben sich wohl einige Stimmen für mich unglücklich verteilt. Aber ich habe mich damals gefreut.

Ich war zu diesem Zeitpunkt bei den Fans und vielen Mitgliedern total unbekannt, dann dennoch gegen den amtierenden Vize-Präsident solch ein sehr respektables Ergebnis zu erzielen, das freute und freut mich. Das war mehr als beachtlich.

Sie hatten Treffen mit Sponsoren und auch mit den Supporters. Wie war da das Feedback?

Ich wurde von allen Seiten angehalten, mich zu bewerben.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Gut!

Würden Sie sich in den sportlichen Bereich einbringen?

Ich bin der absoluten Überzeugung, dass sich Spitzengremien eines Vereins - dazu gehört der Präsident - nicht in den sportlichen Bereich einmischen sollten. Das ist der Bereich des Sportdirektors. Aber: Der Geschäftsführer Sport ist allein auf weiter Flur.

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Michael Becker, der andere Geschäftsführer, hat auch Kompetenz um sich, er nutzt den Rechts- und den Steuerberater. Warum haben wir nicht auf dem sportlichen Bereich solch eine Beratung?

Sie erklärten, dass Sie einen "sportlichen Beirat" installieren wollen. Warum? Und wer soll dem angehören? Ist das eine Konsequenz aus der Feststellung von KSC-Legende Edgar Schmitt, der dem aktuellen Präsidium fehlende Fußball-Fachkompetenz vorwarf?

Der sportliche Bereich soll und kann die Kompetenz erhöhen. Der Sportdirektor Oliver Kreuzer hat eine Meinung - und das ist mir zu wenig. Mehrere Meinungen ergeben ein runderes Bild. Es gab namhafte Personen, die angeboten haben zu helfen.

Es gibt sicher gute Leute. Ich werde mich in dieses Thema, was mögliche Personen angeht, einarbeiten. Das sehe ich als eine große Chance für den KSC, die Kompetenz und so den Erfolg nach oben zu schrauben.

Oliver Kreuzer darf kommende Saison Sportdirektor bleiben. Wäre es gegenüber dem neuen Präsidenten nicht respektvoller gewesen, mit dieser Entscheidung zu warten, bis der im Amt ist?

Oliver Kreuzer hat einen Vertrag, der besteht. Man muss ihn bei all den Entscheidungen, die er in der Vergangenheit getroffen hat, sicher hinterfragen. Warum hat er wen zu welchem Preis geholt? Das war nicht alles gut.

Aufgrund seiner Entscheidungen ist der Kader so besetzt, wie er besetzt ist. Aber nochmals: Er hat einen Vertrag. Ich erwarte von einem Sportdirektor, dass er jährlich zwei Konzepte darlegt. Ein defensives und ein offensives, bezogen auf die Tabellensituation.

Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Ingo Wellenreuther?

Ich gehe auf jeden zu. Sponsor, Gönner, Anleger und vor allem: Mitglieder. Alle werden von mir eine gleiche Wertschätzung erfahren. Bei großen Verträgen möchte ich dabei sein, nicht, weil ich die gestalten will, sondern aus Wertschätzung dem "Geber" gegenüber. Dass der sieht und sagt: 'Gut, der KSC-Präsident steht dahinter.'

Dann sind für mich Kommunikation und Transparenz enorm wichtig, Schon jetzt rede ich mit den Leuten, reagiere auf Anschreiben. Ich höre alles an, beurteile es und versuche alles zu einer Lösung zu führen, die dem KSC nützt.

Dann: Wir müssen vermeiden, solche Kosten zu produzieren wie es mit den vielen Prozessen geschehen ist. In kniffligen Fällen muss man das Gespräch suchen.

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