Axel Kahn will sich zur Wahl des KSC-Präsidenten aufstellen lassen.
Axel Kahn will sich zur Wahl des KSC-Präsidenten aufstellen lassen.
Bild: J. Schurr
Unternehmer Axel Kahn erklärt: "Darum will ich KSC-Präsident werden"
Karlsruhe
26.06.2020 15:03
Der Unternehmer Axel Kahn kennt sich gut aus beim KSC: Wie Vater Rolf und Bruder Oliver war er seinerzeit Profi im Wildpark. Nun will er zu seinem ehemaligen Verein zurückkehren - allerdings nicht auf den Platz, sondern auf den Stuhl des KSC-Präsidenten. Kahn war der erste Kandidat, der sein Interesse öffentlich machte, das Amt von Ingo Wellenreuther zu übernehmen. Aus welchen Gründen und mit welchen Zielen - darüber hat der 54-Jährige im Interview mit ka-news.de gesprochen.

Herr Kahn, Sie sind Unternehmer und Networker, haben eine Agentur, einen Verlag und jede Menge Arbeit. Warum wollen Sie - bei dieser wenigen Freizeit - KSC Präsident werden?

Der Entschluss ist gereift, nachdem ich von etlichen Leuten in sozialen Netzwerken darauf angesprochen wurde, die mir zuriefen, dass ich mich für das Amt des Präsidenten bewerben soll und dass ich dafür der geeignete Mann wäre. Das geht seit Jahren so, immer wenn KSC Wahlen anstehen. Schließlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich diese öffentliche Plattform überhaupt haben möchte.

Denn wie jeder weiß, ist unsere Familie schon seit vielen Jahren im medialen Blickpunkt. Jetzt allerdings will ich es voll und ganz. Wenn ich etwas anpacke, dann immer mit hundert Prozent und vollem Einsatz. Machen, nicht so viel reden ist meine Devise.

Und warum diese Entscheidung genau jetzt?

Ganz einfach: Es ist für mich "Back to the roots". Der KSC ist mein Heimatverein. Dort begann ich im Alter von sechs Jahren Fußball zu spielen. Dort wurde ich Profi-Fußballer und reifte vom Kind zum Erwachsenen.

Der KSC war mein Leben, meine sportliche Wertevorstellung. Als Aktiver, als Fan - als Logenbesitzer. Somit reifte mein Entschluss, mit dieser KSC-Leidenschaft und dem Herzblut Präsident zu werden, um einen neuen KSC zu entwickeln.

Ihr Vater und ihr Bruder waren auch beim KSC. Hatten die Einfluss auf Ihre Entscheidung?

In unserer Familie ist der Fußball immer ein Thema. Natürlich haben wir darüber intensiv gesprochen - und beide kamen zu dem Schluss: Mach das! Beide unterstützen mich voll und ganz.

Bisher hatten Sie noch nie eine Funktion in einem Verein inne. Was befähigt Sie dazu, den Präsidentenjob zu übernehmen? Und welche Ziele haben Sie?

Ich stand einigen Business Clubs vor. Bei allem, was den KSC betrifft, ist bei mir die Leidenschaft und das Herzblut an erster Stelle. Dann habe ich die Intention, den KSC wieder zu einem wettbewerbsfähigen und vor allen Dingen konkurrenzfähigen Club zu entwickeln.

In den letzten Jahren geschahen Dinge, auch bei der Außendarstellung, die für den KSC einfach nicht gut waren. Es wurden wahnsinnig viele Fehler gemacht. Der KSC wurde eigentlich nur noch belächelt - und das tut mir weh. Ich glaube, ich kann mit meinen Aktivitäten, mit meinen Kontakten, dem KSC viel Gutes tun und viel Neues geben, damit alle, die dem KSC verbunden sind, wieder an etwas glauben.

Das heißt?

Das Fußballgeschäft ist ein völlig anderes als noch vor 20 Jahren. Das Fußball-Business hat sich rasant entwickelt, zum Beispiel beim Thema Digitalisierung. Trotz voranschreitender Entwicklung darf man niemals die Fans vergessen. Und der KSC hat unfassbar tolle Fans.

Die haben es verdient, einen konstanten KSC zu erleben, im dem konzeptionell und konstant an sportlichen Zielen gearbeitet wird. Dies muss darauf hinauslaufen, dass wir wieder einmal höhere Aufgaben wahrnehmen können. Sprich: An die 1. Bundesliga denken können. Das klingt heute vermessen, muss aber langfristig das Ziel sein.

Das wird schwierig...

Stimmt, das sagen alle. Aber alle wollen es! Dafür muss man eine konstante Basis schaffen und die hat der momentane KSC noch nicht.

Wie wollen Sie diese Konstanz schaffen?

Man muss alles analysieren, muss die Strukturen neu definieren und immer wieder alle Abläufe hinterfragen. Wir müssen alles tun, um schnell finanziell stabil zu sein, um im sportlichen Bereich variabler sein zu können und auch wieder spannende Spielereinkäufe zu tätigen, die bisher nicht möglich waren.

Wollen Sie "Leitlinien" erstellen?

Im sportlichen Bereich muss man neue Leitlinien aufstellen. Der KSC braucht, gegenüber dem Ist-Zustand, eine komplett neue DNA. Einst hieß die DNA: Ausbildungsverein! In diese Richtung muss es wieder gehen. In der Analyse der Spieler, die wir zum KSC holen, muss viel mehr gearbeitet werden. Man muss fleißiger sein, denn die Spieler müssen auch charakterlich passen.

Die beste Zeit für einen Profi liegt heute im Alter von 19 bis 26 Jahren. Das muss bei Verpflichtungen berücksichtigt werden. Dann: Es ist klar, dass dem KSC immer wieder gute Spieler weggekauft werden. Aber darum müssen sich die sportlich Verantwortlichen schon während einer Saison kümmern, um früh auszuloten: Wer könnte den Abgang ersetzten?

Schon während der Saison muss man daran arbeiten. Man muss planen: Wie erhalten wir unseren Kader? Wie erweitern, verbessern wir diesen. Nur wenn man fleißig und perspektivisch arbeitet, kann man Erfolg haben.

Das ist eine Kritik an der aktuellen sportlichen Leitung. Denken Sie an personelle Veränderungen im verantwortlichen Bereich? 

Es ist ein grundsätzliches Denken. Ich kann mir zu Interna kein Urteil erlauben. Aber es gibt Dinge, die nicht O.K. sind. Klar, liegt man mal bei Verpflichtungen daneben, aber beim KSC wurde zuletzt oft daneben gelangt. Man muss aber auch beachten: Der Schuldenberg im Rücken erschwerte es und man hatte die Qual und nicht die Wahl.

Aber: Alte Zöpfe sollten endgültig abgeschnitten werden, es muss einen kompletten Neuanfang geben. Das hat der KSC in den vielen Jahren nie gewagt. Wir müssen positiv nach vorne schauen und nicht immer in Nostalgie schwelgen. Die Region hat unwahrscheinliche Lust darauf, dass der KSC Erfolg hat - und ich habe noch mehr Lust darauf, daran zu arbeiten! Ich will den KSC in den nächsten drei, fünf und zehn Jahren zu einer positiv behafteten Marke machen, dazu habe ich auch die Möglichkeiten.

Sie sprachen zuvor die Außendarstellung des KSC an, die mäßig war...

Wohl mehr als das. Der KSC hat zuletzt seinen Stolz verloren. Früher war jeder stolz auf ihn. Einige haben sich mittlerweile abgewendet. Alle Beteiligten mussten viel ertragen. Wir werden über personelle Konzepte, Teamwork und Etappenziele wieder das alte Gefühl pro KSC zu erzeugen.

Alles geht nur in Teams und ich bin ein Teamplayer. Jeder Mitarbeiter des KSC muss die Ambition haben, den Verein weiter zu entwickeln und mit zu gestalten. Strukturen aufbauen, Mitarbeiter motivieren und entwickeln - das kann ich. Dass es zu personellen Veränderungen kommen kann, ist selbstredend.

Was gefiel Ihnen denn am KSC zuletzt?

Drei Dinge: Erstens die Ausgliederung der Profiabteilung, zweitens die Entschuldung, um von 30 Millionen Euro Schulden auf zehn zu kommen - prima. Aber zu beachten ist auch: Wir wissen nicht, wie es wegen und nach Corona weitergeht. Daher müssen der Aktienverkauf und das Marketing sowie Sponsoring forciert werden.

Drittens: Der Bau des neuen Stadions. Das sind drei Chancen für die Zukunft. Werden die wieder vergeben, trudelt der Verein ins Bodenlose und irgendwann Richtung Insolvenz. Somit richte ich mich immer nur ausschließlich an den Chancen und Möglichkeiten aus, die vorhanden sind.

Sagen Sie etwas zu Ihren Konkurrenten?

Es ist legitim, dass sich jemand als Präsident des KSC bewirbt. Für mich wird das ein sportlicher Wettkampf, eine normale Auseinandersetzung, die fair und professionell ablaufen soll. Wie auf dem Fußballplatz. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sollten Sie gewählt werden, werden Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze Vize-Präsidenten bleiben. Hatten Sie schon Kontakt zu den beiden?

Günter Pilarsky kenne ich seit vielen Jahren sehr gut, er ist ein Freund und ein Mann mit einem großen Herz - vor allem für den KSC. Ebenso werde ich selbstverständlich auch mit Holger Siegmund-Schultze sprechen, um im Fall der Fälle bestenfalls gemeinsam zu guten Ergebnissen zu kommen.

Grundsätzlich hat jeder im Verein eine Stimme, sodass ich wirklich mit jedem sprechen werde, um jedem die Chance zu geben, am neuen KSC mitzuwirken und eine neue Zeitrechnung mit zu gestalten. Ansonsten werde ich mich zurückhalten und die Bühne den sportlich Verantwortlichen überlassen. Um die und den Fußball geht es primär und nicht um den Präsidenten!

Es gibt die neue Kraft beim KSC, das "Bündnis KSC". Gibt es da Termine?

Ich kenne fast alle aus dem Bündnis und habe mit einigen auch schon gesprochen. Das Bündnis war der Auslöser für Vieles und hat den KSC auf einen anderen Stand gebracht.

Ihr Bruder Oliver ist Chef des FC Bayern München. Eröffnet das für den KSC Chancen? Zum Beispiel, um junge Spieler von dort auszuleihen?

Natürlich findet innerhalb der Familie, seit wir laufen können, immer ein reger Austausch über Fußball statt. Ich möchte die Situation nicht so hoch bewerten wie Ihre Frage und keine Dinge kolportieren, solange ich kein Präsident bin. Wer eins und eins zusammenzählen kann, kann sich vorstellen, welche Möglichkeiten in unserem Familiennetzwerk vorhanden sind.

Bayern-Vorstand Oliver Kahn. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Wie sehen Sie die Chancen Ihrer Wahl?

Da ist alles offen. Jeder weiß, worum es bei mir geht, wenn er sich näher mit mir auseinandersetzt. Ich habe in den letzten 15 Jahren viel gearbeitet und Netzwerke und Kontakte aufgebaut, die ich dem KSC zur Verfügung stellen werde.

Ich bin offen und werde gute Energie mitbringen, damit der KSC wieder Gewicht bekommt und mit positiven Schlagzeilen belegt wird. Dabei geht es nicht um Axel Kahn - es geht um den Verein Karlsruher SC. Der es nach so vielen Jahren verdient hat, eine Konstanz auf hohem Niveau zu erreichen.

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