Kyoung-Rok Choi (KSC 11) im Duell mit Jerome Gondorf (KSC 8)
Kyoung-Rok Choi (KSC 11) im Duell mit Jerome Gondorf (KSC 8)
Bild: Carmele|TMC-Fotografie
KSC-Interview: "Kein Männerfußball" - Wie sehr fehlt der Mannschaft aktuell ihr "Aggressiv Leader", Herr Gondorf?
Karlsruhe
11.10.2021 06:00
Er ist Kapitän und einer der Führungsspieler des KSC: Jerome Gondorf. Doch eine schwere Muskelverletzung im Oberschenkel zwang ihn zu einer Pause. Drei Zweitligaspiele der Badener musste der Mittelfeldmann mit Erstligaerfahrung zuletzt zuschauen. "Jego" ist zuversichtlich nach der Länderspielpause, bei der Partie des KSC gegen Erzgebirge Aue, wieder dabei sein zu können. Mit Gondorf sprach Peter Putzing.

Herr Gondorf, was macht die Verletzung? Wie geht es Ihnen?

 Ganz gut. Ich war schon ein paar Mal auf dem Platz, habe individuell gearbeitet. Alles wird langsam aufgebaut, mit dem Ziel, dass der geplante Abschlusstest am kommenden Montag gut verläuft und ich danach wieder mit der Mannschaft trainieren kann.

Sie hatten im linken Oberschenkel einen Muskelfaserriss?

Es war etwas mehr als einen Muskelfaserriss. Eine Sehne war in Mitleidenschaft gezogen. Daher muss man mit Bedacht vorgehen. Wir sind alle positiv überrascht, dass ich so schnell wieder auf dem Platz stehe. Ich scheine gutes Heilfleisch zu haben.

Kapitän Jerome Gondorf (KSC 8) hält den Ball.
Kapitän Jerome Gondorf (KSC 8) hält den Ball. Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Sie verfolgten drei Spiele des KSC von außen. Hatten Sie da bereits den Trainer-Blick? Denn es ist doch wohl wahrscheinlich, dass Sie nach der Profikarriere ins Trainerfach wechseln?

Das ist durchaus eine mögliche Zukunftsoption. Das steht zur Auswahl. Ich habe die Partien zum einen mit dem Blick des Mitspielers verfolgt, aber auch etwas mit dem Trainerauge. Vor allem vor dem Hintergrund der Vorgaben, die die Mannschaft von Trainer Christian Eichner bekommen hat. Was war gut? Was eher nicht? Nach dem Spiel habe ich mich mit dem Trainer ausgetauscht.

Und wie haben Sie die drei Spiele gesehen?

Man muss da jede Partie separat bewerten. In Schalke waren wir defensiv sehr stark. Auch wenn man berücksichtigt, dass Schalke nicht den besten Tag hatte. Dafür, dass viele unserer Jungs erstmals in so einer richtig großen Arena gespielt haben, haben sie es gut gemacht und wurden durch Marvins Traumtor belohnt.

Jerome Gondorf (KSC 8) im Zweikampf um den Ball.
Jerome Gondorf (KSC 8) im Zweikampf um den Ball. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dann kam Pauli. Denen haben wir zu viele Freiheiten gelassen. Dann sind die enorm stark. Da ließen wir Grundattribute wie: Aggressivität. den Gegner stressen, vermissen… In Regensburg war das wieder vorhanden. Aber: Regensburg war auch schwach wie nie zuvor in dieser Saison. Das hätten wir ausnutzen müssen. Nach einer 2;0 Führung - und das sehe ich mit Trainer-Blick - muss man drei Punkte mit nach Karlsruhe nehmen.

Sie sprechen von fehlender Aggressivität. Eichner monierte, es habe "Männerfußball" gefehlt. Hat da Jerôme Gondorf ganz besonders gefehlt?

Das weiß ich nicht. Aber: Wenn wir sieben gelbe Karten kassieren – und das jetzt meine ich nicht böse – aber der Gegner nicht einmal Schmerzen hat, dann stimmt etwas nicht. Ich denke, ich hätte wohl mal ein Zeichen gesetzt. Das hat ein Stück weit gefehlt.

Auch wenn Jerome Gondorf auf dem Platz steht gibt es Leistungs-Unterschiede zwischen Heim- und Auswärtsspielen. Auswärts präsentiert sich der KSC besser als im heimischen Wildpark. Woran liegt das?

Schwierig. Das ist auch gegnerabhängig. Auswärts macht meist der Gastgeber das Spiel. Da kann man durch schnelle Ballgewinne in bessere Räume, in gefährliche Zonen kommen. Im Wildpark stehen die Gegner tief. Es fährt keiner mehr zum KSC und sagt: Da holen wir schnell mal die drei Punkte. Die Teams sind vorsichtiger geworden, haben mehr Respekt und stehen daher mehr hinten drin. Aber einen so großen Unterschied zwischen Heim- und Auswärtsspielen sehe ich nicht.

Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball.
Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Jetzt kommt Erzgebirge Aue. Die werden im Wildpark kein Offensivfeuerwerk abbrennen, sondern: Beton anrühren.

Das sehe ich auch so. Es wird eine harte Nuss. Man hat gesehen, wie Aue es gegen den HSV richtig gut gemacht hat, Und der HSV ist - unter Tim Walter als Trainer - schwer zu bespielen. Die sind individuell gut besetzt, sind unberechenbar, sind taktisch schwer einzuschätzen. Es war unglücklich, dass Aue nicht gewonnen hat. Da kommt ein Brocken auf uns zu, das wird ein unangenehmes Spiel. Gut war, dass wir gesehen haben: Aue hat einen neuen Schub bekommen! Wohl auch durch den Trainerwechsel.

Babacar Guèye kehrt in den Wildpark zurück. Er wird hoch motiviert sein, sein Verhältnis zu Keeper Marius Gersbeck war nicht das Beste. Er wird alles daransetzen, einen Treffer zu erzielen. Wird das KSC-Team ein besonderes Augenmerk auf ihn legen?

Nein, es ist ja nicht so, dass er bisher sieben, acht Tore erzielte, oder dass er jeden Angriff einleitet. Er ist abhängig von seinen Kollegen. Wir wissen um seine Stärken und seine Schwächen. Diese Kenntnisse müssen wir ausnützen.

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
11 Kommentare