r. Holger Siegmund-Schultze
r. Holger Siegmund-Schultze
Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie
Über 100 Tage KSC-Präsident - Holger Siegmund-Schultze im Interview: "Wichtiger seinen Job zu machen"
Karlsruhe
10.12.2020 07:12
Die 100-Tage-Frist ist der Zeitraum, der einem neuen Amtsinhaber zugestanden wird, um sich einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Danach kommt es zu einer ersten Bewertung. Bei KSC Präsident Holger Siegmund-Schultze ist diese Frist verstrichen, ohne dass er auf eine Bewertung angesprochen wurde. Warum? Darüber und über vieles andere sprach Peter Putzing mit dem KSC-Chef.

Lest im ersten Teil unseres Zwei-Teilers, welche Bilanz Holger Siegmund-Schultze nach seinen ersten 100 Tagen als KSC-Präsident zieht, was er zum Vorstoß von Martin Müller über eine mögliche Vertragsverlängerung von Oliver Kreuzer sagt und wie er die aktuelle gute sportliche Situation bewertet.

Herr Siegmund-Schultze, Sie sind länger als hundert Tage KSC Präsident. Die sonst übliche öffentliche Bewertung Ihrer Arbeit fand bisher nicht statt. Warum?

Vielleicht, weil ich schon zuvor im Präsidium des Vereins war? Ich bin nicht neu, sondern schon sieben Jahre beim KSC.

Möglich. Aber: Dass es so ist, ist Ihnen sicher nicht unrecht, denn Sie sind keiner der ins Rampenlicht drängt.

(schmunzelt) Es kann durchaus sein, dass Ihre Wahrnehmung zutrifft. Ich brenne nicht darauf, öffentlich zu reden. Das entspricht nicht meiner Grundhaltung. Ich finde es wichtiger, dass man seinen Job macht, als irgendwelche Statements abzugeben.

Auf diese Aussage "irgendwelche Statements abzugeben", kommen wir gleich zurück. Zuvor: Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?

Wir kommen aus einer heftigen Krise, die externe - sprich Corona Pandemie - aber auch interne Gründe hat:

Im vergangenen Mai hat ein gravierender Umbruch stattgefunden, der Präsident trat zurück, die erfolgreiche Sanierung, dann die Neuwahl. Es wurde im positiven Sinn alles auf den Kopf gestellt. In den Jahren zuvor blieben Dinge liegen, hat vieles stagniert. Jetzt wird sehr viel auf einmal in Angriff genommen.

Vize-Präsident Holger Siegmund-Schultze
Vize-Präsident Holger Siegmund-Schultze Bild: ps/Screenshot

Mit der Sanierung wurden Kräfte frei, es wurden Dinge verändert, damit wir überleben konnten. Auch in Sachen Etatdisziplin. Ich empfinde es natürlich als positiv, dass wir jetzt die Chancen nutzen, die uns die Region Karlsruhe bietet. Aber wir brauchen einen langen Atem, wir müssen den Veränderungsprozess sehr gründlich und konsequent fortsetzen.

Eines Ihrer Anliegen war, die schlimme Außendarstellung des KSC, das bundesweite Kopfschütteln über die badischen Prozesshansel und die "Wildpark Kakophonie", zu verändern. Da war schnell Makulatur: Ihr Stellvertreter Martin Müller erklärte öffentlich, ohne Absprache mit Ihnen oder den zuständigen Gremien, dass er den Vertrag mit dem umstrittenen Sportdirektor Oliver Kreuzer verlängern würde. Ein Affront…?

Dieser Einzelvorgang war nicht positiv. Aber so etwas ist im Profifußball, wo Öffentlichkeit und Emotionen alltäglich sind, nicht ungewöhnlich. Ich nenne das einen Querschläger, aber das beschäftigt uns nicht nachhaltig.

Kann es sein, dass solche "Querschläger" von möglichen großen Investoren, die der KSC bekanntlich sucht, als derart negativ wahrgenommen werden, dass die sagen: Wieder Uneinigkeit beim KSC. Da investieren wir nicht!

Einen Profiverein zu führen ist nun mal, wie das Fußballspiel selbst, mit Fehlern verbunden. Dennoch machen wir deutlich mehr richtig als falsch. Das wird auch von Investoren so wahrgenommen. Mögliche Investoren haben uns auf die Äußerung von Martin Müller angesprochen, das habe ich ihm auch gesagt. Aber Investoren nehmen gleichzeitig wahr, dass wir vieles anpacken, dass vieles gut läuft.

Themenwechsel: Wie groß ist Ihr Anteil an der sportlichen Entwicklung?

Der geht gegen null… Was wir im Beirat tun können, ist für eine gute Kultur, für einen guten Umgang zu sorgen. Wenn das mit dazu führt, dass der Trainer Entscheidungen treffen kann, ohne jegliche Angst, dann ist es in Ordnung.

Aber die sportliche Entwicklung muss Sie freuen…?

Natürlich. Aber ich bin nach anfangs vier Pflichtspielen ohne Punkt und ohne Tor auch nicht verzweifelt. Genau so wenig bin ich jetzt euphorisch. Ich weiß, es kommen wieder andere Phasen. Meine Aufgabe ist es über die Saison hinweg Ruhe auszustrahlen.

Der KSC steht in der Tabelle nur wenig hinter den Aufstiegsplätzen. Haben Sie das realisiert?

Ich schaue immer auf die Tabelle. Aber ich schaue auch immer auf die Anzahl der Spiele, die absolviert sind. Das muss man in Relation sehen. Ich lasse mich zu keiner Aussage bezüglich unserer sportlichen Ziele verleiten. Das bringt nichts. Vergangene Saison waren wir zu diesem Zeitpunkt auch in einer guten Situation, das hat sich dann mächtig verändert….

Der zweite Teil des Interviews mit dem neuen KSC-Präsidenten folgt morgen auf ka-news.de

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
5 Kommentare