Sebastian Freis schaut in die Kamera.
Sebastian Freis
Bild: Armin Weigel/dpa/Archivbild
Er sucht nach den KSC-Profis von morgen: Ex-Karlsruher Sebastian Freis unterstützt die Scouting-Abteilung
Karlsruhe
04.09.2021 15:00
Eines war Sebastian Freis schon immer klar: Nach der aktiven Karriere wollte er im Fußballgeschäft bleiben. In welcher Funktion - das würde sich herausstellen. Einen Trainerjob strebte er nicht an. Nach rund einem Jahr als Spieler-Scout für den KSC ist der 36-jährige ehemalige Stürmer bereit für neue Herausforderungen - in der Organisation der Scouting-Abteilung der Blau-Weißen.

Herr Freis, man hat Ihnen nun einen größeren Zuständigkeitsbereich gegeben. Wie lautet Ihre Arbeitsplatzbeschreibung?

Die Scouting-Abteilung wurde zur neuen Saison deutlich ausgebaut. Ich bin für die Koordination und den gezielten Einsatz aller KSC-Scouts zuständig. Und ich pflege alle daraus resultierenden fundamentalen Erkenntnisse in unser SAP-System ein. Danach arbeite ich die Ergebnisse so auf, dass sie für die Kaderplanung nützlich sind, wobei ich meine langjährige Erfahrung im Profifußball einfließen lasse.

Der Karlsruher Sebastian Freis (r) bejubelt seinen Treffer zum 1:0.
Der Karlsruher Sebastian Freis (r) bejubelt seinen Treffer zum 1:0. Bild:

Beispielsweise: Eignet sich ein Spieler für eine sofortige Verpflichtung oder braucht er noch eine Phase der Entwicklung, ehe er dem KSC helfen kann? Zudem ist es mir wichtig, noch enger mit dem Nachwuchsleistungszentrum zusammen zu arbeiten. Dort gibt es mit Sandro Sitter einen sehr guten hauptamtlichen Scout. Ich werde diese Schnittstelle pflegen, denn es kann durchaus sein, dass er einen Spieler scoutet, der mit seinem Anforderungsprofil mittelfristig für unseren Profikader interessant wird.

Das heißt: Sie sind nur für die Spielerbeobachtung, nicht aber für die Spielbeobachtung zuständig?

Dafür gibt es ein eigenes Team. Wenn ich zufällig den kommenden KSC-Gegner eine Woche zuvor gesehen habe, tausche ich mich natürlich mit "Eiche" aus. Die Hauptaufgabe lautet: Neue Spieler für den KSC zu finden.

Wie viele Scouts gibt es und wo werden die eingesetzt?

Wir haben jetzt vier Regionalscouts plus Lothar Strehlau und auch ich bin zusätzlich vorwiegend im Südwesten Deutschlands unterwegs. Somit können wir Deutschland und das angrenzende Ausland sinnvoll abdecken. Auch unser technischer Leiter Sport, Necat Aygün, scoutet Spieler.

Lothar Strehlau
Lothar Strehlau Bild: www.christian-blesinger.com

Sie erwähnten Lothar Strehlau. Der war bisher der Scouting-Chef. Wie sieht das jetzt aus?

Er ist weiter Chefscout und an seiner Arbeit verändert sich nichts. Ich bin froh, von der Erfahrung eines Lothar Strehlau profitieren zu dürfen. Meine Position im von uns beiden gemeinsam entwickelten neuen Scouting-Konzept ist ergänzend und unterstützend. Zum Beispiel dahingehend, dass ich die wöchentliche Koordination und Kommunikation mit den Scouts übernehme. Lothar kann sich ganz auf das Scouting konzentrieren.

Auf was legen Sie, als ehemaliger Profi, das Hauptaugenmerk beim Scouting?

Beim Livescouting neben Basics, wie zum Beispiel die Technik, besonders auf Aktionen des Spielers abseits vom Ball. Konkret: Laufwege, Konzentration und Antizipation auf Situationen im Umfeld, Kommunikation mit Mitspielern.

Bild: privat

Angenommen, Sie haben ein Toptalent gescoutet. Wie weit geht Ihre Entscheidungsbefugnis hinsichtlich dessen Verpflichtung?

Ich entscheide, wo wir unsere Scoutingressourcen einsetzen. Eine Verpflichtung fällt nicht in den Kompetenzbereich des Scoutings. Wir geben Empfehlungen, haben aber keinen direkten Einfluss auf die weiteren Entscheidungen bis hin zu einer Verpflichtung.

Haben Sie schon Vorschläge hinsichtlich der aktuellen Neuzugänge gemacht?

Ich habe schwerpunktmäßig in Liga drei gescoutet, von da kamen Leon Jensen und Lucas Cueto. In wieweit meine Scoutingergebnisse Verpflichtungen beeinflusst haben, kann ich aber nicht abschließend beurteilen. In der Regel fließen immer mehrere verschiedene Einschätzungen zusammen, um einen Spieler zu verpflichten.

Ihre nächsten Ziele?

Mit viel Fleiß Erfahrungen sammeln und mir Wissen im Scouting aneignen. Ich darf in dieser Position Verantwortung fürs komplette Scouting übernehmen und möchte meine eigenen Ideen einbringen, um den KSC dort weiter zu entwickeln.

Ein weiteres, persönliches Ziel: Es gibt seit einem Jahr vom DFB einen Lehrgang für Sportmanager. Ich werde versuchen, nach der Corona Krise an diesem als Teilnehmer dabei zu sein. Thomas Kessler, Marcel Schäfer, Christian Gentner - alles Ex-Mitspieler von mir - haben daran teilgenommen und waren begeistert.

Sebastian Freis erzielte im September 2008 den letzten Treffer des KSC gegen den VfB
Sebastian Freis Bild: Carolin Reisenauer

Der KSC hat in den letzten fünf Jahren keinen Spieler entdeckt und verpflichtet, der nur in einer tieferen Liga als der KSC aktiv war und der im Wildpark Stammspieler wurde. Zuvor waren solche tollen Treffer mit Grischa Prömel oder Manuel Torres gelungen. Warum wird das jetzt mit Sebastian Freis wieder besser?

Wir können mit unserer neuen Struktur und mehr Manpower jetzt intensiver und flächendeckender scouten. Ziel beim KSC muss sein, Spieler zu scouten, zu verpflichten und zu entwickeln, damit für den Verein im Idealfall auch ein finanzieller Mehrwert herausspringt. Aber: Das Scouting ist nur der wichtige Anfang des Prozesses, dann muss der Trainer mit den neuen Spielern gut arbeiten, danach der Manager erfolgreich verhandeln.

Philipp Hofmann (KSC 33) im Zweikampf gegen Grischa Prömel (Union Berlin 21)
Philipp Hofmann (KSC 33) im Zweikampf gegen Grischa Prömel (Union Berlin 21) Bild: Carmele|TMC Fotografie

Apropos erfolgreich: Haben Sie eine Erfolgsbeteiligung?

Nein, das wäre Unsinn und Erfolg ist auf diesem Gebiet auch nicht unmittelbar nachweisbar. Zudem könnte so etwas sehr schnell zu Interessenkonflikten führen. Ein schöner Erfolg wäre es für mich, wenn ich auch nach meiner aktiven Karriere ein zweites Mal meinen Beitrag dazu leisten kann, dass der KSC seine sportlichen Ziele in Zukunft erreicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Sebastian Freis als als Leiter der Scouting-Abteilung ausgewiesen. Richtig ist dagegen, dass er die Organisation übernimmt. Die Leitung hat Necat Aygün inne.

 

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
7 Kommentare