Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball.
Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball.
Bild: Carmele|TMC-Fotografie
Corona-Quarantäne bei KSC-Kapitän Jerôme Gondorf: Hausarbeit? Putzen? Kochen? "Von der Pike auf gelernt"
Karlsruhe
14.04.2021 06:00
Jerome Gondorf ist einer der absoluten Führungsspieler des KSC. Das Wort des KSC Kapitäns hat Gewicht. Auf dem Spielfeld, aber auch außerhalb. Die Quarantänezeit verbringt Mittelfeldspieler Gondorf, Vater von zwei Töchtern, mit seiner Familie im Wohnort Malsch. Mit Gondorf sprach Peter Putzing.

Herr Gondorf, Sie sind - wegen der Corona Erkrankungen von Teamkollegen - in Quarantäne. Haben Sie schon einen Lagerkoller?

Bisher nicht. Ich habe das Glück, einen relativ großen Garten zu haben und zwei Kinder. Die Töchter halten mich auf Trab und lenken mich ab. Dazu haben wir unser tägliches Fitnessprogramm zu absolvieren.

Wie sieht es aus mit Hausarbeit? Kochen? Putzen? Sind Sie da auch dabei?

Sicher, wenn man mit fünf Geschwistern aufwächst, dann hat man so etwas von der Pike auf gelernt, zudem bin ich schon mit 20 Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen. Da musste ich das auch machen. Das führe ich einfach fort.

Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball.
Jerome Gondorf (KSC 8) am Ball. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wie ist es um Ihre Fitness bestellt? Kann man die im Homeoffice hochhalten? Haben Sie zum Beispiel Gewicht zugelegt?

In den ersten Tagen habe ich 1,5 Kilogramm abgenommen, die tägliche, mehrstündige Gartenarbeit und die Übungseinheiten haben da wohl Kalorien verbrannt. Aber das Teamtraining fehlt natürlich. Wir müssen versuchen, die Grundlagen aufrecht zu halten.

Stehen Sie in regelmäßigem Kontakt mit Teamkollegen und dem Trainerteam?

Ja, ich telefoniere öfters mit dem Trainer, er erkundigt sich, ob alles in der Mannschaft okay ist. Ob es etwas zu verbessern gibt auf den Kommunikationswegen, beim Rhythmus in dem wir arbeiten. Er holt sich Feedback, ich frage mannschaftsdienliche Dinge an.

Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion
Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Wir sind - wie es immer war - in einem super Austausch. Dann haben wir eine WhatsApp Gruppe. Zudem ist es immer so, dass man ein paar Kollegen hat, mit denen man sich besonders gut versteht. Da gibt es Facetime.

Sie haben Familie, Teamkollegen leben alleine, das ist vieles schwieriger…

Das stelle ich mir ganz, ganz schwierig vor. Alleine, dann womöglich in einer Wohnung ohne Balkon - das ist dann schon heftig. Für mich wäre das extrem. Den ganzen Tag Netflix schauen, das wird langweilig. Da droht dann ein Koller.

Kümmern Sie sich - als Kapitän- um solche Kollegen, halten Sie Kontakt?

Man merkt im Gruppenchat: Wer ist gut drauf? Geht es witzig zu? Wer beteiligt sich? Wir versuchen Kontakt zu halten.

Es stehen dem KSC sehr stressige Wochen bevor. Sind Sie da besonders froh, dass der KSC 42 Punkte auf dem Konto hat und der Klassenerhalt sicher ist? Sonst wäre jetzt wohl zittern angesagt.

Sehr froh! Wir wissen aus der letzten Saison, was da passieren kann. Es geht für uns nach vorne und nach hinten nichts mehr. Kiel und auch Sandhausen sind da in einer wesentlich unangenehmeren Situation. Diese Jungs wissen: Wir müssen punkten, aber wir sind nicht in einer Topverfassung und wir haben kaum Regenerationszeit, es geht Schlag auf Schlag - schlimm. Wir haben "nur" noch unsere eigenen Ziele, die wir erreichen wollen.

Jerome Gondorf: Vertrag bis 30. Juni 2022 - Position: zentrales Mittelfeld
Jerome Gondorf: Vertrag bis 30. Juni 2022 - Position: zentrales Mittelfeld Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Dieses Ziel hieß vor der Quarantäne: Die 50 Punkte Marke erreichen. Bleibt es dabei?

Nach wie vor. Es geht auch darum, für den Club Fernsehgelder zu generieren. Wir haben einen sportlichen Ehrgeiz und wollen dem Club auf der wirtschaftlichen Ebene helfen.

Was erwarten Sie nach der Quarantäne? Volle Leistungsfähigkeit?

Das geht nicht. Man wird denke ich merken, dass ab der 70. Minute das Laktat schneller einschießt. Aber im Fußball geht auch viel über den Kopf, über Willen und Leidensfähigkeit. Damit kann man auch Spiele für sich entscheiden.

Wie lautet das Zwischenfazit des KSC Kapitäns? Bisher: top?

Ich bin aus Karlsruhe, ich kenne den Club, das Umfeld, viele Fans. Daher versuche ich den Ball flach zu halten. Nach der Niederlage gegen Osnabrück, nach einem schlechten Spiel von uns – da herrschte tiefe Enttäuschung.

Vergessen, dass wir eine Woche zuvor gegen Paderborn eines der besten Spiele der letzten Jahre ablieferten. Daher versuche ich zu bremsen, versuche realistisch zu bleiben. Es war bisher eine Topsaison. Was am Ende rumkommt - abwarten. Wir werden es schaffen, unter die ersten acht bis zehn Teams zu kommen. Vor der Saison hätte diese Platzierung jeder unterschrieben.

Der KSC steht wegen der Häufung an Corona Erkrankungen in der Kritik. Haben das Team bzw. der Staff Fehler gemacht in Sachen Hygienekonzept?

Mir ist nichts bekannt. Sobald wir auf dem Trainingsgelände aus dem Auto aussteigen, gilt Maskenpflicht. Daran halten sich alle. Zudem sind die Kontakte innerhalb der Mannschaft nur auf das Notwendigste reduziert.

Jerôme Gondorf (KSC 8) im Zweikampf mit Christoph Moritz (Regensburg 18)
Jerôme Gondorf (KSC 8) im Zweikampf mit Christoph Moritz (Regensburg 18) Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Haben Sie Angst, dass mögliche Fehler gar mit Punktabzug bestraft werden könnten?

Nein, das kann ich mir gar nicht vorstellen.

Trainer Eichner erklärte, dass er sich während der Quarantäne intensiv um neue Spieler kümmert. Sind Sie da informiert, oder gar involviert in den Auswahl- und Entscheidungsprozess?

In erster Linie ist das Sache vom Trainerteam, mit der Scoutingabteilung und dem Sportdirektor. Aber wenn es sich um Spieler handelt, die ich kenne, mit denen ich vielleicht zusammenspielte, dann frägt er mich schon. Wir sind in einem coolen Austausch.

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