Karlsruhes Trainer Lukas Kwasniok geht über das Spielfeld.
Lukas Kwasniok trainiert nun den FC Saarbrücken.
Bild: Uwe Anspach (dpa)
KSC trifft auf Ex-Trainer: Kwasniok geht ohne Angst ins DFB-Spiel gegen seinen ehemaligen Verein
Karlsruhe
04.02.2020 14:00
Es ist das erste Pflichtspiel, bei dem Lukas Kwasniok als Cheftrainer des Regionalligisten 1. FC Saarbrücken die Verantwortung trägt. Und das bei der besonders brisanten Partie des FCS gegen den Ex-Club von Kwasniok, gegen seinen Herzensverein - den KSC. Wie ein neuer KSC-Trainer seine Vorbereitung auf das Spiel verändert, wie er dennoch seine Chancen sieht und welche Vorteile das Spiel in Völklingen dem FC Saarbrücken bringen soll - Peter Putzing hat mit Kwasniok gesprochen.

Lukas Kwasniok, der einst Kapitän der deutschen U16 Nationalelf war, spielte in der Jugend beim KSC, war dann im Wildpark Trainer im Nachwuchsbereich und Interimscoach der Profis. Jetzt will 38-Jährige, der seit vielen Jahren in Muggensturm lebt, den KSC aus dem DFB-Pokal werfen, um die 1,4 Millionen Euro Einnahmen zu kassieren. Ein Interview.

Herr Kwasniok, der KSC hat Alois Schwartz als Cheftrainer entlassen. Ändert sich dadurch, dass ein anderer Trainer auf der Bank sitzt, etwas für Sie, etwas in der Vorbereitung dieser Pokalpartie?

Auf alle Fälle.

Und was?

Innerhalb des KSC-Teams wird sich einiges verändern. Denn ein Personalwechsel ruft immer Veränderungen in einer Mannschaft hervor. Die Mannschaft wird mit einer anderen Gier antreten. Durch diese KSC-Entscheidung verändert sich für uns die Chance auf das Weiterkommen.

Wird die Chance größer oder kleiner?

Das wird man im Laufe des Spieles sehen. Eines ist klar: Ein neuer Trainer hat neue Ideen, die kennen wir nicht. Ich kenne Christian Eichner - aber weiß nicht, welche Ideen er hat. Wir haben uns auf den KSC mit Alois Schwartz als Cheftrainer vorbereitet. Jetzt wird einiges anders sein.

Dennoch: Wie schätzen Sie die Chancen des 1. FC Saarbrücken gegen den KSC ein? Immerhin spielt Saarbrücken in der Regionalliga und damit zwei Klassen tiefer als der KSC.

Der KSC ist Zweitligist, wir Regionalligist - da ist es doch klar, dass der KSC Favorit ist, und dass wir als Außenseiter in dieses Spiel gehen und das ist auch gut so.

Lukas Kwasniok war selbst schon einmal Interimstrainer beim KSC. Bild: Thomas Eisenhuth

Was überwiegt: Vorfreude, oder doch die Angst vor einer Niederlage gegen den Ex-Club?

Die Freude! Angst - nein. Ich freue mich extrem. Es ist mein erstes Pflichtspiel als Trainer des 1. FC Saarbrücken, gleich gegen den Ex-Verein, eine bessere Dramaturgie hätte es nicht geben können.

Der KSC ist im Abwärtstrend, ist das hilfreich, um die nächste Pokalrunde zu erreichen?

Dass der KSC aktuell nicht immer so überzeugt, dass die aktuelle Bilanz nicht so blendend ist, das verändert die Chancen nicht. Das spielt keine Rolle, denn der KSC hat einen besonderen Spielstil. Egal ob ein Spiel läuft oder nicht: Der KSC kann sich auf einzelne Elemente immer verlassen.

Die da wären?

Zum Beispiel die Stärke bei Standards. Damit können sie jederzeit einen Turnaround schaffen und Spiele gewinnen.

Ihr Team hat im Jahr 2020 noch kein Pflichtspiel absolviert. Ein Vorteil für den KSC? Oder für Saarbrücken, das keine englische Woche in den Knochen hat?

Zwei Spiele hinter sich zu haben ist ein Vorteil. Wir haben andere Vorteile.

Das sind welche?

Wir spielen in Völklingen in einem etwas anderen Stadion, die Bedingungen sind etwas anders. Der Rasen ist kein Teppich, die Flutlichtanlage nicht so, wie es der KSC aus der zweiten Bundesliga gewohnt ist.

Wir haben den Vorteil, dass wir seit vergangenem Samstag am Abend trainieren, damit sich der Körper daran gewöhnen kann, bis es am Mittwoch am Abend losgeht. Aber eines ist klar: Der KSC ist Zweitligist, wir spielen in der Regionalliga - klar, dass der KSC qualitativ besser besetzt ist.

Lukas Kwasniok. Bild: Thomas Eisenhuth/Archiv

Erwarten Sie, dass die Badener mit offensivem Pressing auftreten oder eher abwartend agieren?

Schwierige zu beantworten nach dem Trainerwechsel. In der zuletzt vorwiegend erfolgreichen Zeit hat sich der KSC auf sein Spielsystem verlassen können. Und das heißt kontrollierte Offensive. Abwarten, ob sie gegen uns genauso auftreten werden.

Bei einem Sieg des FCS könnten Sie den KSC in eine richtig schwere Krise katapultieren...

An so etwas verliere ich keinen Gedanken. Ich verfolge den KSC natürlich, aber von einer äußeren Perspektive. Von da bekomme ich die Erfolgsmeldungen mit und die Dinge, die nicht ganz so positiv sind. Ich bin Angestellter des 1. FC Saarbrücken und ich will mit dieser Mannschaft im Pokal eine Runde weiterkommen. Welche Auswirkungen das auf den KSC hat, ist für mich sekundär.

Sie kennen viele beim KSC, auch im Team und Trainerstab. Gibt es Kontakte?

Dahin kaum. Aber ich habe eh meine Kernzeit im Nachwuchsleistungszentrum im Wildpark verbracht, daher beschränken sich meine Kontakte auch vorwiegend dorthin. Doch die Kontakte in Richtung KSC haben sich zuletzt gehäuft.

Und warum?

(schmunzelt) Es gibt bei mir vermehrte Anfragen für Karten zu diesem Spiel. Aber: Mir sind die Hände gebunden. Es passen 6.800 Fans ins Stadion und alle Tickets sind weg. Ich kann leider keinen Wunsch erfüllen, ich würde gerne - es geht leider nicht.

Lukas Kwasniok trainiert nun den FC Saarbrücken. Bild: Uwe Anspach (dpa)

Der Stiefsohn von Ex-KSC-Trainer Schwartz steht bei Ihnen im Kader, hätte der auch ohne Schwartz' Entlassung den Anpfiff auf dem Rasen erlebt?

Mario Müller hätte mit Sicherheit gespielt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich stelle nach Leistung, nach Können und nach Charakter auf. Ob er Sohn, Schwiegersohn eines Trainerkollegen ist, ist unwichtig.

Haben Sie versucht, über ihn an Internas zum KSC zu erfahren?

Nein. Die Dinge, die ich weiß, reichen aus.

... um zu gewinnen?

Das wird man sehen. Ich habe den KSC gegen Kiel beobachtet, aber das war ja vor der Trennung von Alois Schwartz...


KSC-Training am 4. Februar

Christian Eichner (neuer KSC Trainer) im Training mit David Pisot (KSC 5) Jerome Gondorf (KSC 26) im Training am Ball.

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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