Bild: Caro Reisenauer
KSC-Neuzugang Lorenz: "Sind gegen Leverkusen nicht chancenlos"
Karlsruhe
09.08.2017 11:49
Eingewöhnungszeit brauchte Marc Lorenz beim Karlsruher SC so gut wie nicht. Schon in der ersten Partie gegen Osnabrück hatte er gute Szenen, steigerte sich dann von Spiel zu Spiel. Gegen seinen Ex-Club Wehen Wiesbaden lieferte er seine bisher beste Leistung ab. Und er hat mit den Blau-Weißen ein ganz klares Ziel vor Augen.

Herr Lorenz, drei Torvorbereitungen in vier Spielen – das passt, oder?

Finde ich auch. Es war mein Ziel, dass ich das, was ich in Wiesbaden angefangen habe, hier weitermache. Ich bin auf einem ganz guten Weg und versuche der Mannschaft mit meinen Vorlagen zu helfen.

Gegen Wehen bereiteten Sie beide KSC-Treffer vor, gegen Ihren Ex-Club. Ist das besonders schön?

Das war sehr schön. Trotzdem steht über persönlichen Dingen der Sieg. Den wollten wir unbedingt, er hatte oberste Priorität.

Sie gelten als Passgeber, als Vorbereiter, aber nicht als Toptorjäger. Reicht Ihnen das?

Natürlich schieße ich gerne Tore. Wer nicht? Aber ich bereite auch sehr gerne vor, auch weil ich die Standards gerne übernehme. Mein Spiel ist "außenlastig", ich gebe Flanken und halte mich weniger im Zentrum auf. Das ist nicht so mein Spiel und von dort werden eben die meisten Tore erzielt. Natürlich würde ich gerne ein paar Tore mehr machen, vor allem um so der Mannschaft zu helfen.

Wie viele Treffer wollen Sie für den KSC in dieser Saison vorbereiten? Und wie viele selbst erzielen?

So fünf, sechs Tore sollten es schon sein. Und bei den Vorlagen sind die 15, die ich vergangene Saison vorbereitete, wieder mein Ziel. Da möchte ich schon erreichen. Mindestens.

Ist der Knoten nach dem ersten KSC Sieg in der Saison geplatzt? Hat sich das Team jetzt gefunden?

Wir haben den ersten Sieg, das war sehr wichtig. Aber wir wissen alle, dass wir noch sehr viel Arbeit haben. Wir werden die zwei Wochen ohne Ligaspiel im Training nutzen, um weiter an der Abstimmung zu feilen, um Abläufe noch besser reinzukriegen. Nach dem Sieg gegen Wehen hat man der Kabine schon gemerkt, ja fast gehört, dass vielen von uns ein Stein vom Herzen gefallen ist. Der erste Dreier hat gut getan, denn jeder war mit dem Start, den wir hinlegten, unzufrieden. Jeder wollte unbedingt diese drei Punkte.

Man merkte einigen Akteuren an, dass Sie verunsichert sind. Selbst Routinier Daniel Gordon zeigte Nerven. Ist diese Verunsicherung nun weg?

Wir sind trotz des schlechten Starts mit breiter Brust aufgetreten. Aber nach diesem Erfolg wird das wohl noch besser. Wir haben gegen Wiesbaden wenig zugelassen, ziehen daraus Selbstvertrauen.  

Ihre Karriere verlief wechselhaft. Sie haben Zweitligaerfahrung, spielten auch oft in Liga drei. Warum verließen Sie die zweite Liga in Richtung Liga drei?

Es gehört auch beim Fußball immer etwas Glück dazu. Zum Beispiel, dass der Trainer auf einen setzt, dass der eigene Spielstil zum Trainer und zur Mannschaft passt. In Bielefeld hat es unter Trainer Norbert Meier eben nicht gepasst.

Er wollte aus mir einen Spieler machen, der viel dribbelt, der nach innen zieht, sich mehr im Zentrum aufhält. Das ist nicht meine Art zu spielen. Daher haben sich eben die Wege nach dem Bielefelder Aufstieg getrennt. Aber ich denke, dass ich es mit dem KSC wieder in die zweite Bundesliga schaffen werde, um dann noch drei, vier Jahre zu zeigen, dass ich das auch spielen kann.  

Warum sind Sie zum KSC gewechselt?  

Die Perspektiven, die der Verein bietet und die Tradition des KSC. Man denke an die 2.500 Fans beim Trainingsauftakt, an die tolle Stimmung im Stadion vor 15.000 Zuschauern. Eine solche eine Fan-Base zu haben, klasse. Und ganz wichtig: Die Ziele des KSC und mein Ziel sind deckungsgleich. Wir wollen in Liga zwei.  

Jetzt kommt das Pokalspiel gegen Leverkusen. Was rechnen Sie sich da aus?  

Ich sehe die Pokalpartie als Bonusspiel für uns. Ich habe mit Bielefeld im Pokal gute Erfahrungen gemacht, habe damals das Halbfinale erreicht. Ich weiß, was da auch für Drittligisten möglich ist. Die Bundesligisten haben noch kein Pflichtspiel absolviert, wir schon vier. Wir sind nicht chancenlos. Wir müssen in der Defensive sicher stehen, nach vorne, da können wir immer ein Tor machen. Zudem können uns unsere Fans zum Pokaltriumph gegen Leverkusen treiben.    

Der KSC ist erstmals in dieser Saison in einem Pflichtspiel nicht Favorit. Ist das ein Vorteil?  

Gegen diese Leverkusener sind wir ganz sicher nicht Favorit. Wir haben da nichts zu verlieren, können befreit aufspielen. Wir werden alles versuchen, im Pokal die zweite Runde zu erreichen. Da kann man wieder gegen einen tollen Club antreten. Leverkusen ist ein attraktiver und guter Gegner. Da muss bei uns alles stimmen, dann haben wir eine Chance.  

Man kennt Sie im Badischen noch nicht. Wie sieht Ihre Selbstbeschreibung aus?  

Als Fußballspieler bin ich sehr zielstrebig, bin einer der den unbedingten Willen hat, erfolgreich zu sein. Ich versuche die Mannschaft mitzureißen, bin auf dem Platz sehr emotional. Auf dem Spielfeld bin ich ein anderer Typ wie privat. Da bin ich eher ruhig und gelassen. Auf dem Spielfeld will ich auch den Ton mit angeben. Ich bin in einem Alter, in dem ich den jungen Spielern helfen kann.  

Was macht Marc Lorenz, wenn er nicht Fußball spielt?

Ich spiele sehr gerne eine Runde Golf. Nicht leistungsmäßig, sondern alleine vier Stunden auf dem Golfplatz zu stehen, die Ruhe zu erleben. Das tut mir sehr gut als Ausgleich. 

Die Fragen stellte Peter Putzing. 

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