Christian Eichner
"KSC-Komet" Eichner: Vom Jugendspieler zum Co-Trainer
Karlsruhe
31.05.2017 07:00
13 Jahre spielte Christian Eichner für den KSC. Erst in der Jugend, dann arbeitete sich der Linksverteidiger über die Amateure ins Bundesligateam. Insgesamt brachte es der gebürtige Badener auf 139 Erstligaspiele. In denen erzielte Abwehrspieler Eichner vier Treffer und bereitete elf Tore vor. In Liga zwei kam er zudem auf 81 Einsätze. Jetzt ist „Eiche“ Co-Trainer beim Profiteam des KSC. Mit Eichner sprach Peter Putzing.

Herr Eichner, nach nicht einmal einem Jahr als Assistent der U17 rückten Sie zum Co-Trainer im Profiteam auf. Ein geradezu kometenhafter Aufstieg. Ist ein Traum wahr geworden?

Nach der Karriere dachte ich: Du bietest doch ein schönes Portfolio an. Erfahrung als Profi, Studium als Pädagoge. Dann sah man bei ein, zwei Kameraden, dass bei denen alles schneller ging. Da war ich schon etwas ungeduldig. Als ich das Angebot von Ede Becker bekam, in der Jugend als Trainer zu beginnen, habe ich sofort zugegriffen und mir gesagt: Jetzt machst du den ersten Schritt. Mach´ langsam weiter, der Rest kommt von allein. So war´s dann glücklicherweise auch. Durch die jüngste Entwicklung im Club bin ich gemeinsam mit Marc-Patrick Meister zu den Profis gewechselt.

Der erfolgreiche Ex-Trainer des KSC, Markus Kauczinski, meinte: "Christian Eichner geht den richtigen Weg. Er hat Erfahrungen als Spieler gesammelt, jetzt sammelt er Erfahrungen als Trainer im Jugendbereich. Er lernt und hat Kompetenz." Hören Sie so etwas gerne?

Lob für den eigenen Weg hört man immer gerne, vor allem von Leuten, die ich selbst sehr schätze. Die aus meiner Sicht von der Mentalität, dem Werdegang und Arbeitsstil mir nicht unähnlich sind. Markus Kauczinski ist natürlich einiges weiter, er ist aber einen ähnlichen Weg im Trainerbereich gegangen, wie ich ihn jetzt beschreite. Von der Jugend zu den Profis, Schritt für Schritt. So wie ich. Was mir gut gefällt: Er verfügt über eine hohe soziale Kompetenz.

Uli Stielike, einst Co-Trainer der Nationalelf nachdem er seine Karriere als Weltklassefußballer beendet hatte, meinte einmal enttäuscht über seinen Job als Assistent des Bundestrainers: "Ich will net nur der Hütcheuffsteller und der Balluffpumper sein!" Sind Sie Hütchenaufsteller und Ballaufpumper?

Bälle muss man im Profibereich nicht mehr selbst aufpumpen. Hütchenaufsteller - das ist ein Teil meiner Arbeit. Im Ernst - die Co-Trainer und damit auch ich sind in die Trainingsplanung, Organisation und Umsetzung mit eingebunden. Ich war als Spieler der gleichen Meinung wie heute: Man soll immer das machen, was man kann. Ich kann Erfahrungen mitgeben, kann mich in die Spieler in bestimmten Situationen hineinversetzen. Und: Ich kann vor allem noch sehr, sehr viel lernen. Ich schaue und höre immer sehr genau hin.

Kommt es ihrem Job zugute, dass Sie nicht nur beim KSC, sondern in Hoffenheim. Köln und Duisburg Profierfahrung sammeln konnten?

Absolut. Gerade Köln war für meine Gesamtentwicklung im beruflichen Bereich das Wichtigste was mir in meinen Leben bisher passierte…

… warum?

Weil ich erstmals ein paar hundert Kilometer von zu Hause weg war, die Eigenständigkeit sehr gefordert und gefördert wurde. In einer schönen, verrückten Stadt, mit einer verrückten Medienlandschaft. Daher muss ich heute manchmal schmunzeln, was in Karlsruhe medientechnisch so abläuft. Selbst nach dem Abstieg war hier meist Ruhe. Die Aktiven, die hier engagiert sind, können sich glücklich schätzen. Und: Meine Kontakte aus allen Stationen sind heute sehr hilfreich.

Sie erwähnten den Abstieg. War der nicht vermeidbar?

Es ist schwer für mich, darauf eine Antwort zu finden, denn ich kam erst im April. Zuvor lag mein Fokus auf der U17. Aber: Fußballspiele werden in den Strafräumen entschieden. Und wir haben in beiden Strafräumen einige Fehler zu viel gemacht. Das hat sich bei allen Spielen unter unserer Regie durchgezogen. Darunter haben wir aber einen Strich gezogen. Unser Blick geht ganz klar nach vorne.

Jetzt wird der Kader komplett umgebaut. Haben Sie Mitsprachrecht?

Wir diskutieren intern, können Spieler vorschlagen, können unsere Meinung zu Kandidaten sagen - das ist für mich Mitspracherecht. Jeder bringt seine Sichtweise, seine Beobachtungen und seine Erfahrung mit ein.

Glauben Sie, dass es der zukünftige Kader hergibt, den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen?

Es kann und wird für den KSC und für mich gar keine andere Zielsetzung geben, wie den sofortigen Wiederaufstieg, egal wie der Kader am Ende aussieht. Der Karlsruher Sport Club hat den Anspruch - und muss in die zweite Liga. Ich bin überzeugt davon, dass der Kader so strukturiert sein wird, dass wir es schaffen können, unter die ersten zwei Teams zu kommen.

Dass wir sofort hoch wollen, muss jedem bewusst sein. Wir haben eine schwere Zeit mit vielen Niederlagen hinter uns – gerade deshalb gilt es aber jetzt, wieder den Kopf hoch zu nehmen und das nötige Selbstbewusstsein zu entwickeln. Wir sollen uns bewusst sein, dass wir der KSC sind – und, gepaart mit dem notwendigen Respekt, so selbstbewusst auftreten und so wieder sofort anfangen Spiele zu gewinnen.

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