Bild: Carolin Reisenauer
KSC-Coach Schwartz: "Elf Zähler Rückstand sind sehr viel Holz!"
Karlsruhe
06.09.2017 07:00
Seit Ende August ist Alois Schwartz der neue Trainer des Karlsruher SC. Er hat ein schweres Erbe übernommen: Der KSC möchte aufsteigen, bewegt sich im Moment in der dritten Liga aber in der Abstiegsregion. Auch Geld für neue Spieler ist nicht mehr vorhanden.

Herr Schwartz, Sie sind seit rund einer Woche Cheftrainer beim KSC. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?  

Es steht ein Kader da, der voll mitzieht, der großen Wille hat. Die Trainingseindrücke waren sehr positiv.

Wo liegen die Stärken bzw. die Schwächen im Kader?

Dazu etwas zu sagen, ist zu früh. Ich muss schauen, dass wir schnell in der Mannschaft eine Stabilität reinbekommen. Es geht darum Akteure zu finden, die als Mannschaft am besten zusammenpassen. Es geht um die "A-Note"- das ist die Stabilität. Dann kommen weitere Details.  

Auf ihren bisherigen Trainerstationen bevorzugten Sie ein 4-2-3-1-System. Lässt sich dieses System mit diesem Kader umsetzen?  

Mit diesem Kader kann man viele Systeme spielen. Aber man muss schauen, mit welchem System man sich wohl fühlt. Ich kann und will da nichts aufdrücken, sondern schaue, was passt. In Erfurt oder Sandhausen war es dann ein 4-2-3-1. Darauf war der Kader ausgerichtet.

Hier hat man für die Offensive Stroh-Engel, Fink, Zawada, Schleusener und ein paar Junge hintendran, die alle im Zentrum spielen können. Es kann daher durchaus ein 4-4-2 geben. Da sind Variationsmöglichkeiten drin. Nochmals, ich muss erst schauen wer passt zu wem.  

Zu einem 4-2-3-1 hätte es gepasst, wenn die Verpflichtung von Manuel Stiefler geklappt hätte. Der KSC hat beim SV Sandhausen nachgefragt.

Wir haben mit Manuel und über Manuel gesprochen. Ich kenne ihn, es hätte ihm gut getan, wieder zu spielen. Er hätte uns gut zu Gesicht gestanden – das ist kein Geheimnis.

Sie haben mit Guiseppe Leo einen jungen Spieler aus der Regionalliga verpflichtet. Kann er dem KSC sofort weiterhelfen?

Wir müssen ihm Zeit geben. Er stand nicht im Wettkampfmodus, hat aber immer bei Ingolstadt II trainiert. Dadurch ist er fit, aber es fehlt Spielpraxis. Wir müssen ihn langsam an die Mannschaft heranführen.

Der Name Marco Thiede, einer Ihrer Ex-Schützlinge in Sandhausen, geistert als weiterer Neuzugang durch den Wildpark. Das wäre eine nachvollziehbare Verpflichtung, denn Sie kennen Thiede aus Ihrer Zeit in Sandhausen. Er war ein guter Zweitligaspieler, er ist frei. Warum sollte er nicht zum KSC kommen? 

Stimmt, er ist frei und vertragslos. Aber unabhängig von dieser Personalie gilt: Wir warten noch ab, wie sich die Mannschaft entwickelt. Ich gebe jedem die Möglichkeit sich zu zeigen. Eine Verstärkung für die Innenverteidigung war nötig, damit wir ordentlich aufgestellt sind, wenn da einer wegbricht. Ob wir darüber hinaus noch einen dazuholen, das bespreche ich mit Oliver Kreuzer.

Wenn man Sie im Training und auch davor und danach beobachtet, ist offensichtlich: Sie strahlen enorme Ruhe und Gelassenheit aus. Machen Sie das bewusst, um die Ruhe und Gelassenheit so auf die Spieler zu übertragen?

Ich mache nichts Besonderes, ich bin wie immer. Die Mannschaft braucht Vertrauen, das versuche ich zu geben. Wenn man offen, ehrlich und unaufgeregt miteinander umgeht, dann macht es allen mehr Freude. Das ist so, man sieht im Training auch schon die ersten Früchte unserer Zusammenarbeit.

Ihre erste Analyse war wohltuend realistisch, wohltuend demütig. Sie sprachen nicht mehr vom Aufstieg als großes Ziel. Wie kam das bei den KSC-Bossen an?

Natürlich wollen wir alle beim KSC hoch. Wir wollen dorthin, wo der KSC hingehört: in die zweite Liga. So schnell wie möglich. Aber man muss auch den Ist-Zustand sehen, muss sehen was geht, um vorne hinzukommen. Bei elf Zählern Rückstand, da ist es sehr schwer. Wenn die Mannschaften, die in der Tabelle vorne sind, stabil spielen, wird das sogar sehr, sehr schwer.

Ich kenne es, einem Rückstand hinterher zu rennen. Zweimal bin ich mit Sandhausen mit drei Punkten Rückstand in die Saison gestartet. Das war eine große Bürde damals. Jetzt haben wir hier auch eine große Bürde. Man muss sehen, was geht. Wir müssten vier Spiele in Serie gewinnen - die Konkurrenz vier Partien in Folge verlieren, dann wären wir dran. Sehr schwer… Da muss man sehen, darf nicht die Augen schließen und den Sinn für die Realität verlieren. Elf Punkte Rückstand sind doch sehr viel Holz.

Können Sie etwas zum Personal beziehungsweise zur Taktik für die Partie in Chemnitz sagen?  

Nein, das ist zu früh. Ich habe Chemnitz angeschaut, die haben auch nicht gut in die Spur gefunden. Ich mache mir Gedanken, mit wem wir dort am besten Punkte holen könnten, wer dort am besten passt. Aber eine Entscheidung ist nicht gefallen. Ich kann nicht ins Detail gehen, aber wie gesagt: ich mache mir Gedanken.

Über all diesen Gedanken schwebt doch sicher: Ein Sieg des KSC ist Pflicht, oder?  

Pflicht? Das ist wiederum ein Denken, das nicht in die richtige Richtung geht. Wichtig ist in unserer Situation die Gesamtmannschaftsleistung. Die muss passen. Wenn wir eine gute Leistung bringen, können wir gewinnen. Also müssen wir eine Crew auf den Platz bringen, die das schaffen kann. Die das Ziel hat in Chemnitz zu gewinnen.  

Abschlussfrage: Wie lautet die Selbstbeschreibung von Alois Schwartz als Mensch und Trainer?

Ich rede nicht gerne über mich. Das sollen andere machen.

Die Fragen stellte Peter Putzing. 

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