Alois Schwartz (KSC Trainer) stützt sich auf einen Ball.
Alois Schwartz (KSC Trainer) stützt sich auf einen Ball.
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
Drei Niederlagen in Folge, doch KSC-Coach Schwartz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: "Unsere Punkteausbeute ist für einen Aufsteiger in Ordnung"
Karlsruhe
12.09.2019 11:12
Nach dem fulminanten Start in die neue Zweitligasaison musste der Karlsruher SC dann drei Niederlagen einstecken - eine davon ausgerechnet gegen den HSV - und schon wird Kritik am Trainer Alois Schwartz laut. Im Interview mit Peter Putzing steht der KSC-Coach Rede und Antwort. Es geht um Taktik, Konkurrenzkämpfe im Kader und Aberglaube.

Herr Schwartz, seit der Niederlage in Osnabrück liegen über eine Trainingswoche und zwei Testspiele hinter Ihnen. Welche Erkenntnisse konnten Sie da gewinnen?

Wir haben gesehen, dass die Spieler, die hinten dran stehen, den Finger gehoben haben. Die Spieler, die gegen Metz eingewechselt wurden, haben Tore gemacht, Tore vorbereitet und insgesamt gegen einen Erstligisten einige Akzente gesetzt. Ein positiver Aspekt. Es war ein guter, aufschlussreicher Test.

Alois Schwartz (KSC Trainer) fängt den zufliegenden Ball vor der Trainerbank. Bild: Tim Carmele

Haben Sie taktisch etwas probiert?

Ja, wir haben in einer anderen Formation gespielt. Das war für da erste Mal ganz ordentlich. Es war anfangs ein 3-5-2 und danach ein 4-3-3.

Sie sagten, es wäre vielleicht gut, einen weiteren Mittelfeldspieler zu nominieren, um die Defensive zu stärken. Heißt das, auch ein 4-2-3-1 ist möglich?

Auch daran denken wir, um Stabilität ins Mittelfeld zu bringen, damit wir da kompakter stehen. Mal schauen. Aber: Wir haben gute Stürmer, daher sind wir bisher mit zwei Angreifern angetreten, aber mal schauen.

Der Karlsruher Trainer Alois Schwartz. Bild: Uli Deck/Archivbild

Wer wäre bei einem Ein-Mann-Angriff der Stürmer? Pourié, der in die Tiefe geht, oder Hofmann, der bisher mehr traf?

Wir haben auch noch Toni Fink und Marco Djuricin, alle haben ihre Qualitäten. So etwas opfern, wenn es im Moment nicht läuft? Oder: Muss man sich vielleicht einfach mal aus so einer Situation rausbuddeln? Wir werden alles abwägen. Mal schauen, ob wir in unserer Situation etwas anders machen, um eben Stabilität ins Team zu bekommen.

Eines ist offensichtlich: Der KSC ist im Abwärtsstrudel mit drei Niederlagen in Folge. Was ist zu tun, um da rauszukommen?

Zunächst: Hätten wir die drei Spiele nicht jeweils in Serie gewonnen und dann in Folge verloren, würde man das alles nicht so sehen. Es wäre natürlich in der Tabelle genauso. Aber nach den drei Siegen in Serie wurde das sehr überschwänglich gesehen. Insgesamt ist die Punkteausbeute für einen Aufsteiger in Ordnung.

Alois Schwartz hat (noch) gut Lachen im Gespräch mit Sportdirektor Oliver Kreuzer. Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Dennoch gibt es Kritik…

Das ist nach drei Niederlagen in Folge ja nicht ungewöhnlich. Aber man muss immer den Ist-Zustand sehen: Wir sind ein Aufsteiger mit geringem Budget. Man muss sehen: Was habe ich, wo komme ich her? Bis auf Osnabrück waren die Auftritte auch in Ordnung. Aber ich weiß auch: Das Wort Geduld wird immer kleiner geschrieben. Ich habe aber Geduld, werfe nicht so schnell alles über Bord. Vorher war nicht alles gut, jetzt ist nicht alles schlecht.

Der KSC kassierte zwölf Gegentreffer. Warum so viele? Der Trainer Schwartz steht für defensive Stabilität.

Das ist korrekt. Schon bei meinen vorherigen Trainerstationen habe ich es geschafft, jeder Mannschaft defensive Stabilität zu geben. In Sandhausen war der Geldbeutel klein, wir waren Aufsteiger und haben - auch aufgrund der defensiven Stabilität - die Klasse gehalten.

Alois Schwartz (KSC Trainer) gibt mit Gestik Anweisungen. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Klar ist, wir haben zu viele Gegentore hinnehmen müssen. Die Balance zwischen Offensive und Defensive müssen wir wieder verbessern. Aber: Im Moment wird jeder Fehler, der uns unterläuft, bestraft. Vorher klärten wir auf der Linie - jetzt landet die Kugel im Netz und vorne geht sie im Moment nicht rein…

Was ist zu tun, um das zu beenden?

Nicht jammern - arbeiten! Wir wissen was wir können, wir müssen die Konzentration schärfen. Wir müssen fleißig sein.

Ist das so lange, so erfolgreiche Umschaltspiel des KSC, das dem Gegner bewusst mehr Ballbesitz überlässt, berechenbar geworden?

Wir wissen auch wie der Gegner spielt, wir wissen auch was er machen will. Aber wir machen zu viele Fehler, haben auch Pech - man denke daran, dass Daniel Gordon ausgerutscht ist vor dem Gegentor in Osnabrück.

Denken Sie daran taktische und/oder personelle Veränderungen?

Wir müssen wieder etwas Leben reinbringen. Wir werden den Konkurrenzkampf weiter schüren. Jeder hat die Chance, sich zu präsentieren und den Finger zu heben. Wir werden aber auch nicht in Aktionismus verfallen.

Alois Schwartz (KSC Trainer) gibt mit Blickkontakt Anweisungen. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Ein Grund für Ihren Erfolg war bisher, dass Sie auf Kontinuität setzten. Sie sprechen jetzt davon, den Konkurrenzkampf zu schüren. Rechnen Sie damit, dass der eine oder andere aus der zweiten Reihe Ansprüche stellt? Man denke an Toni Fink oder Marco Djuricin, die sich beide nicht als "Bankspieler" sehen? Ist da Unruhe möglich?

Leider konnte Anton Fink aufgrund von Adduktorenproblemen gegen Metz nicht spielen. Marco Djuricin hat 60 Minuten gezeigt was er kann. Marvin Pourié kam rein und hat ein Tor gemacht. Lukas Grozurek und Martin Röser wurden ebenfalls eingewechselt und haben getroffen. Das hat gezeigt: Wir haben Alternativen auf die wir zurückgreifen können. Wir dürfen jedoch nicht in Aktionismus verfallen. Nicht alles, was so lange gut war, ist plötzlich schlecht.

Sind einige im Team an ihrer Leistungsgrenze angekommen? Ist Liga 2 vielleicht doch zu hoch?

Das kann man nach ein paar Spieltagen nicht sagen. Bisher konnten wir generell ja schon mithalten. Jetzt heißt es einfach, mit viel Fleiß dagegen steuern.

Jetzt kommen die Spiele gegen ihre Ex-Clubs in Sandhausen und Nürnberg, etwas Besonderes?

Sandhausen waren drei Jahre, eine schöne Zeit, auf die ich stolz bin. Ich habe das Schiff "SVS" auf Kurs gebracht, da konnte der Vereinschef Jürgen Machmeier - dadurch, dass wir immer die Liga gehalten haben - seinen Herzenswunsch erfüllen und das Stadion ausbauen. Ich habe dazu beigetragen, dass nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investiert werden konnte. Ich habe ein gutes Gerüst, eine gute Mannschaft hinterlassen, die sich jetzt in der 2. Liga etabliert hat. Nürnberg - nun ja, das war nur eine kurze Zeit.

In Nürnberg war Alois Schwartz von Juni 2016 bis März 2017 Trainer. Bild:

Gegen Sandhausen geht's am Freitag den 13. Sind Sie abergläubisch?

Ich finde das ist ein ganz schönes Datum - nicht mehr.

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