Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion
Christian Eichner (KSC Trainer) kommt ins Stadion
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
KSC-Analyse: Defensive, aber sonst nix - geht so ausgewogene Transferpolitik?
Karlsruhe
02.09.2021 16:13
Nichts geht mehr. Am 31. August um 18 Uhr schloss das Transferfenster in den deutschen Profiligen und damit auch für den Karlsruher SC. Auf einen Neuzugang warteten die Fans vergebens. Die Last-Minute-Leihe von Fröde könnte zu Problemen im Laufe der Hinrunde führen. Auch das Kreativitätsproblem in der Offensive wurde nicht gelöst. Derweil strotz es in einem anderen Mannschaftsteil nur so vor Qualität und Quantität. Eine Analyse.

Das Transferfenster ist nun für einige Monate geschlossen. Der KSC hat zuvor neue Spieler verpflichtet. Zielgerichtet, für die Positionen, die im Kader zu dünn besetzt waren. Das traf auf die Viererkette zentral und links zu.

Das Prunkstück: die Abwehr

In der Innenverteidigung standen mit Christoph Kobald, dem aktuell verletzten Robin Bormuth und Routinier Daniel Gordon nur drei Profis unter Vertrag. Zu wenig. Links fehlte nach dem Abgang von Dirk Carlson zu Erzgebirge Aue ein Backup für Philip Heise. Beide Baustellen wurden geschlossen. Dort wurde der Kader quantitativ ergänzt.

Robin Bormuth (KSC32) und Christoph Kobald (KSC 22) sorgten zu Beginn der Saison dafür das der KSC in der Defensive meist gut stand.
Robin Bormuth (KSC32) und Christoph Kobald (KSC 22) sorgten zu Beginn der Saison dafür das der KSC in der Defensive meist gut stand. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Für die Innenverteidigung kam von Eintracht Frankfurt II der 19-Jahre alte Felix Omoruyi Irorere. Wie Irorere erhielt auch Kilian Jakob einen Zweijahresvertrag. Der 23-Jährige, zuletzt Augsburg II, ist Backup für Linksverteidiger Heise. Für KSC-Eigengewächs Jannis Rabold dürfte es nun noch schwerer werden, Einsatzminuten zu bekommen. 

Die Neuen gelten als talentiert, werden kurzfristig wohl kaum die Qualität erhöhen, denn es ist nicht bewiesen, dass ihre Fähigkeiten für Liga zwei ausreichen. Positiv dennoch: Die Neuzugänge waren aktuell ablösefrei, bei einem KSC-Aufstieg muss nachbezahlt werden.

O'Shaughnessy bringt im Winter internationale Erfahrung mit

Im Vorgriff auf die Rückrunde wurde der finnische EM-Teilnehmer Daniel O'Shaughnessy in den Wildpark geholt. Er stößt im Dezember - dann ist er ablösefrei - zum KSC, wird dann der fünfte Innenverteidiger sein. Wurde O'Shaughnessy gar schon im Hinblick auf die Saison 2022/2023 verpflichtet? Rechnet man mit einem Abgang von Kobald (Vertrag bis 2022)? Oder einem Karriereende von Daniel Gordon?

Daniel Gordon (KSC 3) am Ball
Daniel Gordon (KSC 3) am Ball Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Für die Gegenwart spielt dies zunächst keine Rolle. Fakt ist: Die ohnehin schon gute KSC-Abwehr (drei Gegentore) wurde sowohl qualitativ als auch quantitativ verstärkt. Aber ein Problem bleibt trotz der Neuzugänge in der Viererkette: Es fehlt an Kreativität, Torgefahr, an Zielstrebigkeit in der Erarbeitung von Chancen.

Sorgenkinder: Offensive und zentrales Mittelfeld?

Um dieses Problem zu beheben, wäre ein offensiver Mittelfeldspieler nötig gewesen. Es fehlt ein Kreativspieler und auch auf den Außenbahnen hat bisher keiner der zahlreichen Profis (Kother, Kaufmann, Cueto, Lorenz, Schleusener, Thiede) im Kader seinen Anspruch auf einen Startelfplatz nachhaltig hinterlegt. Dieses Manko wurden nicht behoben.

Marco Thiede (KSC 21) in Orange im Duell gegen Dominik Kother (KSC19) im Sprung und Kopfball.
Marco Thiede (KSC 21) in Orange im Duell gegen Dominik Kother (KSC19) im Sprung und Kopfball. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Nicht ersetzt wurde Lukas Fröde, der an Ligakonkurrenten Rostock ausgeliehen wurde. Da mit Leon Jensen (Kreuzbandriss) noch ein zentraler Mittelfeldspieler verletzt ist, könnte bei weiteren Ausfällen oder Sperren ein Engpass drohen.

Danilo Soares (Bochum 3) in der Abwehr gegen Jerome Gondorf (KSC 8) und Marvin Wanitzek (KSC 10)
Danilo Soares (Bochum 3) in der Abwehr gegen Jerome Gondorf (KSC 8) und Marvin Wanitzek (KSC 10) Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Denn mit Jerôme Gondorf, Marvin Wanitzek, Kyoung Rok-Choi und Youngster Tim Breithaupt stehen nur vier zentrale Mittelfeldspieler im KSC-Kader. Eichner müsste dann improvisieren. Hinzu kommt: Eichner bevorzugt ein System mit drei zentralen Mittelfeldspielern. Somit stellt sich die Frage wie der Konkurrenzkampf in der Zentrale hoch gehalten werden soll, wenn drei von vier Spielern immer auf dem Platz stehen. 

Kein Transfer am Deadline Day

Beim KSC ist man sich dieser Probleme, der fehlenden Kreativität und dem möglichem Personalengpass in der Besetzung des Mittelfelds, absolut bewusst. Wie ka-news.de aus Spielerberaterkreisen erfuhr, hat man sich kurz Ende der Transferperiode seitens des KSC ganz intensiv mit der Verpflichtung eines Mittelfeldspielers beschäftigt. Aber diese Bemühungen führten bekanntlich zu nichts.

Zudem: Alle Bemühungen leiden noch unter der leeren KSC-Kasse, unter der erst kürzlich abgewendeten Insolvenz. Dazu führte auch die hohe Anzahl von teuren Fehleinkäufen (Stroh-Engel, Möbius, Sané, Siebeck…) und die dafür fälligen, horrend hohen Abfindungen. Die berechtigten Wünsche des Trainerteams wurden wohl nur teilweise erfüllt.

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