Karlsruher SC - Eintracht Braunschweig
Karlsruhes Trainer Lukas Kwasniok geht über das Spielfeld.
Bild: Uwe Anspach (dpa)
Nach Kwasniok-Freistellung beim KSC: Es gibt nur Verlierer!
Karlsruhe
01.08.2018 12:08
Eines ist offensichtlich bei der Trennung des Karlsruher SC von U19-Trainer Lukas Kwasniok: Es gibt nur Verlierer. Die Vereinsführung hat wohl rund ein Viertelmillion Euro "verschenkt". Zudem: Mit "Luki" Kwasniok verlor der Club einen Toptrainer, der den Fußballlehrer-Lehrgang mit der Traumnote 1,0 abschloss.

Wer die Details dieser undurchsichtigen Entscheidung kennt, stellt sich hinsichtlich aller Beteiligten viele Fragen. Vor wenigen Wochen wollte Zweitligist Erzgebirge Aue noch Kwasniok als Cheftrainer. KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer war mit dem Klub einig. Es wären 125.000 Euro an Ablöse in den Wildpark geflossen. 

Doch das Präsidium ließ Kreuzer im Regen stehen, akzeptierte nicht, wollte mehr. Kreuzer musste Aue mitteilen, dass sein ausgehandelter Deal platzt. Eine Art Gang nach Canossa - Aue beendete das Pokerspiel. Verlierer: Kwasniok und der KSC.

Abfindungszahlungen trotz leerer Kassen

Und jetzt die teure Trennung von Kwasniok. Die Abfindung soll mehr als ordentlich sein. Und das bei leeren KSC-Kassen. Macht man das bei jemandem, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen? Wohl eher nicht. Die Abfindungen für einige der Fehleinkäufe aus der vergangenen Saison wie Nathaniel Amamoo oder Kai Bülow, jetzt die für Kwasniok – da kann im Wildpark locker eine halbe Million Euro verbrannt worden sein.

Lukas Kwasniok Bild: M. Ripberger

Spricht er über sein Ende "beim Herzensverein KSC", kommen dem einstigen Kapitän der deutschen U16-Nationalelf immer wieder die Tränen. Kwasniok: "Aber ich verlasse meinen Herzensverein erhobenen Hauptes." 

Unverständnis im Nachwuchsleistungszentrum

Wenig überraschend: Das komplette Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) sieht das so, hat der Vereinsführung schriftlich sein Unverständnis über diese Entscheidung der KSC-Bosse mitgeteilt. Kwasniok genoss hohes Ansehen, er war das Herz des NLZ, arbeitete mit dessen Chef Edmund Becker optimal zusammen. Dieser zur Trennung: "Ich bedaure das und hätte gerne mit ihm weitergearbeitet."

Kwasniok ist ein Workaholic. Morgens um sieben Uhr war er meist schon im Wildpark, kehrte oft erst gegen 22 Uhr in die Wohnung nach Muggensturm zurück. "Eigentlich hatte ich dienstags frei. Aber: Meine Frau arbeitet, die Kinder waren in der Schule, logisch, dass ich auch da in den Wildpark bin", sagt er - mit Tränen in den Augen.

Kwasniok überzeugt mit großem Engagement

Derweil vibriert sein Handy permanent, quillt die Sprachbox über - Eltern, Kollegen, Spieler - auch Profis. Allesamt äußern ihr Unverständnis. Einer hat ihm gar einen handgeschriebenen Brief in den Briefkasten gesteckt.

Lukas Kwasniok Bild: Thomas Eisenhuth

Kwasniok weiter: "Die aktuelle U19 war die beste Mannschaft, die ich je trainiert habe. Damit hätte man in der Bundesliga unter die ersten drei kommen können." Sieben neue Spieler hat er geholt – und die waren vorwiegend wegen ihm zum KSC gekommen. Dass er und sein Assistenztrainer die Beobachtungstouren selbst bezahlten, weil kein Dienstwagen da war - "geschenkt". 

Viele ungeklärte Fragen

Eine Begründung, warum der KSC den Erfolgscoach vor die Tür setzte, gibt es seitens des Klubs nicht. Folglich kann über die Gründe nur spekuliert werden. Kwasniok äußert sich auch auf explizite Nachfrage dazu nicht.

Wurde der Toptrainer einigen im aufgeblähten Trainerstab zu gefährlich? Bekam da jemand Job-Angst  , obwohl "Luki" als die personifizierte Loyalität bekannt ist? Hieß es: Den Letzten - sprich den Jugendtrainer - beißen die Hunde? Dessen Rauswurf wäre eh der Billigste. Wurde ihm seine offene und direkte Art - auch dem Präsidium und Sportdirektor gegenüber - zum Verhängnis? 

"Man hat mir das Herz rausgerissen"

Beispiel: Vier Spieler aus seiner Mannschaft fuhren mit den Profis ins Trainingslager. Kwasniok findet das grundsätzlich prima, das sei ein Ziel einer Arbeit. Aber reicht ihm in solchen  Angelegenheiten die Kommunikation mit der Profiabteilungen nicht aus, sagt er das und nimmt so etwas nicht wortlos hin.

Der 37-Jährige sagt zu all dem: "Ich habe alles für den KSC rausgehauen, immer alles gegeben. Man hat mir das Herz rausgerissen, aber man hat mich nicht gebrochen!" Klar ist jedenfall: Nachfolger Zlatan Bajramovic, den man zum Job überreden musste, tritt ein schweres Erbe an.

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
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