EnBW-Zentrale in der Durlacher Allee
(Symbolbild)
Bild: Paul Needham
Schlechte Zeiten bei EnBW: Aktionäre und Mitarbeiter haben das Nachsehen
Karlsruhe
09.05.2017 16:37
Der Energiekonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat im vergangenen Jahr einen Verlust von fast 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. EnBW-Chef Frank Mastiaux spricht von einem Jahr, dass "herausfordernd war". Die Anleger beruhigt diese Aussage allerdings nur bedingt.
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Trotz eines sehr schwierigen Jahres 2016 sei die EnBW bei ihrem Umbau weiter vorangekommen. Diese positive Zwischenbilanz zur Halbzeit der Strategie EnBW 2020 zog Unternehmenschef Frank Mastiaux auf der Hauptversammlung des Aktiengesellschaft in der Karlsruher Stadthalle vor rund 2.000 Aktionären.

Diese hatten an diesem Tag keinen Grund zur Freude: Aufgrund eines Fehlbetrags von 1,8 Milliarden Euro können sie in diesem Jahr nicht mit einer Dividende rechnen. Aber auch für die Mitarbeiter hat das Jahr Folgen. Sie müssen nach Angaben von Mastiaux in den nächsten Jahren auf ihre Erfolgsbeteiligung verzichten. Das entspricht 6,3 Prozent des Gehalts. "Entsprechend verzichten auch Führungskräfte und Vorstand auf denselben Anteil ihres Einkommens", versichert der EnBW-Chef.

EnBW will in diesem Jahr die Wende schaffen

"Das Jahr 2016 hat uns durch sehr niedrige Strompreise und hohe einmalige Sonderbelastungen im Bereich Kernenergie finanziell extrem belastet. Wir haben uns vorgenommen, im laufenden Jahr den Ergebnisrückgang mindestens zu stoppen – mit dem Ehrgeiz, 2017 die Ergebniswende zu schaffen. Und wir sind zuversichtlich, unsere Umbau- und Ergebnisziele für 2020 zu erreichen", gibt Mastiaux vor der Versammlung an.

Die Trendwende soll mit dem Umbau des Angebots gelingen: Wie Mastiaux betont, liegt der Fokus unter anderem auf dem Ausbau der erneuerbaren Energie und Netze. So steht unter anderem der Bau von Windparks in der Nord- und Ostsee auf dem Programm. Entsprechende Investitionen wurden auf der Hauptversammlung beschlossen. Aber auch an Land geht es voran. "Wir werden 2017 im Durchschnitt mehr als ein Windrad pro Woche in Betrieb nehmen", so Mastiaux weiter.

Zudem wolle man auch im Bereich der intelligenten und zuverlässigen Infrastruktur aufrüsten: Im effizienten Ausbau, dem professionellen Management und dem sicheren Betrieb komplexer Infrastrukursysteme liegt eine Kernkompetenz der EnBW, heißt es vonseiten des Konzerns weiter.

Aktivisten und Aktionäre kritisieren EnBW scharf 

Bereits im Vorfeld zur Hauptversammlung des Energiekonzerns hatte es am Firmensitz in Karlsruhe Proteste gegeben. Aktivisten bestiegen die EnBW-Zentrale und hissten ein Banner, welches die Atommüll-Politik des Unternehmens infrage stellte. In seiner Rede vor den Aktionären spricht Mastiaux das Thema nur am Rande an. So würde mit der geplanten Verlagerung der Castor-Behälter nach Neckarwestheim ein weiteres Zwischenlager vermieden und der verzögerungsfreie Rückbau unterstützt.

Bei einigen Aktionären machte sich bei der Hauptversammlung allerdings Zweifel an den Plänen des Energiekonzerns breit. So werden am Dienstag beispielsweise Zweifel laut, ob die gesteckten Ziele, der Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2020 gehalten werden kann - da beispielsweise der Ausbau der Stromtrassen hinterher hinke. 

Eine weitere Kritik eines Anwesenden: Der Geschäftsbericht mit den genannten Ziele lese sich wie eine Werbebroschüre. Ein anderer Aktionär kritisiert, dass der falsche Fokus gesetzt werden würde: So investiere EnBW zu viel in den Bereich der E-Mobilität, obwohl derzeit die Nachfrage beim Verbraucher fehle.

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