Ladendiebstahl von Alkohol im Supermarkt
(Symbolbild)
Bild: industrieblick / fotolia.com
Ladendiebstahl: Karlsruhe gehört zu Deutschlands Hochburgen
Karlsruhe
09.02.2017 07:00
Sie kommen, stecken Dinge ein, bezahlen aber nicht: Ladendiebe haben allein 2015 mit ihren Streifzügen einen Schaden von mehreren Milliarden Euro angerichtet. Eine Studie zeigt nun: Auch in Karlsruhe haben Einzelhändler offenbar Grund zur Sorge.
Wirtschaft interessiert Sie?

Bestellen Sie gratis unseren Business-Newsletter von Redaktionsleiterin Corina Bohner

369.465 Mal - so oft wurde im vergangenen Jahr deutschlandweit Anzeige wegen Ladendiebstahls erstattet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Karlsruher Online-Vergleichsportals "billiger.de". Mehr als die Hälfte der angezeigten Diebstähle würden dabei auf die 100 größten Städte Deutschlands entfallen, heißt es in der Studie - und Karlsruhe rangiert im Ranking der "Klau-Hochburgen" recht weit vorne. 

2015 steigen Zahlen in Karlsruhe auf Zehnjahreshoch

Dass Ladendiebstähle in den letzten Jahren wieder zu einem größeren Problem in Karlsruhe geworden sind, weiß man auch bei der Karlsruher Polizei. "Nach einem Rückgang der Fallzahlen beim Ladendiebstahl im Jahr 2014 auf 4.840 Fälle, stiegen die Zahlen im Jahr 2015 wieder um 575 Fälle auf 5.415 an", heißt es in der offiziellen Kriminalitätsstatistik des Karlsruher Polizeipräsidiums. Das entspreche nicht nur einem Anstieg von 11,9 Prozent dar, sondern auch den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. 

Fast 93 Prozent der Fälle konnte die Polizei  nach eigener Aussage aufklären. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen belief sich auf 62 Prozent. So musste die Polizei nach eigener Aussage vor rund zwei Jahren feststellen, dass "ein nicht unwesentlicher Teil dieser Straftaten von überortlich agierenden und gewerbsmäßig handelnden Tätergruppierungen" verübt werde. Oft hätten die Diebe eine ost- oder südosteuropäische Herkunft, hält die Polizei in ihrer Statistik fest. 

Studie sieht Karlsruhe als "Klau-Hochburg"

Etwas drastischer klingt die Entwicklung der Ladendiebstähle in der Statistik des Online-Vergleichsportals. Von 100 deutschen Städten rangiert die Fächerstadt hier auf Platz 16 - und damit noch vor Pforzheim, Frankfurt und auch weit vor Stuttgart. Karlsruhe wird in der Studie als "Klau-Hochburg" eingestuft. Auf 100.000 Einwohner, so heißt es in der Studie, kämen 971 Diebstähle. Insgesamt habe es 2015 2.913 Ladendiebstähle in Karlsruhe gegeben. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liege dabei bei über 72 Prozent. 

Dass in der Studie andere Zahlen auftauchen als in der Kriminalstatistik der Karlsruher Polizei für das Jahr 2015 erklärt ein Sprecher des Portals damit, dass man mit einer anderen Herangehensweise die Zahlen ausgewertet habe. So habe man in der Studie ausschließlich einfache Ladendiebstähle - also Vorfälle ohne Gewaltanwendung - einbezogen. "Die Zahlen haben wir dabei vom Bundeskriminalamt erhalten", so der Pressesprecher. Da schwerer Ladendiebstahl nicht berücksichtigt wurde, komme man zu anderen Zahlen. 

Handel bleiben oft nur teure und aufwendige Maßnahmen

Im Handel hat man die bundesweite Entwicklung durchaus mitverfolgt. Im Gespräch mit ka-news warnte Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin vom Handelsverband Baden-Württemberg, vor allem vor professionell agierenden Banden. Wie hoch der Schaden für die Karlsruher Einzelhändler 2015 war, konnten im vergangenen Jahr weder Hagmann noch die City Initiative eindeutig beziffern.

Oftmals blieben dem Handel im Kampf gegen den Ladendiebstahl aber nur teure Präventivmaßnahmen wie sichere Etiketten oder aufwendige Kamerasysteme. Die Forderung der Handelsverbandsvertreterin: Die  Bagatellgrenze für Ladendiebstahl müsse komplett abgeschafft werden. "Das ist schon lange ein Problem, die Signalwirkung bleibt durch Bagatellisierung aus."

Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert:
37 Kommentare

Hinweis: Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren. Bitte beachten Sie die Kommentarregeln.
Betreff/Titel


Ihr Kommentar

Noch Zeichen