Karlsruher Macher: Otmar Böhmer
"Eine Ausstellung ist immer Teamwork", sagt Otmar Böhmer.
Bild: Carola Böhler
Otmar Böhmer: Karlsruher Kultur-Manager und Rheinische Frohnatur
Karlsruhe
06.11.2015 07:12
Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in der Hans-Thoma-Straße ist für Kunstliebhaber eine feine Adresse. Otmar Böhmer ist hier seit 2012 kaufmännischer Geschäftsführer. Der 56-Jährige organisiert erfolgreich Ausstellungen, will die Kunsthalle modernisieren und für junge Menschen attraktiver machen. Dabei geht der gebürtige Rheinländer auch neue Wege. Otmar Böhmer ist ein Karlsruher Macher!

"Ein Macher? Das ist man nicht alleine!", sagt Otmar Böhmer im rheinischen Dialekt. "Um erfolgreich zu sein und etwas bewegen zu können, dazu braucht man ein engagiertes Team." Otmar Böhmer redet schnell, man merkt, dass er seine Aufgabe mit Leidenschaft und Hingabe ausübt. Der gebürtige Rheinländer (geboren in Euskirchen) ist seit 2012 kaufmännischer Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

"Eine Ausstellung ist immer Teamwork."

Böhmer ist ein Chef, der auch persönlich mit anpackt. Für die Degas-Ausstellung habe er selbst Roll-Ups am Münchner Hauptbahnhof aufgehängt, wie er erzählt. "Eine Ausstellung ist immer Teamwork", betont der 56-Jährige. "Degas. Klassik und Experiment" -  wurde schließlich zum Publikumserfolg. Die Werke des französischen Künstlers Edgar Degas (1834-1917) lockten knapp 100.000 Besucher in die Kunsthalle nach Karlsruhe. Die Ausstellung wurde in den Feuilletons hoch gelobt. "Die Vorbereitungen für eine solche Ausstellung dauern rund drei Jahre. Das ist intensive, engagierte Arbeit", so Böhmer.

Karlsruher Macher: Otmar Böhmer

Otmar Böhmer steht im Botanischen Garten vor der Orangerie - seinem "Lieblingsort" in der Staatlichen Kunsthalle. Die Mitte des 19. Jahrhunderts von Heinrich Hübsch gebaute Orangerie dient als Ausstellungsort für die Werke des 20. und 21. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne. Aktuell erwarten Besucher hier Werke von Paul Cézanne bis Rene Magritte und die Ausstellung der Konzeptkünstlerin Bethan Huws.

"Wir haben in Karlsruhe einen Sanierungs- und Investitionsstau bei kulturellen Institutionen."

Böhmer ist ein lockerer Typ, sympathisch. Der Kulturmanagement-Experte hat eine positive Ausstrahlung - man kann ihn getrost als "Rheinische Frohnatur" bezeichnen. Für Böhmer, Chef von 140 Mitarbeitern, hat das direkte Gespräch mit seinen Angestellten einen hohen Stellenwert. "Kommunikation ist außerordentlich wichtig", betont er. "Nach innen und nach außen."

Kommunikation ist sein Ding. Böhmer hat eine offene, kommunikative Art. Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen, präsent sein - das seien neben organisatorischen und kaufmännischen Aufgaben und Personalentscheidungen die zentralen Tätigkeiten für den kaufmännischer Geschäftsführer der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

"Grundsätzlich ist die Kunst- und Kulturszene in Karlsruhe sehr gut aufgestellt", analysiert der Diplom-Verwaltungswirt. Doch damit das auch so bleibe, müssten kulturelle Institutionen auch ausreichend gepflegt werden. Hierfür wünscht sich Böhmer von Land und Stadt mehr Bereitschaft zu Investitionen. "Wir haben hier in Karlsruhe einen Sanierungs- und Investitionsstau bei kulturellen Institutionen", bemängelt Böhmer.

Karlsruher Macher: Otmar Böhmer

Kunst und Kultur seien aber wichtige Tourismus-Magnete und Wirtschaftsfaktoren. Kultur gelte als Aushängeschild dieser Stadt und des Landes. "Aber es wird hier nicht genug investiert, es geht zu langsam voran, die Entscheidungen dauern einfach zu lange." So komme für ihn beispielsweise die Sanierung des Badischen Staatstheaters zu spät. "Aber immerhin kommt sie", sagt Böhmer. Auch für die Staatliche Kunsthalle bestehen bereits konkrete Umbaupläne - das Gebäude soll zeitgemäß umgebaut und erweitert werden. Böhmer hofft auf den Wettbewerb und dabei auf die Unterstützung der Bürger und Entscheider in Stadt und Land.

"Social Media, Bloggerrelations und Selfies - das sind heute Bausteine einer gesamtheitlichen Kulturkommunikation."

Böhmer will die Kunsthalle aber nicht nur baulich weiterentwickeln, sondern auch neue Besucher gewinnen. Neben den gern gesehenen Stammgästen (Karlsruher Bildungsbürger, über 50 Jahre, gebildet, wohl situiert) will Böhmer auch jüngere Menschen für die Kunst begeistern. Um diese Zielgruppe besser zu erreichen, ist die Kunsthalle seit einigen Jahren auch auf zahlreichen Social Media Kanälen aktiv. Hier präsentiert sich die Kunsthalle modern und jung. Und das mit Erfolg. Die Kunsthalle hat bereits über 2.000 Follower auf Twitter und fast 2.500 Fans bei  Facebook.

Zum Start der Ausstellung "Ich bin hier! Von Rem­brandt zum Selfie"  (läuft noch bis zum 31. Ja­nu­ar 2016) ist die Kunsthalle seit 31. Oktober zudem auf der Fotosharing-Plattform Instagram präsent. Außerdem lädt sie Blogger zu einer "Blogparade" unter dem Hashtag #selfierade ein. Denn Selfies sind aus dem Alltag vieler Jugendlicher, aber auch Erwachsener, heute nicht mehr wegzudenken und ein wichtiges Mittel der Selbstdarstellung. "Social Media, Bloggerrelations und neue Veranstaltungsformate - das sind heute Bausteine einer gesamtheitlichen Kulturkommunikation", so Böhmer. "Wir wollen so auch das jüngere Publikum erreichen."

Karlsruher Macher: Otmar Böhmer

Auf diesem Weg scheut sich die Kunsthalle nicht, neue Formate auszuprobieren. Zum Start der Degas-Ausstellung im November 2014 veranstaltete die Kunsthalle Karlsruhe zum ersten Mal einen sogenannten "Tweetup". Bei einem  Tweetup treffen sich Twitterer und Blogger zu einer gemeinsamen Veranstaltung und berichten anschließend über ihre Impressionen.

Auch lud die Kunsthalle Twitterati in den "Twitter-Salon" zur Degas-Ausstellung mit anschließendem Get-together in der Absinthbar ein. Die Taktik ging auf. Wichtig waren für das Kunsthalle-Team auch die Erfahrungen und die intensive Kommunikation aus der exklusiven Bloggerreise für fünf kunst- und kulturinteressierte Blogger, die vor einem Jahr in Kooperation mit der Karlsruhe Tourismus GmbH und dem touristischen Zusammenschluss vier Baseler Museen, den "Art & Design Museums Basel", veranstaltet wurde.

"Ich vermisse den Rhein in der Stadt"

Doch was bedeutet eigentlich Kunst für den Diplom-Verwaltungswirt? "Kunst ist für mich Kunst-Geschichte", sagt Böhmer. "Mich interessiert der historische, gesellschaftliche und politische Kontext eines Kunstwerkes und der persönliche Hintergrund des Künstlers. Es ist bei einem Kunstwerk nicht unbedingt die Liebe auf den ersten Blick". Auch privat ist Böhmer ein Kunstliebhaber. Dabei reicht das Spektrum von der Aktionskunst Thomas Baumgärtels, dem "Bananensprayer", bis zum verstorbenen Informel-Künstler Bernard Schultze.

Doch es muss nicht immer Kultur sein: Am Wochenende findet man den Kunst-Experten regelmäßig im Wildparkstadion. Böhmer ist großer Fußball-Fan, spielte selbst für seinen Heimatverein Schwarz-Weiss Stotzheim."Ich mag die Emotion beim Fußball, ob beim KSC, oder beim 1. FC Köln für den das Herz noch immer schlägt", lacht Böhmer. Der 56-Jährige fühlt sich wohl in Karlsruhe, mag die badische Metropole. Dennoch hat er auch Sehnsucht nach seiner alten Heimat. "Ich vermisse den Rhein in der Stadt; mittendrin müsste er sein", sagt er etwas wehmütig. Auch heute ist Böhmer häufig im Rheinland - besucht dort seine Kinder und Enkelkinder. "Vor allem zu Karneval während der tollen Tagen bin ich mindestens einmal in Köln." Hier mischt sich der Kunsthallen-Chef dann im Kostüm unter die Jecken.

Weitere Infos unter www.kunsthalle-karlsruhe.de

Fotos: Carola Böhler

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