Kleiner Waffenschein
(Symbolbild)
Bild: Oliver Killig/Archiv
Trend hält an: Immer mehr Karlsruher haben kleinen Waffenschein
Karlsruhe
09.08.2017 07:00
Immer mehr Menschen rüsten sich mit Schreckschuss- und Reizstoffwaffen aus. Der Trend, der sich längst im ganzen Land beobachten lässt, hat auch Karlsruhe erfasst. Seit Jahren steigt hier die Zahl der Besitzer von kleinen Waffenscheinen. Anders sieht es bei größeren Waffen aus.

Immer mehr Menschen im Land haben einen kleinen Waffenschein, der sie zum Führen von Schreckschusspistolen, Reizstoff- und Signalwaffen berechtigt. Nach Recherchen der "Heilbronner Stimme" und des "Mannheimer Morgens" hatten Ende Juni 71.484 Menschen in Baden-Württemberg einen solchen Schein. 

Insgesamt ist nach Informationen der Zeitungen die Zahl der kleinen Waffenscheine von rund 43.000 Ende 2015 auf 64.895 Ende 2016 angestiegen. Bundesweit gibt es rund 500.000 Personen, die berechtigt sind, Schreckschuss oder Reizstoffwaffen bei sich zu tragen. Bevor eine entsprechende Bescheinigung ausgestellt wird, wird der Antragsteller auf seine Eignung geprüft. Er darf beispielsweise keine Vorstrafen haben, muss eine fachgerechte Aufbewahrung vorweisen können und mindestens 18 Jahre alt sein. 

Immer mehr Karlsruher wollen kleinen Waffenschein

Der Trend hin zum kleinen, unbefristeten Waffenschein zeichnet sich auch in der Fächerstadt ab: Wie das zuständige Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe auf ka-news-Anfrage mitteilt, steigt auch hier die Zahl der registrierten kleinen Waffenscheine.

 

In den letzten Jahren hat sich die Zahl der erteilten kleinen Waffenscheinen kontinuierlich erhöht. Damit haben laut Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt Karlsruhe - der zuständigen "Waffenbehörde" - Anfang August 1.894 Menschen einen kleinen Waffenschein besessen. Allein 2015 hatten 145 Karlsruher eine Bescheinigung beantragt. 

Mehr "kleine", aber weniger "große" Waffen

Während die Zahl der Schreckschuss- und Reizstoffwaffen in der Fächerstadt ansteigt, nimmt gleichzeitig die Zahl der Waffenbesitzer seit Jahren kontinuierlich ab. "Als Gründe denkbar wären die gesellschaftliche Diskussion zum Thema 'Waffenbesitz' und 'Jagd', aber auch der demografische Wandel mit der damit verbundenen geringeren Attraktivität des Schießsports und der Jagd", teilt die Stadt auf Anfrage von ka-news mit. Zuletzt besaßen 1.886 Menschen 15.264 Waffen.

 

Mit ein Grund für die Abnahme der Zahlen könnten aber auch die verstärkten Kontrollen der Stadt seit 2009 sein. Damals hatte der Gesetzgeber die Waffengesetze angepasst. Ihren Höhepunkt erreichten die Kontrollen 2014, als 867 Kontrollen, davon 379 unangekündigt, in der Karlsruhe stattfanden. Bei acht Waffenbesitzern gab es Beanstandungen. Im vergangenen Jahr gab es nur noch 130 Kontrollen (46 unangekündigt) mit einer Beanstandung. 

Warum wurde weniger kontrolliert? "Nachdem bis Ende 2016 alle Waffenbesitzer in Karlsruhe mindestens einmal Besuch vom Ordnungs- und Bürgeramt hatten, werden jetzt noch stichprobenartig Nachkontrollen bei bereits überprüften Waffenbesitzern durchgeführt sowie neue oder nach Karlsruhe zugezogene Waffenbesitzer überprüft", heißt es vonseiten der Stadt. "Dadurch bedingt wird zukünftig regelmäßig eine geringere Kontrolldichte erreicht werden als in den vergangenen Jahren."

Auch kleiner Waffenschein kann wieder abgenommen werden

Und bei den Besitzern der kleinen Waffenscheine? Hier gibt es grundsätzlich keine gesetzliche Vorschrift für eine Kontrolle der Haushalte. Probleme für die Nutzer von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen gibt es aber dann, wenn sie außerhalb von Schießständen abgefeuert werden. Das Schießen ist nämlich trotz des Waffenscheins verboten - es sei denn, es liegt ein Fall von Notwehr vor.

Anlassbezogen, spätestens aber alle drei Jahre, behält sich die Stadt als Schein-Aussteller das Recht vor, kostenpflichtige Prüfungen der waffenrechtlichen Zuverlässigkeit und persönlichen Eignung durchzuführen. Wer diese Eignung nicht mehr vorweisen kann, bekommt die Genehmigung entzogen.

Vonseiten der Politik wird der Trend insgesamt eher kritisch gesehen. "Die Menschen im Land sollten die Sicherheitsfragen denen überlassen, die etwas davon verstehen - und das ist die Polizei", so ein Sprecher von Innenminister Thomas Strobl (CDU) gegenüber Medien, wie die dpa angibt. 

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