Polizeipräsenz in Karlsruhe
(Symbolbild)
Sicherheitsgefühl in Karlsruhe: "Polizei-Präsenz kann Gegenteil erzeugen"
Karlsruhe
02.05.2017 07:00
Viele Karlsruher fühlen sich in ihrer Stadt immer unsicherer. Das steht seit Veröffentlichung der Sicherheitsumfrage aus dem Jahr 2014 fest. Die Verantwortlichen bei Polizei und Stadt wollen das Sicherheitsgefühl wieder stärken. Aber ist mehr Präsenz auch die Lösung des Problems?

Anfang April war es wieder soweit: Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und die Polizei führten Schwerpunktkontrollen im öffentlichen Nahverkehr durch. Sie stellten Schwarzfahrer, nahmen Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Anzeigen wegen Körperverletzung auf. Es war bereits die zweite Aktion dieser Art. Bereits im November hatte es solche Kontrollen gegeben. 

Die gemeinsame Aktion war ein Erfolg, wie die VBK gegenüber ka-news bestätigen. Doch es ging bei den Kontrollen um mehr, als nur Strafen zu ahnden. Die Kontrollen sollten den Fahrgästen in den Abendstunden ein Gefühl der Sicherheit vermitteln – ein Gefühl, das so mancher Karlsruher vermisst. 

Sicherheitsgefühl  ist von vielen Faktoren abhängig

Das ist amtlich, spätestens seit der Sicherheitsumfrage 2014 des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) Nur knapp 15 Prozent der damals Befragten gaben an, sich nachts in der City sicher zu fühlen. Etwa 37 Prozent sagten, dass ihnen der Gang durch die Stadt bei Nacht nicht behage. Die aufwendigen Kontrollen von Polizei und VBK sollten dem entgegenwirken. Die Frage dabei ist: Erhöhen plötzlich auftauchende Sicherheitskräfte das Sicherheitsgefühl der Passanten, oder erzeugen sie Verunsicherung und Furcht, weil Passanten denken könnten, in ihrer unmittelbaren Nähe drohe Gefahr?

"Polizeipräsenz ist ein zweischneidiges Schwert", sagt Professor Dieter Hermann vom Institut für Kriminologie der Universität Heidelberg. "In einem demokratischen Rechtsstaat vermittelt sie ein Gefühl der Sicherheit, in Staaten, in denen Rechtsstaatlichkeit nicht gewährleistet ist, erzeugt sie mitunter das Gegenteil." In Deutschland, einem Rechtsstaat, entstehe also eher ein Gefühl der Sicherheit, so die Einschätzung des Experten.

Die Grundlage sei das Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen und Behörden. Der Professor nennt es das "Sozialkapital einer Gesellschaft". "Wenn das nicht gewährleistet ist, ziehen sich Menschen zurück und verlieren das Vertrauen." Und doch ist das subjektive Sicherheitsgefühl von vielen Faktoren abhängig, "und wird maßgeblich davon beeinflusst, ob ein Mensch eine Störung der sozialen Ordnung wahrnimmt, etwa Personengruppen wie Jugendliche oder Betrunkene", erklärt Hermann.

Polizei weiß um Angst in der Bevölkerung 

"Eine unserer Kernaufgaben ist es, Präsenz zu zeigen. Uns ist bewusst, dass dies bei einigen wenigen auch zu Verunsicherungen führen kann, die weitaus meisten Bürger nehmen unsere Präsenz jedoch positiv wahr", sagt Florian Herr, Sprecher der Karlsruher Polizei, zu dem Thema. Man wisse, dass insbesondere die jüngsten Terroranschläge ein Gefühl der Angst erzeugt hätten.

"Wir wollen den Bürgern ein Gefühl der Sicherheit geben. Darum haben wir unsere vor Ort Präsenz gesteigert und wollen auch weiterhin in der Öffentlichkeit sichtbar sein", so Herr. Und sollte sich ein Bürger tatsächlich bei einer beobachteten Polizeiaktion unsicher fühlen, dürfe er natürlich auch die Beamten ansprechen. "Aber natürlich nicht, wenn es gerade zur Sache geht", so die Bitte des Polizeisprechers.

ka-news Hintergrund:

In der Sicherheitsumfrage 2014 des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) zeigte sich, dass das 2009 festgestellte hohe Sicherheitsempfinden in Karlsruhe so nicht fortbesteht und sich das wahrgenommene Sicherheitsniveau in vielerlei Hinsicht auf die Verhältnisse von 1999 zurückbewegt hat. Befragt wurden insgesamt 17.846 Personen im Alter von 18 bis 89 Jahren in Karlsruhe - 4.320 auswertbare Fragebögen kamen zurück.

Wie aus dem Umfrageergebnis hervorgeht, fühlen sich 68,5 Prozent der Befragten in der Karlsruher Innenstadt bei Tag sicher. Nur 2,9 Prozent sind vom Gegenteil überzeugt. Nachts fühle man sich in der City deutlich unsicherer: 37,2 Prozent geben an, dass ihnen der nächtliche Gang durch die Innenstadt nicht behagt. 47,5 Prozent fühlen sich "einigermaßen sicher", nur 15,3 Prozent sicher. Besonders gemieden werde, so die Bilanz, der Europaplatz - er gilt unter den Umfrageteilnehmern als besonders unsicher.

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