Baden in Karlsruhe
(Symbolbild)
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Sexuelle Übergriffe in Karlsruher Bädern: "So etwas gab es leider schon immer"
Karlsruhe
12.09.2016 07:00
Im Sommer tummeln sich in Schwimm- und Freibädern Menschen auf der Suche nach Abkühlung. Leider kommt es dort aber auch zu unschönen Szenen, so auch vergangene Woche im Karlsruher Europabad. Zwei Asylsuchenden wird vorgeworfen, mehrere Mädchen sexuell belästigt zu haben. Aber kommt es tatsächlich häufiger zu Übergriffen durch Flüchtlinge? Die Stadt und die Bäder räumen im Gespräch mit ka-news mit Gerüchten auf.

Ein Vorfall im Europabad sorgte in der vergangenen Woche für Aufregung: An einem Samstagnachmittag belästigten zwei 17-jährige Jungen drei Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren.  Die Schülerinnen meldeten dies dem Bademeister. Dieser reagierte und rief die Polizei.

Bei den beiden 17-jährigen Jugendlichen handelte es sich um aus Afghanistan stammende Asylsuchende, die durch den sozialen Dienst in Wohngruppen betreut wurden. Vor allem in den sozialen Netzwerken kochte nach dem Vorfall die Stimmung hoch. Ein Vorwurf: Durch Flüchtlinge sei die Zahl sexueller Übergriffe angestiegen. Aber stimmt das auch?

Stadt und Bäder dementieren Zunahme

"Natürlich gibt es für viele Jugendliche zunächst eine Art Reizüberflutung", so Helga Riedel, Sprecherin des Presseamts der Stadt Karlsruhe. Allerdings könne die Stadt keinerlei Zunahme von sexuellen Übergriffen in den Karlsruher Bäder bestätigen. Auch Bäderchef Oliver Sternagel kann keine Zunahme beobachten: "So etwas gab es leider schon immer und wird es wohl immer geben." Die Zahlen seien mit den ankommenden Flüchtlinge nicht gestiegen.

Auch das Gerücht, die Bäder hätten Wachleute eingestellt, um "übergriffigen Männergruppen" Herr zu werden, kann der Bäderchef nicht bestätigen. "Securitys hatten wir schon vorher eingestellt, das hat einfach mit Diebstählen und ausartenden Auseinandersetzungen zu tun", erklärt er.

Sicher gebe es durchaus auffällige Gruppen, hierbei handle es sich aber nicht um Gruppen von jungen Flüchtlingen. Auch mit dem Gerücht, dass diese die Freibäder kostenfrei betreten dürfen, will Sternagel aufräumen. "Flüchtlinge zahlen genau wie andere auch", betont er, "wenn sie irgendwo mit einer Gruppe durchlaufen, kann das daran liegen, dass sie auf den Listen der Leistungsträger vermerkt sind - wie andere Jugendliche auch."

Flüchtlinge werden aufgeklärt und betreut

Wenn Flüchtlingsgruppen die Bäder betreten, würden sie gleich mit den Regeln vertraut gemacht. "Wir schulen unsere Mitarbeiter, hier mehr Achtsamkeit aufzubringen", so Sternagel. Insgesamt mache man aber gerade mit Flüchtlingsgruppen sehr viele positive Erfahrungen. Generell würden Jugendliche in Wohngruppen nach ihrem Ankommen konsequent pädagogisch aufgeklärt. "Da wird ihnen beigebracht, wie wir leben, was man hier darf und was nicht".

Auch die Aufsichtspflicht sei in diesem Fall nicht verletzt worden. "Es handelt sich bei den Jugendlichen nicht um Sträflinge, sie können sich natürlich auch frei bewegen", meint Stadtsprecherin Riedel. Auch die Freiheit selbst zu entscheiden, gehöre zum Leben in Deutschland dazu. Insgesamt seien die Regelverstöße bei diesen Gruppen niedriger als in anderen, so die Sprecherin.

Das rät der Bäderchef Opfern sexueller Belästigung

Allerdings gibt Sternagel zu bedenken, dass der Respekt generell abgenommen habe und auch die Bademeister eine Verrohung der Sitten beobachten würden. "Unsere Bademeister werden von den Kindern und Jugendlichen nicht mehr ernst genommen oder teils sogar wüst beschimpft", berichtet der Bäderchef.

Deswegen käme immer öfter Security zum Einsatz - denn Wachleute würden noch als Autoritätspersonen wahrgenommen. Wer einmal aus dem Schwimmbad geworfen werde, der erhalte in allen Bäder Hausverbot. "Insgesamt fackeln wir nicht lange und rufen sofort die Polizei", so Sternagel. Im Falle einer Belästigung sollten sich die Opfer umgehend beim Personal melden. Diese könnten schnell reagieren und die Täter festhalten, bis die Polizei einträfe.

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