Trickbetrüger Telefon
(Symbolbild)
Bild: (Julian Stratenschulte)
Notruf in Karlsruhe: Wie lange dauert es bis Hilfe kommt?
Karlsruhe
19.09.2016 07:00
Ein medizinisches Problem, ein Einbrecher auf der benachbarten Terrasse oder ein Rauchsäule in der Entfernung: Es gibt viele Gründe, die Notrufnummern 110 oder 112 zu wählen. Doch jüngst wurde nach einem Brand in Durlach Kritik laut, dass die Rettungskräfte zu lange auf sich warten ließen. Im Gespräch mit ka-news schildern die Verantwortlichen, wie schnell die Einsätze abgearbeitet werden.

Wenn ein Notfall eintritt, muss alles ganz schnell gehen: Zum Telefonhörer greifen, die Notfallnummer wählen und dann auf die Hilfe warten. Die Zeit bis die Retter kommen, scheint den Betroffenen dann unendlich lange. Aber in welcher Zeit sind die Retter in Karlsruhe dann tatsächlich vor Ort?

Immerhin rund 110.000 Anrufe sind so im vergangenen Jahr über die Notrufnummer 112 in Karlsruhe eingegangen, bei der Polizei waren es 230.106 Notrufe im gesamten Zuständigkeitsbereich. Bei größeren Ereignissen gehen aber über beide Nummern häufig parallel Notrufe ein.

Als in der vergangenen Woche ein Dachstuhl in Durlach in Brand geriet, wurden Vorwürfe von Anwohnern geäußert, dass es eine halbe Stunde gedauert hätte, bis die Feuerwehr die Arbeit aufgenommen hat. Ein haltloser Vorwurf, so der Leiter der Branddirektion Florian Geldner damals. Nach sechs Minuten seien die Helfer am Brandherd gewesen.

Höchstens 15 Minuten bis die Hilfe kommt

Wie viel Zeit zwischen Notruf und dem Eintreffen von Feuerwehr und Rettungsdienst vergehen darf, ist in Deutschland in jedem Bundesland individuell geregelt. Im Rettungsdienstgesetz von Baden-Württemberg heißt es, dass nach Eingang der Meldung möglichst nicht mehr als zehn, höchstens aber 15 Minuten vergehen sollen.

Sobald der Disponent in der Leitstelle den Notruf aufgenommen hat, wird die Rettungskette in Gang gesetzt. Wie in allen Städten im Land mit über 100.000 Einwohnern, verfügt Karlsruhe dabei über eine Berufsfeuerwehr. "Die beiden Wachen der Berufsfeuerwehr sind strategisch so über das Stadtgebiet verteilt, dass planerisch ein Eintreffen der ersten 14 Einsatzkräfte nach 9,5 Minuten nach Beginn der Notrufabfrage gewährleistet ist", beschreibt Geldner auf Nachfrage von ka-news.

Wer vorsätzlich einen Einsatz auslöst, muss dafür zahlen

Doch gerade in den Randgebieten von Karlsruhe könne planerisch diese Hilfsfrist durch die Berufsfeuerwehr nicht erreicht werde, so Geldner weiter. "Diese verfügen jedoch über leistungsstarke Freiwillige Feuerwehren, die in der Regel vor der Berufsfeuerwehr am Einsatzort eintreffen."

Rücken die Einsatzkräfte der Feuerwehr an, weil ein Anrufer vorsätzlich die Notfallnummer gewählt hat, dann kann es schnell teuer werden. Je nach Einsatztyp und Dauer können schnell mehrere tausend Euro zusammenkommen. Wer die Feuerwehr alarmiert, weil er im guten Glauben ein Brand vermutet, der sich später als Grillfeuer herausstellt, muss allerdings keine Kosten befürchten.

Polizei hat keine feste Hilfsfrist

Eine feste Zeit, nach welcher die Einsatzkräfte der Polizei am Einsatzort eintreffen, gibt es bei der Polizei nach Anfrage von ka-news nicht. Die Dauer sei von verschieden Faktoren abhängig: "Wenn ich beispielsweise einen Auffahrunfall habe, kann es sein, dass ich je nachdem, was sonst im Umfeld passiert, warten muss. Hier ist die Priorisierung wichtig und die Verfügbarkeit der Einsatzkräfte", so Olaf Hary, stellvertretender Leiter des Führungs- und Lagezentrums im Polizeipräsidium Karlsruhe. Eine Hilfsfrist wie im Rettungswesen gibt es hier nicht.

Ein weiterer Faktor sei der Standort: "In der Stadt Karlsruhe ist die Wahrscheinlichkeit, dass schnell ein Wagen kommt sehr hoch. Anders sieht es da auf dem Land aus, je nachdem ob gerade eine Streife in der Nähe ist und was diese zu tun hat", erklärt Hary weiter.

Im Prinzip seien die Reviere aber so organisiert, dass alle Standorte schnell erreicht werden können. Generell gelte allerdings, je schwerwiegender der Verstoß oder das Verbrechen, desto schneller müsse die Polizei reagieren. "Da kann es auch sein, dass die Kollegen einen Einsatz unterbrechen müssen."

Der ideale Notruf

Folgende 5 "W-Fragen" helfen der Leitstelle, die nötigen Kräfte schnell zu entsenden:

Wo ist etwas geschehen?

Was ist geschehen?

Wie viele Personen sind betroffen?

Welche Art von Erkrankung/Verletzung/Schaden liegt vor?

Warten auf Rückfragen! (das Gespräch nicht unaufgefordert beenden) / Wer meldet?'

Wie Florian Geldner angibt, werden die Anrufer durch speziell geschulte Leitstellenmitarbeiter durch das Telefongespräch geführt. Dennoch weist er drauf hin: "Je genauer die vom Anrufer genannte Ortsangabe des Schadensereignisses ist, desto schneller können die richtigen Einsatzkräfte zum richtigen Ort disponiert werden."

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