aggressives Drohen Kopf seitlich
(Symbolbild)
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Karlsruher Dienststellen klagen: Zahl der Übergriffe auf Personal steigt
Karlsruhe
16.05.2017 22:23
Von Beleidigungen über Diffamierung bis hin zu Vandalismus-der Ton gegenüber Mitarbeitern der Stadt wird immer rauer. Selbst körperliche Angriffe sind keine Seltenheit mehr. Der Hauptausschuss der Stadt Karlsruhe befasste sich nun mit diesem Thema und möglichen Konsequenzen.

Egal ob beim Amt für Abfallwirtschaft, dem Städtischem Klinikum, Ordnungsamt oder anderen öffentlichen Ämtern-  Drohungen und Beschimpfungen gegenüber Mitarbeitern städtischer Gesellschaften  sind längst keine Seltenheit mehr. Der Hauptausschuss der Stadt Karlsruhe hat nun eine im März gestartete Umfrage unter den städtischen Dienststellen ausgewertet und über Konsequenzen diskutiert.

Der erste Bürgermeister Wolfram Jäger sprach von einer "Verrohung der Sitten" und sieht die Stadt "als öffentlichen Arbeitgeber in der Verantwortung". Auch der Abgeordnete Tilman Pfannkuch (CDU) sieht in der steigenden Zahl der direkten Angriffe oder persönlichen Beleidigungen von Seiten der Kunden eine bedenkliche Entwicklung: "In sozialen Medien ist man es schon gewohnt, dass sich die Leute dort auskotzen. Aber im direkten Umgang mit Mitarbeitern, das ist eine ganz neue Dimension", warnt er.

Bei ihrer Umfrage richtete sich die Stadt an 59 Dienststellen. 34 davon meldeten, bezogen auf die Mitarbeiter mit unmittelbaren Kundenkontakt, bereits von solchen Vorfällen betroffen zu sein. Konkret geht es um 7.844 Mitarbeiter, die im Kundenkontakt stehen. Bei gut einem Drittel der Dienststellen waren Angestellte in den letzten zwölf Monaten täglich oder wöchentlich mit Beschimpfungen am Telefon, per E-Mail und vor allem im persönlichen Gespräch konfrontiert. Besonders letzteres habe in der Vergangenheit zugenommen.

Beschimpfungen und Vandalismus an der Tagesordnung

Nach Angaben von Edith Wiegelman-Uhlig, die dem Hauptausschuss die Ergebnisse der Umfrage vorstellte, seien die Extremfälle wie Vandalismus und Randale sowie Gewalttätigkeiten oder sexuelle Belästigung zwar noch selten, doch schon ein einziger Fall sei "einer zu viel", betont sie. Insbesondere Städtisches Klinikum, Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) sowie die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) weisen eine hohe Beeinträchtigung des Betriebes durch aggressives Kundenverhalten auf.

Beim Städtischen Klinikum stehen Beleidigungen und Vandalismus an der Tagesordnung. Auch alkoholisierte oder unter Drogen stehende Personen stören dort täglich den Ablauf der Mitarbeiter. Übergriffe auf die Angestellten verzeichnen die Verantwortlichen wöchentlich. Auch bei VBK und AVG kommt es im Wochenrhythmus zu Randalen und körperlichen Angriffen auf Mitarbeiter.

"Wir müssen Entscheidungen treffen"

"Es kann nicht sein, dass Menschen, die anderen helfen wollen, körperlich angegangen werden", kritisiert Stadtrat Thomas Hock (FDP). Er fordert klare Taten: "Wir dürfen nicht nur alles bereden, wir müssen auch Entscheidungen treffen." Für einen der Extremfälle, das Städtische Klinikum, befürwortet er sogar "Zugangskontrollen", wie sie in Amerika üblich sind.

Eine große Folge solcher Vorfälle ist die psychische Belastung der betroffenen Personen. Bei 201 Mitarbeiter wird von emotionaler Erschöpfung oder sogar psychosomatischen Störungen gesprochen. Deshalb wollen die Verantwortlichen der Stadt handeln, um die Mitarbeiter in Ämtern und städtischen Gesellschaften zu schützen. So waren auch die konkreten Gegenmaßnahmen ein Thema der Umfrage.

Schulungen zur Deeskalation

Viele Institutionen sind bereits selbst aktiv geworden. Über die Hälfte haben ihren Angestellten Schulungen zur Deeskalation angeboten. Weitere Maßnahmen, die von den Dienststellen ergriffen wurden, sind hausinterne Alarmierungsmaßnahmen, Selbstverteidigungskurse, Teamgespräche sowie Optimierung der Fluchtwege.

In einigen Ämtern wurden sogar noch härter Konsequenzen gezogen: Videoanlagen, bauliche Veränderungen sowie der Einsatz von Securitykräften. Darüber hinaus wurden in den vergangenen zwölf Monaten fast 100 Strafanzeigen gestellt sowie 91 Hausverbote ausgesprochen. Einige Ämter sprechen sich zudem für Zugangskontrollen und Rückzugsräume sowie weiteres unterstützendes Aufsichtspersonal aus.

Im Hauptausschuss herrschte weitestgehend Einigkeit, dass gehandelt werden muss. "Wir müssen uns hinter die Mitarbeiter stellen. Sie alle müssen vor körperlichen Angriffen und Diffamierung geschützt werden", betont Parsa Marvi. Dabei müssten die Bürger die Maßnahmen, die letztlich ergriffen werden, akzeptieren, so der SPD-Stadtrat. Paul Schmidt, AFD-Stadtrat, weist jedoch auch auf die Kostenfrage für weitere Schutzmaßnahmen hin: "Denn die friedlichen Bürger müssen schließlich für die randalierenden bezahlen", warnt er.

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