Busbahnhof
Sieht der neue Busbahnhof in Karlsruhe einmal so aus?
Bild: (Vlado Bulic/Fotomontage)
Karlsruhe bekommt ein Fernbus-Terminal - und zwar hier!
Karlsruhe
16.12.2014 17:07
Der jetzige Busbahnhof in Karlsruhe ist zu klein und unansehnlich. Darin sind sich alle einig. Doch wo soll ein neues und größeres Fernbus-Terminal entstehen? Am Hauptbahnhof-Süd oder auf einem Areal an der Fautenbruchstraße? Der Karlsruher Gemeinderat hat sich am Dienstagabend für einen der beiden Standorte entschieden.

Der aktuelle Karlsruher Busbahnhof entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen - da sind sichFahrgäste, Fernbus-Betreiber und Stadt einig. Aber wo soll das neue Fernbus-Terminal entstehen? Am Dienstag wurde die Standort-Frage für einen neuen Busbahnhof im Karlsruher Gemeinderat geklärt. Das neue Terminal soll auf einem Areal in der Fautenbruchstraße entstehen. Dafür stimmte die Mehrheit der Stadträte (17 Nein, 29 Ja). Jetzt wird ein Modell für den Bau und Betrieb des neuen Busbahnhofes an diesem Standort erarbeitet.

Karlsruhe: Verkehrsknotenpunkt für Fernbusse

"Wir brauchen einen modernen Busbahnhof. Denn was sich am derzeitigen Standort abspielt, ist für alle Beteiligten eine Zumutung", erklärte Oberbürgermeister Frank Mentrup. Nach Angaben des Ordnungsamtes fahren heute 47 Fernbus-Linien rund 1.200 Mal in der Woche Karlsruhe an. Die Fächerstadt gehöre damit - zusammen mit Stuttgart und Mannheim- zu einer der "höchstfrequentierten Haltepunkte in Süddeutschland" und entwickele sich zunehmend zum "Verkehrsknotenpunkt für Fernbusse". "Die Situation am ohnehin beengten Busbahnhof wird immer schwieriger. Es kommt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Vor diesem Hintergrund besteht dringender Handlungsbedarf, den Busbahnhof an die aktuellen Entwicklungen anzupassen", erklärt dazu die Stadt in der Beschlussvorlage.

Doch wo soll das neue Fernbus-Terminal hin? Im Rennen waren zum Schluss noch der Standort direkt neben dem (südlichen) Bahnhofsplatz - also fast der gleiche Ort wie bisher -, sowie eine Stelle weiter östlich zwischen Güterbahn- und Fautenbruchstraße, etwa auf Höhe der Ettlinger Straße. Die Stadt favorisierte den Standort Fautenbruchstraße. Unter anderem deswegen, da sie für dieses Areal südlich des Hauptbahnhofs künftig enormes Potential für private Investoren sehe und sich das Grundstück ohne Busbahnhof künftig besser vermarkten lasse. Die Busunternehmer haben sich bei einer Bürgeranhörung aufgrund der Nähe zum Hauptbahnhof indes für den Hauptbahnhof-Süd ausgesprochen.

Diskussion im Gemeinderat

Unter den Stadträten gab es in der Gemeinderatssitzung am Dienstag hierüber unterschiedliche Ansichten. CDU-Stadtrat Thorsten Ehlgötz sagte: "Für meine Fraktion war von Anfang an die Fautenbruchstraße der richtige Standort." David Hermanns von der SPD erklärte, dass seine Fraktion auch für diesen Standort stimmen werde: "Wenn nicht jetzt, wann dann." Die Grünen sehen auch Handlungsbedarf. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile habe sich die Fraktion aber für den Platz am Hauptbahnhof-Süd entschieden, so Stadtrat Johannes Honné. Lüppo Cramer von der Kult-Fraktion sagte: "Wir sehen mehr Vorteile beim Standort in der Fautenbruchstraße."

Die FDP folgte der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung nicht. Schließlich hätten sich die Bürger und Busunternehmer für den Hauptbahnhof-Süd ausgesprochen. "Dem werde sich die  FDP nicht verschließen", betonte FDP-Stadtrat Tom Hoyem. Für Friedemann Kalmbach von Gemeinsam für Karlsruhe (GfK) könne es aus städtebaulicher Sicht nur eine Entscheidung für die Fautenbruchstraße geben. "Es gibt keine Alternative", so der GfK-Stadtrat. Niko Fostiropoulos von den Linken sieht mehr Chancen und Vorteile für den Standort am Hauptbahnhof-Süd. Jürgen Wenzel von den Freien Wählern sieht dagegen mehr "Entwicklungspotential am Standort Fautenbruchstraße".

Die AfD-Stadträte Marc Bernhard und Paul Schmidt setzten sich indes mit einem Änderungsantrag (Linkt führt zu PDF-Datei auf Webseite der Stadt Karlsruhe) für den Standort Hauptbahnhof-Süd ein. Denn die Fautenbruchstraße befinde sich ihrer Meinung nach für Reisende mit schwerem Gepäck viel zu weit von der nächsten Haltestelle des ÖPNV entfernt. Im Übrigen benötigten Fahrgäste während längeren Wartezeiten eine ausreichende Infrastruktur mit Kiosken, Gaststätten und Toiletten. Eine solche Infrastruktur müsste dort aber erst geschaffen werden, bemängelte die AfD. Der AfD-Antrag wurde abgelehnt.

Beide Standorte haben Vor- und Nachteile

Beide Standorte haben durchaus Vor- und Nachteile: der eine liegt näher am Südausgang des Hauptbahnhofs, bietet also kürzere Wege zum Nahverkehr. Die östliche Variante dagegen wäre fast einen halben Kilometer vom Bahnhof entfernt. Dafür gibt es hier eine bessere Anbindung an den Straßenverkehr und vor allem mehr Platz. Aber auch wenn der Bedarf an Bushaltebuchten auf dem hart umkämpften Fernbus-Markt wieder zurückgehen würde, könnte an der Fautenbruchstraße ein Rückbau erfolgen und hochwertige Flächen mit einer anderen Nutzung belegt werden. "Am Hauptbahnhof-Süd könnte die Größe des Busterminals jedoch nicht mehr verändert werden", bemerkte die Stadtverwaltung. Inzwischen konnte zudem mit der Eigentümerin der Grundstücke in der Fautenbruchstraße (Firma Aurelis) zudem eine Einigung über den Erwerb erzielt werden.

Der Bürgerverein Südweststadt begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats. "Die Fachleute sind sich einig - nur der Standort Fautenbruchstr./Güterbahnstr. ermöglicht ein  richtiges Verkehrskonzept und eröffnet die Perspektive für das gesamte Areal", so Vlado Bulic, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins.

Hier finden Sie die ausführliche Beschlussvorlage der Stadtverwaltung (Link führt zu PDF-Datei auf Webseite der Stadt)

Das sind die Mehrheitsverhältnisse im neuen Gemeinderat:

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