Gewalt
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Atlas der Straftaten: Hier liegen die Brennpunkte in Karlsruhe
Karlsruhe
03.11.2016 07:20
Wo liegen die Brennpunkt-Stadtteile in Karlsruhe? Diese Frage wollten die Stadträte Jürgen Wenzel (Freie Wähler) und der parteilose Stefan Schmitt beantwortet wissen. Nun liegt der erste "Atlas der Straftaten" für die Fächerstadt vor, der in der kommenden Woche Thema im Hauptausschuss sein wird. Ein Blick in den Atlas zeigt: Es gibt teils enorme Unterschiede zwischen den verschiedenen Stadtteilen.

Karlsruhe gehört zu den großen Stadtkreisen in Baden-Württemberg mit einer hohen Kriminalitätsrate. Zu diesem Ergebnis kommen das Karlsruher Polizeipräsidium und das Amt für Stadtentwicklung. Ausgehend von der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2015 haben die beiden Behörden in Zusammenarbeit den sogenannten "Karlsruher Straftatenatlas" erarbeitet.

Dieser zeigt: Die Fächerstadt belegte 2015 mit 33.323 erfassten Straftaten den dritten Platz im Südwesten. Mehr Straftaten gab es nur in Stuttgart (66.450) und Mannheim (34.943).

Karlsruher City belegt vordere Plätze im Atlas

Der Straftaten-Atlas soll einen Einblick geben, wo in Karlsruhe die Kriminalitätsbrennpunkte liegen - und wie sich die Zahl der Straftaten in den verschiedenen Stadtteilen entwickelt hat.

Das Ergebnis: Die meisten Straftaten in Karlsruhe werden in der Innenstadt erfasst. Spitzenreiter ist hier die Innenstadt-West mit 4.752 Straftaten. Direkt dahinter folgen die Innenstadt-Ost mit 3.220 und die Oststadt mit 2.593 registrierten Straftaten. Weitere Schwerpunkte sind die Weststadt (2.191 Delikte), die Südweststadt (1.976 Delikte), Mühlburg (1.885 Delikte), die Südstadt (1.726 Delikte) und Durlach (1.717 Delikte).

Kriminalität in den Stadtteilen

(Screenshot aus dem Stadtatlas des Karlsruher Polizeipräsidiums und des Amts für Stadtentwicklung. Zur Vergrößerung hier klicken. )

Einbrüche in Durlach, Straßenkriminalität in der Innenstadt

Mit Ausnahme von Durlach zeigt sich: Je weiter die Stadtteile vom Zentrum entfernt liegen, desto weniger Straftaten werden dort registriert. "Räumliche Schwerpunkte für kriminelle Handlungen bilden traditionell vor allem die Innenstadt, mit einer hohen Dichte von Lokalitäten, Discos und Geschäften.", so die Erklärung der Stadt. Hier würden sich daher Straftaten -und vor allem die Straßenkriminalität- häufen.

Welche Delikte vermehrt auftreten, ist insgesamt von Stadtteil zu Stadtteil verschieden. In der Oststadt kam es 2015 zu besonders vielen Diebstählen aus und von Kraftfahrzeugen. Fahrräder hingegen wurden im vergangenen Jahr vor allem in der Südweststadt und der Weststadt gestohlen. Bei den Wohnungseinbrüchen lagen die Stadtteile am Stadtrand vorne. Die Zahl der Wohnungseinbrüche lag hier sogar über den Zahlen der innerstädtischen Lagen im Zentrum. In Wohnungen in Durlach und Grünwinkel wurde 2015 am häufigsten eingebrochen.

Zahl der Straftaten in Rintheim und Neureut erhöht

Und auch was die Entwicklung der Straftaten in den Stadtteilen angeht, zeigen sich Unterschiede. In der Innenstadt-Ost registrierte die Karlsruher Polizei zwischen 2011 und 2015 einen Anstieg der Delikte von 84,6 Prozent. In Rintheim liegt die Steigerung bei 67,4 Prozent, in Neureut bei 33,8 Prozent und in Mühlburg bei 33,7 Prozent. Zum Vergleich: Die Steigerung aller Straftaten in Karlsruhe liegt im Fünfjahresvergleich bei 16,6 Prozent.

Doch es gibt auch umgekehrte Entwicklungen: Stupferich beispielsweise verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren ein Minus von 38,3 Prozent bei den erfassten Straftaten. In Palmbach und der Nordweststadt hat die Kriminalität ebenfalls abgenommen: Hier gibt es einen Rückgang von 25 Prozent (Palmbach) und 20,2 Prozent (Nordweststadt) zu verzeichnen.

Stadt und Polizei warnen vor Verzerrsituation

Eine Deliktsgruppe ist bei dieser Betrachtung allerdings ausgenommen: die Straftaten gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz. Hiervon war Karlsruhe als Standort der Landeserstaufnahmestelle (LEA) besonders betroffen, heißt es vonseiten der Stadt. Diese Delikte werden im Atlas gesondert erfasst. "Um eine bessere Vergleichbarkeit der Daten gewährleisten zu können, wurden die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz beziehungsweise Asylverfahrensgesetz bei der Betrachtung der Daten herausgerechnet", so die Erklärung der Stadt.

Die Verwaltung stellt dabei fest: Seit 2011 hat sich deren Fallzahl nahezu verfünffacht; die Zahl der Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz/Asylverfahrensgesetz stieg von 368 Fällen im Jahr 2011 auf 1.822 Fälle im Jahr 2015 - was einem Plus von 395,1 Prozent entspricht. Insgesamt betrug deren Anteil 5,5 Prozent an allen erfassten Straftaten.

Bereits im Vorfeld gaben die Verantwortlichen allerdings zu bedenken, dass ein Straftaten-Atlas, wie er jetzt auch für Karlsruhe vorliegt, nicht unproblematisch ist. Gerade bei den Stadtteilen in der Kernstadt befürchteten Stadt und Polizei eine "Verzerrsituation" - die entsprechenden Häufigkeitszahlen bedürfen daher immer einer Interpretation.

Die Kriminalitätsstatistik für 2015 in der Kurzübersicht:


- Rückgang der Kriminalität in allen Landkreisen und in Pforzheim
- Enzkreis und Landkreis Calw jetzt sicherste Landkreise
- Pforzheim zweitsicherste kreisfreie Großstadt nach Heilbronn
- Rückgang beim schweren Diebstahl, beim Wohnungseinbruch um 16,2 Prozent
- Rückgang der Sexualstraftaten
- Rückgang bei Vermögens- und Fälschungsdelikten
- Rückgang der Einbruchskriminalität in Büro- und Geschäftsräume/Gaststätten

- Anstieg der Straftaten mit 1,8 Prozent  geringer als der Landestrend mit 3,8 Prozent
- Kriminalität in Karlsruhe um 8 Prozent gestiegen
- Anstieg der Rohheits- und Aggressionsdelikte; in KA einfache Eigentumskriminalität
- Betrugsfälle "Enkeltrick" von 29 auf 221 gestiegen, davon 208 Versuche
- Anstieg der Pkw-Aufbrüche um 9,9 Prozent
- Rauschgiftkriminalität mit 3.464 Fällen nahe am Zehnjahreshoch als Folge intensiver Ermittlungs-, Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen
- Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen von 37,6 auf 44,3 Prozent gestiegen

 

Den vollständigen Straftaten-Atlas für die Stadt Karlsruhe finden Sie hier.
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