Christiane Deissinger, Epfach, 2007/2008, © Badisches Landesmuseum
Christiane Deissinger, Epfach, 2007/2008, © Badisches Landesmuseum
Bild: ONUK
Schwarzwald, stilvoll aufgemischt! "#Waldschwarzschön" im Museum beim Markt
Karlsruhe
20.04.2017 20:40
Eine weitere interessante Ausstellung läuft: Im Museum beim Markt ist die Schau "#Waldschwarzschön – Black Forest remixed!" gelandet - und ist bis zum Januar 2018 zu bestaunen!

Das auffälligste und bekannteste Motiv der vielfältigen Schwarzwälder Trachtenwelt ist der Bollenhut! Die Farbe seiner Wollkugeln - ob schwarz oder rot - verrät den Ehestand seiner Trägerin. Umso amüsanter, wenn nun eine Design-Firma den Bollenhut zum Hocker umfunktioniert und den einen "noch zu haben", den anderen "schon vergeben" nennt.

Das Hockerpaar ist eines der Exponate, die den Schwarzwald in der Ausstellung "#Waldschwarzschön – Black Forest remixed!" auf unkonventionelle Weise neu interpretieren. Die Schau bietet einen erfrischenden Mix aus alten, für den Schwarzwald typischen Objekten und zeitgenössischem Kunsthandwerk und Design – eine charmante Liaison von Vergangenheit und Gegenwart im "Schwarzwald-Look".

Themen wie "Wald" und "Fastnacht" werden variiert

Dabei war die Herstellung der Exponate im Schwarzwald selbst keine Voraussetzung bei der Objektauswahl. Denn die Ausstellung versteht den wohl bekanntesten deutschen Wald und seine Motive lediglich als Inspira-tionsquelle für kreative Ideen.

Objekte aus der historischen Schwarzwald-Sammlung des Museums bilden das Rückgrat der Präsentation. Diese für den Schwarzwald typischen Gegenstände präsentieren sich im Zwiegespräch mit Zeugnissen jüngst entstandenen Kunsthandwerks und Designs. So sind an zeitgenössischen Arbeiten in der Ausstellung 60 nationale und internationale Design- und Kunsthandwerkspositionen zusammengekommen.

Die zeitgenössischen Objekte folgen ähnlichen ästhetischen Prinzipien wie ihre originalen Vorbilder. Sie greifen im Schwarzwald heimische Materialien wie Holz und Glas oder Handwerkstechniken wie das Flechten und Bürstenbinden auf. Auch Themen wie "Wald", "Fastnacht" und Motive wie die "Schwarzwälder Kirschtorte" oder der "Bollenhut" werden variiert.

Ausstellung huldigt einer "Ikone" des Schwarzwaldes

Selbstverständlich huldigt die Ausstellung auch einer bedeutenden "Ikone" des Schwarzwaldes: der Kuckucksuhr. Ob als schrille, an die Bildsprache von Comics erinnernde Überzeichnung oder als auf das Wesentliche konzentrierte Reduktion – die Auswahl von fünf Uhren zeigt, dass das "Kuckucksuhr-Styling" heutiger Gestalter keine Grenzen kennt.

Als Schaustück ohne funktionellen Charakter fasziniert das Origami-Meisterwerk von Robert J. Lang. Es handelt sich um eine Kuckucksuhr, gefaltet aus einem 3,5 Meter langen Stück Papier, ohne einen einzigen Schnitt. Der Amerikaner Lang, Entwerfer und Ausführender dieser eindrucksvollen Papierarbeit, gilt als "Origami-Papst". Seit Jahren entwickelt der Physiker hochkomplexe, auf mathematischen Berechnungen basierende und im Faltprozess anspruchsvolle Kreationen.

Materialmix entwickelt eine eigene Ästhetik

Das in der Karlsruher Ausstellung gezeigte Exemplar seiner "Black Forest Cuckoo Clock opus 182" fertigte Lang eigens für das Badische Landesmuseum an. Die Inspiration zu diesem Entwurf erhielt der in Kalifornien lebende Origami-Künstler 1987 während einer Reise in den Schwarzwald. So vereint das Papierobjekt in sich drei Länder – japanische Faltkunst, amerikanischen Design-Spirit und urdeutsche Motivik – und zeugt von der globalen Strahlkraft des Schwarzwalds.

Auch die niederländische Schmuckkünstlerin Jacomijn van der Donk ließ sich als internationale Gestalterin während eines Aufenthalts im Schwarzwald inspirieren. Wunderbar weiche Ziegenhaare und die Handwerks-tradition des Bürstenbindens regten sie zu ihrer Kollektion der "Hair-Rings" an. Die feinen, in einer silbernen Ringschiene gefassten Ziegenhaare besitzen als Fingerring lediglich schmückende Funktion, aber der ungewöhnliche Materialmix entwickelt eine ganz eigene, bestechende Ästhetik.

Satoshi Itasaka verfolgt nachdenklich stimmendes Konzeptdesign

Ein nachdenklich stimmendes Konzeptdesign verfolgt der Japaner Satoshi Itasaka mit seinem "Schwarzwald Stool" und nimmt von Japan aus direkt Bezug auf das bekannteste deutsche Mittelgebirge. Die Oberfläche des grazilen Hockers aus geschwungenen Stahlbändern ist mit einer Säure behandelt, deren pH-Wert von 4,0 exakt dem des "Sauren Regens" entspricht. Die bewusste, den harten Stahl zersetzende Korrosion und die dadurch bedingte Fragilität des Hockers versinnbildlicht das Waldsterben – der "Schwarzwald Stool" wird zum Mahnmal der Verletzbarkeit des Ökosystems.


Preview: Waldschwarzschön



Während sich der Bezug zum Thema "Wald" beim "Schwarzwald Stool" nicht sofort erschließt, sondern subtil im Verborgenen liegt, lassen sich andere Exponate schon auf den ersten Blick einem bestimmten Motiv zuordnen. So verweist etwa die Leuchte "Louise", die Lisa Ertel für die Designedition "kkaarrlls" aus einer Astgabel kreierte, assoziativ auf das Thema "Wald". Gleiches gilt für einen markanten, in Bronze gegossenen
Ring der Karlsruher Schmuckkünstlerin Nora Rochel in naturalistisch gearbeiteter Zapfenform.

Kreative Köpfe besitzen eine gesunde Portion Humor

Die facettenreiche Zusammenschau der ausgewählten Objekte weckt beim Betrachter die Erkenntnis, welche Bandbreite gute Gestaltung haben kann und über welches unerschöpfliche Potential zeitgenössische Designer und Kunsthandwerker verfügen. Und der ein oder andere kreative Kopf besitzt offenkundig auch eine gesunde Portion Humor! Lange im Gedächtnis bleiben dürfte eine Krippe, die so ganz anders daherkommt als die im Schwarzwald verbreiteten Kastenkrippen.

Durch minimale Formveränderung gibt Christiane Deissinger handelsüblichen Glasflaschen wesenhafte Züge: Den "Drei Weisen aus dem Morgenland" wird mit den funktionalen Bügelverschlüssen buchstäblich "die Krone" aufgesetzt!

Termin: noch bis 7. Januar 2018, Museum beim Markt, Karlsruhe

 www.landesmuseum.de
www.heimattage-karlsruhe.de

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