#Waldschwarzschön - Black Forest remixed!
Waldtiere / Steckfiguren Entwurf: Valentin Pfister, Kollektion kkaarrlls für Echtwald, 2013, Pappel-Sperrholz, gelasert, Badisches Landesmuseum
Bild: Th. Goldschmidt
Badisches Landesmuseum: Das sind die Ausstellungs-Highlights 2017!
Karlsruhe
19.02.2017 06:00
"Uns geht's gut!". Mit diesen positiven Worten leitete Landesmuseums-Direktor Professor Eckart Köhne die Jahrespressekonferenz des Badischen Landesmuseums ein und meinte damit vor allem auch den Erfolg der aktuellen beeindruckenden Ausstellung "Ramses - Göttlicher Herrscher am Nil".

Auch Kurator Lars Petersen zeigte sich begeistert und "überwältigt vom großen Erfolg": Ein "steter Strom an Menschen", "Besucher-Schlangen vor dem Schloss", um die überaus erfolgreiche "Ramses"-Ausstellung zu sehen - man hat laut Petersen "voll ins Schwarze getroffen!".

20.000 Besucher haben bis jetzt die genannte Schau gesehen - das ist erwähnenswert! Das Publikum ist dabei bunt gemischt, sowohl (inter)nationale Gäste als insbesondere auch Fachleute kommen in die Fächerstadt - manche aus Interesse an der Ausstellung sogar aus Übersee. Im Folgenden nun die Vorausschau für Ausstellungen in 2017 im Schloss Karlsruhe/Museum beim Markt.

"#Waldschwarzschön - Black Forest remixed!"

#Waldschwarzschön Black Forest remixed!
Fahrrad „LJ Semi Cruise” Raphael Much, 2013, Lumber Jack Bicycles, Schramberg, Rahmen aus Kirsch- und Eschenholz, Badisches Landesmuseum Bild: Raphael Much

Der Schwarzwald - stilvoll aufgemischt! Die Ausstellung "#Waldschwarzschön – Black Forest remixed!", ab 14. April im Museum beim Markt, bietet viele visuelle Überraschungen: sie kombiniert Altes mit Neuem, regt zum Schmunzeln an und stellt bekannte Vorstellungs­bilder des Schwarzwalds auf den Kopf.

So wandelt sich der Bollenhut zu einem Hocker

So wandelt sich der allseits bekannte Bollenhut mit seinen markant roten Kugeln zu einem Hocker; die dicken PomPoms dienen als weiches und bequemes Polster der Sitzfläche. Auch eine weitere Schwarzwald-Ikone - die Kuckucksuhr -  wird neu interpre­tiert: In aufwändiger Falttechnik steht die "Black Forest Cuckoo Clock, Opus 182" eines amerikanischen Origami-Meisters für die erfrischenden Spielarten moderner Künstler.

Was macht die Ausstellung so "besonders"? Es ist wohl der bunte Mix aus alten, für den Schwarzwald typischen Objekten aus der historischen Sammlung des Museums mit modernem Design und Kunsthandwerk. Die zeitgenössischen Objekte folgen ähnlichen ästhetischen Prinzipien wie die originalen Vorbilder. Sie deuten und variieren Altbekanntes und entwickeln dabei ein völlig neues Eigenleben.

Zusammenschau von über 60 ausgewählten Objekten

So dient das Griffloch in Form eines Herzens - ein häufig anzutreffendes Gestaltungselement des Brettstuhls aus den Wohn­stuben der Schwarzwälder Bauernhäuser - als Design-Vorlage für den Stuhl "trix". Bei diesem ist sogar die gesamte Rückenlehne der Form eines Herzens nachempfunden. In der Ausstellung tritt das moderne Möbel in ein Zwie­gespräch mit einem traditionellen und besonders schön geschnitzten Brettstuhl-Exemplar nach einem Entwurf des Künstlers Hans Thoma aus der Zeit des Jugendstils.

Die Zusammenschau von über 60 ausgewählten Objekten umfasst nationale und internationale Positionen des zeitgenössischen Kunsthandwerks und Designs aus Deutschland, Europa sowie aus Japan und den USA. In einem großzügigen Parcours taucht der Besucher in ausgewählte Themenbereiche ein: von klassischen Schwarzwald-Ikonen wie dem Bollenhut und der Kuckucks­uhr über traditionelle Handwerkstechniken, dem Thema Tracht und Wald bis hin zur Schwarzwälder Kirschtorte als vermutlich "süßestes" Souvenir aus dem Schwarzwald.

#Waldschwarzschön – Black Forest remixed!" Beitrag der "Heimattage Baden-Württemberg"

Mit der Ausstellung "#Waldschwarzschön – Black Forest remixed!" leistet das Badische Landesmuseum einen Beitrag im Rahmen der "Heimattage Baden-Württemberg" 2017 in Karlsruhe. Und an Karlsruhe als "Heimat des Fahrraderfinders" erinnert auch ein Fahrrad in der Ausstellung. Gezeigt wird - passend zum Thema Wald - ein Exemplar mit Holzrahmen, in anspruchsvollem Verfahren gefertigt in einer kleinen Manufaktur in Schramberg. Die besondere Ästhetik dieses hochmodernen Fahrgeräts macht es zu einem wahrhaft würdigen Nachfolger der berühmten, vor 200 Jahren ebenfalls aus Holz gefertigten "Draisine".
 
Das augenzwinkernde Zwiegespräch von Altbekanntem und Neuem belegt die hohe Attraktivität des gestaltenden Handwerks. Denn Handgefertigtes bereichert unsere heutige hochtechnisierte Lebenswelt um eine sinnliche Facette und liegt gerade deswegen stark im Trend. Ab 14. April können die Besucher unter dem Hashtag #Waldschwarzschön selbst daran teilhaben.

Termin: 14. April 2017 bis 7. Januar 2018, Museum beim Markt

"Zweck fremd?! Den Dingen auf der Spur"

Zweck fremd?! Den Dingen auf der Spur
Impression: Armbrustwinde, um 1570 © Badisches Landesmuseum, Bild: Schoenen

Was ist denn das? Eine Schere ohne Schneide, ein metallenes Gerät zum Kurbeln, eine klackernde Holzkugel ... – ästhetisch sind sie, die Exponate der Ausstellung "Zweck fremd?!" und bisweilen wirken einzelne Elemente vertraut. Aber welche Funktion haben sie? Das ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

Volontäre kuratieren eine eigene Ausstellung

Schon zum zweiten Mal - nach "OMG! Objekte mit Geschichte" (2015/2016) - kuratieren die Volontäre des Badischen Landemuseums eine eigene Ausstellung. Beim Durchstöbern der Museumsdepots haben sie allerhand Merkwürdiges gefunden: Dinge, deren Zweck uns heute fremd ist oder deren Erscheinungsbild sich derart gewandelt hat, dass wir uns nicht mehr an sie erinnern.

Völlig fremd erscheint uns deshalb eine große hölzerne Apparatur mit mehreren Löchern. Wer hätte gedacht, dass sie ein massiver und aufwändiger Vorläufer unserer heutigen Mausefalle ist, die das Nagetier auf grausame Weise ertrinken lässt?

Der Besucher darf Detektivarbeit leisten

So darf der Besucher vom 30. September 2017 bis zum 5. August 2018 in der Ausstellung Detektivarbeit leisten. Als Forscher und Entdecker beschäf­tigt er sich intensiv mit dem Exponat, setzt sich mit Form, Farbe, Material und Größe auseinander.

Die Ausstellung bietet viel Raum für Gespräche: was den Enkel bereits ins Grübeln bringt, ist der Großmutter noch vertraut - und der ein oder andere Lösungsvorschlag sorgt sicher für allgemeine Heiter­keit. Wenn nach dem Rätseln dann der dazugehörige Text am "zweck fremden" Objekt enthüllt wird, erzählt jedes Exponat nicht nur seine eigene Geschichte, sondern verrät auch etwas über seinen Kontext und die dama­lige Gesellschaft.

Wegeleitsystem führt den Interessierten von Station zu Station

Die rund 30 Exponate, von denen die meisten erstmalig ausgestellt werden, verteilen sich chronologisch auf die Sammlungsausstellungen im Karlsruher Schloss. Ein Wegeleitsystem führt den Interessierten von Station zu Station. Somit bietet sich auch die Gelegenheit, die Exponate der Dauerausstellung neu zu entdecken und kulturgeschichtliche Bezüge herzustellen.

Zum Schluss der Präsentation wagen die Volontärinnen und Volontäre des Badischen Landesmuseums einen Blick in die Zukunft: Von welchen Dingen wird schon bald der "Zweck fremd" sein? - Als heiße Anwärter gelten Rechen­schieber, Walkman oder Wäschestampfer.

Termin: 30. September 2017 bis 5. August 2018, Schloss Karlsruhe

"Die Etrusker - Weltkultur im antiken Italien"

Karlsruher Schloss
(Symbolbild) Bild: Paul Needham

Im Schatten des antiken Griechenlands und Roms erscheinen die Etrusker heute als unbekannte, sogar rätselhafte Zivilisation. Tatsächlich prägten sie als eine der frühesten Hochkulturen Italiens das Land - vor allem die heutige Toskana - über ein Jahrtausend, vom 10. bis 1. Jh. v. Chr. Ein Porträt der vielfältigen Lebenswelt der Etrusker, welche mit anderen Zivilisationen der Antike in intensivem "internationalem" Kulturaustausch standen, zeichnet die archäologische Sonderausstellung "Die Etrusker – Weltkultur im antiken Italien" (16. Dezember 2017 – 17. Juni 2018). Das Projekt entsteht in Kooperation mit dem italienischen Kulturministerium sowie den Denkmalbehörden und Museen der Toskana, Latiums, Umbriens, der Emilia-Romagna und Kampaniens, insbesondere den Nationalmuseen in Rom und Florenz.

Etrusker lebten in zahlreichen autonomen Stadtstaaten

Ins Licht der Geschichte traten die Etrusker im 7. Jh. v. Chr. unter der Herr­schaft mächtiger Fürsten. Auskunft über das luxuriöse Leben dieser Aristo­kraten, ihren Reichtum und ihr Repräsentationsbedürfnis geben ihre monumen­talen Hügelgräber und die prachtvollen Grabbeigaben, welche sie ins Jenseits begleiteten: Waffen und Paraderüstungen, edler Schmuck, kostbare Metall- und bemalte Keramikgefäße - vor allem Weingeschirr für feierliche Bankette. Diese waren Ausdruck des gesellschaftlichen Status und der politischen Macht der fürstlichen Elite und Mittelpunkte etrus­kischen Lebens.

Im folgenden Jahrhundert entstand das für Etrurien typische Städtewesen. Die Etrusker lebten in zahlreichen autonomen Stadtstaaten. Die blühenden Metropolen zeichneten sich durch komfortable Wohnhäuser und eine fort­geschrittene Infrastruktur aus. Ihre Einwohnerschaft aus Aristokraten und Beamten, Handwerkern, Händlern und Kaufleuten profitierte von einer ho­hen Lebensqualität.

Etruskische Bildkunst offenbart Liebe zur Schönheit

Mit buntem Reliefdekor geschmückte städtische Tempel und mit Weihgeschenken für die Götter angefüllte Heiligtümer künden von der tiefen Religiosität der Etrusker. Um den Willen ihrer Götter zu erfahren, nutzten sie auch sehr spezielle Methoden, wie etwa die Blitzdeutung oder die Eingeweideschau, bei der sie die Organe geopferter Tiere untersuchten.

Die etruskische Bildkunst offenbart die Liebe zur Schönheit und fasziniert noch heute mit eleganter Linie und expressiver Farbigkeit. Oft dargestellt sind Festlichkeiten, bei denen Männer und - für die Antike ungewöhnlich - Frauen gemeinsam feiern, umringt von Dienern, Musikern und Tänzern. Griechen und Römer warfen den Etruskern vor, verwöhnte Genussmen­schen zu sein: "Sie lassen sich zweimal des Tages üppige Tafeln bereiten und alles übrige, was zu übertriebener Schwelgerei gehört (…)", heißt es bei Diodor.

Etrusker lebten jahrhundertelang transkulturelle Weltkultur

Ihren Wohlstand verdankten die Etrusker ihren "internationalen", weit verzweigten Handelsbeziehungen mit Griechen, Kelten, Phöniziern und Karthagern, gelegentlich auch Ägyptern. Sie handelten insbesondere mit metallischen Rohstoffen und Produkten sowie mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Aus der Ferne kamen Importwaren, und mit Ihnen Migranten mit neuen Ideen und Knowhow, zum Beispiel das griechische Alphabet, in dem ihre einzigartige, bis heute nur unvollständig entschlüsselte Sprache schriftlich festgehalten ist.

Inspiriert von den fremden Einflüssen formierte sich die etruskische Kultur und Identität im Schnittpunkt zahlreicher Kulturen des Mittelmeerraums als internationales Phänomen. In diesem Sinne lebten die Etrusker, deren Stadtstaaten Ende des 2. Jh. v. Chr. vom römischen Staat absorbiert wurden, jahrhundertelang multi-, sogar transkulturelle Weltkultur. Mit dieser Mentalität können sie bis zum heutigen Tag beispielhaft in unsere gesamteuropäische Gegenwart hineinwirken.

Exponate, die zum Teil erstmals in Deutschland gezeigt werden

In der großen Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg "trifft der Besucher auf hochkarätige Exponate", die zum Teil erstmals in Deutschland gezeigt werden. Atmosphärisch-didaktische Inszenierungen aus Rekonstruktionen, Modellen und interaktiven digitalen Elementen veranschaulichen das Panorama einer tausendjährigen Kulturgeschichte der Etrusker.

Termin: 16. Dezember 2017 bis 17. Juni 2018, Schloss Karlsruhe

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Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Das Badische Landesmuseum Karlsruhe ist das große kulturhistorische Museum in Baden-Württemberg. Informationen zu Öffnungszeiten und Ausstellungen des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe sind übersichtlich in unserer Übersichtsseite zusammengestellt.. Natürlich finden Sie hier auch viele Artikel mit Bezug zu unserem Karlsruher Museum im Schloß.
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