Wohnungssuche
Der Immobilienmarkt ist auch für Vereine, Künstler und Kulturschaffende eng
Bild: Matthias Balk/Illustration
Karlsruher Kultur braucht Platz: Wohin mit Ateliers, Proberäumen und Co.?
Karlsruhe
30.04.2017 07:00
Wohin mit der Kultur, mit den Vereinen, mit der Kunst? Diese Frage stellt sich auf dem hart umkämpften Karlsruher Immobilienmarkt immer wieder. Proberäume und Ateliers sind in der Fächerstadt Mangelware. Nun beschäftigen sich auch die Stadtverwaltung sowie Ortschafts- und Gemeinderäte mit diesem Thema.

Leerstände in Gewerbeimmobilien sind Karlsruhe keine Seltenheit. Gleichzeitig werden jedoch dringend Proberäume, Vereinstreffpunkte oder Ateliers gesucht. Ein Problem stellen Bebauungspläne dar, in denen die Nutzung eines Geländes vorgeschrieben wird. Zudem sind die Mieten häufig für Vereine, Bands und Künstler zu hoch. 

Unlängst hatte die SPD in Durlacher Ortschaftsrat die Nutzung leerstehender Gewerbeimmobilien durch Vereine angeregt und die Stadtverwaltung um Hilfe bei der Vermittlung gebeten. Und auch im Gemeinderat am Dienstag stand das Thema in einem Antrag der Kult-Fraktion auf der Tagesordnung: Die Stadt Karlsruhe solle nach einer Möglichkeit suchen, kulturelle Nutzungen in Industrie- und Gewerbegebieten grundsätzlich zu ermöglichen, so die Forderung der Stadträte. Es soll geprüft werden, "ob Regelungen in Bebauungsplänen oder Baunutzungsverordnungen entsprechend angepasst werden können", heißt es im Antrag. 

Generell sind Gewerberäume nutzbar

Grundsätzlich sind kulturelle Nutzungen in Gewerbe- oder Industriegebieten nur in Ausnahmefällen zulässig, dies legt die Baunutzungsverordnung so fest. Demnach ist die kulturelle Nutzung als Ausnahme in Gewerbe- und Industriegebieten vorgesehen und wird als Vorhaben genehmigt, wenn im konkreten Einzelfall davon keine Beeinträchtigungen ausgehen.

Allerdings, und das ist nach Auskunft der Stadtverwaltung auch in Durlach das Problem, seien leerstehende Gewerbeimmobilien oft für Vereine und Kulturschaffende kaum erschwinglich. Geschuldet ist dies den hohen Mieten in der Stadt. Eine Immobiliendatenbank, betrieben von der Wirtschaftsförderung, ist zudem derzeit lediglich auf Praxis- und Büroräume ausgelegt, so dass sie für Vereine und Kulturschaffende wenig Nutzen bringt.

Raummangel wird Thema im Kulturkonzept der Stadt

Der Stadt ist der Bedarf an Räumlichkeiten durchaus bewusst - und auch, dass er in den seltensten Fällen angemessen gedeckt werden kann. Im Kulturkonzept 2025der Stadt Karlsruhe ist dieser Thematik daher ein eigenes Handlungsfeld gewidmet. Aktuelle Beispiele, wie die Suche des Bandprojekts nach Proberäumen für Musikbands, die Suche des Jazzclubs nach einer dauerhaften Spielstätte oder die Suche des Jugendorchesters Karlsruhe nach geeigneten Proberäumen zeigen, dass kulturellen Nutzungen unter anderem zunehmend bauplanungsrechtliche, bauordnungsrechtliche oder brandschutzrechtliche Anforderungen entgegenstehen.

Aber: Immerhin bei der Neustrukturierung von bestehenden Gewerbegebieten bezieht die Stadt mittlerweile alle Belange in die Planung ein. Dazu zählt auch die Prüfung, inwieweit kulturelle Einrichtungen die planerische Konzeption ergänzen. Eine Zulässigkeit von kulturellen Nutzungen in Gewerbe- und Industriegebieten ermöglicht dann ausnahmsweise, diese immer dort punktuell zuzulassen, wo sie gebietsverträglich sind.

Da die Stadt Karlsruhe aber lediglich noch über 25 Hektar städtische gewerbliche Bauflächen verfügt, wird man langfristig auch auf Kooperationen mit privaten Eigentümern eingehen müssen. Die temporäre Zwischenvermietung von Leerflächen habe sich nur wenig bewährt, so die Stadt. Nicht viele Eigentümer hätten sich auf Zwischenmieter aus der Kulturbranche eingelassen, selbst wenn die Stadt dabei als Vermittler aufgetreten sei. Allerdings bietet das Onlineportal für die Kultur- und Kreativwirtschaft des K³-Büros mittlerweile eine digitale Raumbörse für die Kultur- und Kreativbranche der Stadt.

6 Kommentare

Hinweis: Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren. Bitte beachten Sie die Kommentarregeln.
Betreff/Titel


Ihr Kommentar

Noch Zeichen

Loggen Sie sich ein, um einen Kommentar zu schreiben!

Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie sich mit "Registrieren" ein kostenloses Benutzerkonto anlegen.