Polizeiaufgebot im Stadion
(Symbolbild)
Bild: marvinguengoer.de
Nacktkontrollen bei KSC-Fans? Das sagen Polizei und Sandhausen
Karlsruhe/Sandhausen
26.04.2017 07:30
Die vergangene Begegnung des Karlsruher SC mit dem SV Sandhausen (SVS) endete für die Karlsruher mit einer 0:4-Schlappe. Bereits im Vorfeld des Spiels hatte es allerdings Ärger gegeben. Die Supporters Karlsruhe berichten von erniedrigenden Ganzkörperkontrollen.

Wenige Tage nach dem Spiel des KSC in Sandhausen erheben die Supporters Karlsruhe, der offiziell anerkannte Dachverband der KSC-Fans, schwere Vorwürfe gegen den Gastgeber. "Beim Auswärtsspiel des KSC am vergangenen Sonntag in Sandhausen wurden aus unserer Sicht im Rahmen der Einlasskontrollen deutliche Grenzen überschritten", kritisiert der Vorstand in einer Mitteilung an die Presse. Was war geschehen? 

"Konstruiertes Horror-Szenario"

Nach Angaben der Supporters wurden "willkürlich" einzelne Personen nach der normalen Einlasskontrolle herausgezogen und in aufgebauten Zelten Nackt- und Ganzkörperkontrollen unterzogen. Dabei hätten sich die Betroffenen voreinander entkleiden müssen. "In Einzelfällen liegen uns Beschwerden vor, bei denen sich die Kontrolle bis in den Intimbereich bewegte", so der Vorwurf der Supporters. Diese Art der Kontrolle sei nicht akzeptabel und stelle einen rechtswidrigen, massiven Eingriff in die persönlichen Grundrechte dar. 

Ähnlich äußert sich auch der Zusammenschluss der vier Ultragruppierungen in Karlsruhe, Ultra 1894. Hier spricht man auf der Webseite in einem Bericht zum Spiel von einer "menschenunwürdigen Kontrolle, die der Unschuldsvermutung widerspricht". Dass die Begegnung zum Hochrisikospiel deklariert wurde, ist nach Ansicht der KSC-Ultras ein "konstruiertes Horror-Szenario". 

Beide Karlsruher Gruppierungen verurteilen zudem, dass bereits im Vorfeld ein Verbot von vielen Fanutensilien, wie Fahnen und Bannern, ausgesprochen wurde. "Selbst Kleinkindern wurde die Mitnahme von KSC-Fahnen vor Ort untersagt", so die Supporters in ihrer Mitteilung. Wie Ultra1894 beschreibt, habe man die Konsequenz aus den Maßnahmen gezogen und sich "schweren Herzens" entschlossen, "das Spiel unseres KSC nicht zu besuchen".

Polizei weist Fan-Vorwürfe zurück

Das bestätigt auch Michael Klump, Sprecher der zuständigen Mannheimer Polizei im Gespräch mit ka-news. So hätte sich bereits vor Spielbeginn ein Teil der Fans wieder auf den Heimweg gemacht, nachdem sie eine Ganzkörperkontrolle verweigert hätten. Einige KSC-Anhänger seien auch wieder aus dem Stadion gekommen und hätten sich den Heimreisenden angeschlossen. Ein anderer Teil der Fans habe sich aber kontrollieren lassen und dann anschließend das Spiel besucht, schildert der Pressesprecher die Situation.

Die Maßnahmen hält Klump für gerechtfertigt. Vor allem in Anbetracht der Vorkommnisse in Stuttgart hätten sich die Fans nicht wundern müssen, dass solche Maßnahmen getroffen werden, so der Polizeisprecher. Beschlossen wurde diese im Rahmen eines Sicherheitsgesprächs vor dem Spieltag.

"Die Kontrollen waren der aktuellen Situation geschuldet"

Ähnlich äußert sich auch der SV Sandhausen, der als Hausherr für die Durchführung der Kontrollen zuständig war. "Die Kontrollen waren der aktuellen Situation geschuldet - auch aufgrund der Auftritte der KSC-Anhänger in Stuttgart und Aue", teilt der Verein auf Anfrage von ka-news mit. 

Die Maßnahmen wurden aber auch wegen des letzten Spiels des KSC in Sandhausen getroffen. Damals wurden nach Aussage des SVS Zäune demoliert, mit leeren und mit Urin gefüllten Bechern geworfen sowie auf die Trainerbank uriniert.

Gleichzeitig betont der SVS, dass die Maßnahmen keineswegs überraschend gekommen seien: "Alle Beteiligten wussten Bescheid. Das haben wir genauso kommuniziert, wie den Schienenersatzverkehr bei der Anreise auch." Die Kontrollen seien vorab bei einem Sicherheitsgespräch festgelegt worden, an dem auch der Fanbeauftragte des KSC und der Leiter des Ordnungsdienstes des KSC teilgenommen hätten.

Mit dem Ergebnis der Kontrollen ist man in Sandhausen zufrieden: "Dabei ist zu berücksichtigen, dass es am Abend vor dem Spiel den Versuch gab, pyrotechnische Gegenstände im Gästebereich des BWT-Stadions zu deponieren. Durch die Nachtwache des Sicherheitsdienstes konnte dies verhindert werden", berichtet der Verein.

Aktualisierung, Donnerstag 10.25 Uhr:

In einer Stellungnahme hat sich nun auch der KSC zu den Kontrollen beim Spiel gegen Sandhausen geäußert. Wie der KSC auf seiner Homepage mitteilt, war man vonseiten des SV Sandhausen über verschiedene geplante Maßnahmen informiert worden. Der SV Sandhausen als Veranstalter habe zuvor nach Rücksprache mit den Sicherheitsbehörden entschieden, die Partie am vergangenen Sonntag als Spiel mit erhöhtem Risiko einzustufen.

"Nach nochmaligem Kontakt mit dem SV Sandhausen am Freitag, 21. April, wurde das Verbot des Mitführens von Fanutensilien reduziert", heißt es weiter. Der KSC hatte sich nach eigener Aussage außerdem bereit erklärt, vor Ort zehn eigene Ordner zu stellen.

Der KSC betont in seiner Stellungnahme, dass der SVS als Veranstalter und Inhaber des Hausrechts Entscheidungen über sein Stadion selbstständig treffe. "Dass für die Ganzkörperkontrollen Zelte aufgestellt werden und Nacktkontrollen beabsichtigt waren und auch durchgeführt wurden, wusste der KSC im Vorfeld nicht", beteuert der Verein. "Bevor diese Form der Kontrolle Gegenstand des Sicherheitsgesprächs in Sandhausen am Donnerstag mussten die KSC-Vertreter den Sitzungsraum verlassen."

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