Pressekonferenz nach dem Spitzengespräch
Im Anschluss an das Spitzengespräch zwischen OB und KSC-Präsidium stellten Oberbürgermeister Frank Mentrup und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther die Ergebnisse vor.
Bild: (mm)
Wildpark-Streit beendet? KSC und Stadt wollen Neubau an alter Stelle
Karlsruhe
09.10.2013 21:15
Umbau, Neubau, welcher Standort? Fragen, die Karlsruhe und den Karlsruher SC nun schon seit über einem Jahrzehnt beschäftigen. Längst ist das Thema ein politischer Streitpunkt. Nach dem relativ eindeutigen Votum für den Standort Wildpark aus dem Gemeinderat im September, setzten sich am Mittwoch Stadt und Verein zusammen, um über Optionen und Lösungswege zu sprechen. Am Mittwochabend präsentierten Oberbürgermeister Frank Mentrup und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther die Ergebnisse: Es gibt eine Einigung.

Es war ein paralleles Szenario: Während die CDU mit SPD und den Grünen Sondierungsgespräche über mögliche Koalitionen führt, sitzen zwei ehemalige Kontrahenten um den Oberbürgermeisterposten in Karlsruhe an einem Tisch und beraten über die Zukunft des Wildparks. Stadt und KSC mussten zusammenfinden, sonst würde die Stadionfrage noch mindestens ein weiteres Jahrzehnt andauern. Und sie haben schließlich zusammengefunden.

"Differenzen wurden ausgeräumt"

"Nach zwei Stunden freundschaftlicher und konstruktiver Gespräche sind wir gemeinsam zu der Überzeugung gekommen die Option eines Neubaus im Wildpark weiter zu konkretisieren und in die Planungen einzusteigen", fasste Oberbürgermeister Frank Mentrup die Ergebnisse zusammen. Er betonte, dass frühere Differenzen ausgeräumt wurden und KSC und Stadt nun gemeinsam diverse Aufgaben angehen. Trotz dieser Einigung sei aber zu bedenken, dass die endgültige Entscheidung dem Gemeinderat obliegt. Einen Neubau versprechen könne er noch nicht.

Auch KSC-Präsident Ingo Wellenreuther freute sich über das Ergebnis der Gespräche. Er kam aber nicht umhin noch einmal darauf zu verweisen, dass ein Standort in Autobahnnähe dem KSC trotz allem lieber gewesen wäre. "Aber wir werden die Lösung im Wildpark voranbringen", bestätigte er die Einigung mit der Stadt. 

Sanierung und Multifunktionsstadion ausgeschlossen

Eine Sanierung, wie sie auch öfter angesprochen wurde, befürworten weder Wellenreuther noch Mentrup. Auch den Erhalt der Haupttribüne und einen damit verbundenen Teilneubau hielt Mentrup nicht für sinnvoll: "Die Haupttribüne ist nicht geeignet in einen Neubau integriert zu werden. Es gibt bauliche Mängel, wirtschaftlich ist keine Gestaltung möglich." Dennoch werde auch eine mögliche neue Haupttribüne an genau dieser Stelle plaziert, weil die Fernsehkameras nur von hier Aufnahmen machen könnten.

Ebenfalls endgültig vom Tisch scheint das Multifunktionsstadion. Gemäß eines Gutachtens bestehe in der Region kein Bedarf für ein weiteres Multifunktionsstadion. "Da waren andere Großstädte schneller", bedauerte Mentrup. Wellenreuther ergänzte: "Sicherlich werden wir die Räume auch für Veranstaltungen nutzen. Dabei handelt es sich aber eher um Buisnessveranstaltungen, weniger um Freiluftkonzerte." Diese seien schon aufgrund des Schutzgebietes nur schwer durchzusetzen.

"Hausaufgaben" für beide Seiten

Aus dem Gespräch gehen beide Seiten mit "Hausaufgaben" heraus. Die Stadt müsse als Hauptverantwortlicher Lösungen erarbeiten, wie der Wegfall von zwei Trainingsplätzen, der in aktuellen Konzeptionen vorgesehen ist, kompensiert werden könnte. Fest stehe, dass neue Trainingsmöglichkeiten nur in unmittelbarer Nähe geschaffen werden dürften, um vor allem auch die Jugendarbeit nicht zu beeinträchtigen. Zudem müsse ein Verkehrskonzept unter Berücksichtigung der Parkplatzsituation erarbeitet werden. "Schon in den letzten drei Spielen sind Zählungen vorgenommen worden. Diese werden auch fortgesetzt und Grundlage für die weiteren Überlegungen sein", erklärte Mentrup. 

Dritte Aufgabe der Stadt sei das Sicherheitskonzept. "Wir brauchen ein gutes und schlüssiges Konzept, das uns nicht jedes Jahr aufs Neue vor Nachbesserungen stellt", so Mentrup weiter. Die wichtigste Aufgabe sei nun jedoch den Gemeinderatsbeschluss zu bekommen, der erst der Startschuss für weitere Planungsarbeiten sein kann. OB Mentrup bekräftigte, dass er sich für diesen Beschluss einsetzen werde. Auch könne man sicherlich frühere Planungen berücksichtigen. "Abgesehen davon ist Karlsruhe nicht die erste deutsche Stadt, die einen Neubau bei laufendem Spielbetrieb anstrebt. Wir können von den Erfahrungen der anderen profitieren und versuchen ihre Fehler zu vermeiden", sagte er.

Auch der KSC muss Hausaufgaben erledigen: Einerseits müsse man nun der Stadt gegenüber zusammenfassen, was die funktionalen Grundbedingungen eines Stadions sein sollten. Andererseits bedeute ein Neubau, wie er von beiden Seiten angestrebt wird, erhebliche Einnahmeneinbußen im laufenden Spielbetrieb. "Hier muss bewertet werden, wie das funktionieren und ablaufen kann", mahnte Wellenreuhter. "Denn es bringt der Stadt nichts, wenn wir ein neues Stadion haben, aber der Verein insolvent ist." Außerdem müsse man über die wirtschaftlichen Dimensionen sowie die Miete sprechen. Aktuell habe der Gemeinderat den Mietbetrag halbiert, sodass unter dem Strich 150.000 Euro zu zahlen sind. In einem neuen Stadion würde das sicherlich anders aussehen.

"Grundsätzliches Okay" aus dem Gemeinderat nötig

In finanziellen Fragen kann der Oberbürgermeister vorerst nur Schätzungen geben, da die detaillierten Planungen noch ausstehen. Insgesamt sei jedoch mit Infrastrukturmaßnahmen von 42 bis 47 Millionen Euro sowie von Neubaukosten zwischen 60 und 70 Millionen Euro zu rechnen. Hierzu sei natürlich aus dem Gemeinderat ein "grundsätzliches Okay" nötig. Bauträger wäre dann vermutlich nicht die Stadt selbst, sondern eine neu gegründete Gesellschaft.

Zeitlich wird es selbstverständlich noch eine Weile dauern, bis die Bagger sich auch im Wildpark einnisten. Man könne von einer Vorbereitungsphase von drei bis vier Jahren ausgehen, schätzte Mentrup. "Die Bauzeit selbst wäre natürlich wesentlich kürzer." Doch die verpflichtenden europaweiten Ausschreibungen für Planung und Bau nähmen eben Zeit in Anspruch. "Trotzdem soll nicht bis dahin Stillstand herrschen, man kann schon jetzt Verbesserungen vornehmen", betonte der OB. Beispielsweise könne man bereits in Sachen Infrastruktur und Sicherheit - vor allem im Punkt Beleuchtung der Zugangswege - einiges in Angriff nehmen.

Im Gemeinderat Ende September wurde der Standort Wildpark nach monatelangen Diskussionen scheinbar endgültig bestätigt. Schon von Beginn an setzte sich OB Mentrup für den "atmosphärischen" Ort ein, während KSC-Präsident Wellenreuther weiterhin für einen Neubau in Autobahnnähe plädierte. Nach der Feststellung des Ortes ging es nun um die Frage, ob Sanierung oder Neubau sowie die Finanzsituation des Vereins. Diese Punkte scheinen nun für beide Seiten geklärt zu sein. Der Weg für weitere Schritte ist damit vorerst geebnet.

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