Reiner Calmund in Karlsruhe Reiner Calmund in Karlsruhe
Reiner Calmund hält seinen Vortrag "Kompetenz und Leidenschaft" im Lichthof des Karlsruher BGV-Gebäudes.
Bild: (fst)
Reiner Calmund in Karlsruhe: "KSC-Stadion ist stark renovierungsbedürftig"
Karlsruhe
19.09.2013 17:07
"Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg" - das predigt Reiner Calmund schon seit vielen Jahren, überall im deutschsprachigen Raum. Sein Publikum reicht bis in die hohen Wirtschaftskreise. Am Mittwochabend, 18. September, war jetzt auch Karlsruhe dran. Hier sprach "Calli" vor rund 200 Wirtschaftsjunioren im Lichthof des Hauptsitzes der Badischen Versicherungen (BGV). Natürlich hat der ehemalige Fußballmanager auch ein paar warme Worte über den Karlsruher SC verloren.

"Wat heißt eigentlich dat 'G' in BGV?", fragt Calmund ganz ungeniert beim Interview mit seinem Gastgeber. Die ehemalige Managerlegende und selbst ernannte "Mediensau" hat da keinerlei Berührungsängste.

Ansonsten weiß das rheinische Original aber durchaus Bescheid über Baden und Karlsruhe: Er schätze hier das gute Essen, leckere Weine und erinnert sich gerne zurück an die "Fußballschlachten" mit dem KSC. "In der dritten Halbzeit haben wir uns dann aber immer bestens verstanden", so Calmund.

Doppelaufstieg? "Da haben welche gegen eine Bombe geköpft!"

Er sei froh, dass es der Karlsruher SC aus der 3. Liga wieder hoch geschafft habe. "Ich war beim entscheidenden Spiel gegen Rostock im Wildparkstadion dabei. Das war schon Profi-Stimmung". Die Vorstellung der KSC-Mannschaft zu Beginn der neuen Saison sei ganz ordentlich, aus den letzten Spielen hätte man natürlich auch vier Punkte mehr holen können. "Aber wenn man nach den ersten Erfolgen schon einige vom Doppelaufstieg reden hört - da glaubst du, die haben gegen eine Bombe geköpft!" Man solle jetzt erst einmal Schritt für Schritt weitermachen. "Ich sage mal so: nach oben und unten ist alles möglich."

Auf die Diskussion um das Wildparkstadion angesprochen meint Calmund, nach außen wirke es etwas irritierend, aber er sei da auch nicht auf dem neuesten Stand. "Ich war im letzten halben Jahr zweimal dort und denke, das Stadion ist schon stark renovierungsbedürftig - das ist wichtig für die Absicherung des Budgets. Den Sponsoren muss man auch einen Rahmen bieten können, wie etwa einen VIP-Bereich."

"Fußball ist auch Kultur"

Es gebe natürlich negative Beispiele wie Alemannia Aachen. "Auch als KSC kannst du keine fünf, sechs Millionen Euro Miete zahlen, sonst gehst du pleite", sagt der Fußballguru. Er sieht die Stadt bei der Unterstützung des Stadionumbaus ähnlich in der Pflicht wie etwa bei Theatern: "Fußball ist doch auch Kultur. Und es ist etwas für Menschen aus allen Schichten. Sport ist Kultur, das ist mittlerweile erwiesen." Ferner sei Fußball auch eine Erziehungsmaßnahme, die nachweislich helfe, Kriminalität zu senken.

In zwei Wochen, wenn der 1. FC Köln zu Gast ist, kommt er wahrscheinlich wieder in den Wildpark. Calmund ein FC-Fan?, wundert sich einer der Journalisten. "Ach wissen Sie, ich gönne das den Kölnern, dass sie erste Liga spielen. So eine Rivalität hält die Sinne scharf. Außerdem ist der FC in meinem nächsten Verwandtschaftskreis vertreten. Ich habe eine Tochter, die ist Köln-Fan, die andere für Leverkusen. Das ist doch schön."

"Ich werde auf keine Kommandobrücke der Bundesliga mehr gehen"

Er lobt auch die Badischen Versicherungen dafür, dass sie sowohl KSC als auch den FC Freiburg sponsern: "Ich finde es gut, wenn man nicht nur am Größten klebt wie eine Schmeißfliege." Will er noch einmal selbst im Fußballgeschäft mitmischen? "Ich werde auf keine Kommandobrücke der Bundesliga mehr gehen", so Calmund deutlich. "Ich schaue gerne zu und freue mich immer, wenn Leverkusen oder Deutschland gewinnt, aber ansonsten lasse ich jetzt die Finger davon." Insgesamt hätten er und seine Frau sich geschworen, das Leben etwas zu entschleunigen. Calmund wird dieses Jahr 65.

Dass ein Großteil seines Lebens vom Fußball geprägt ist, merkt man auch dann noch, wenn Calmund eigentlich nicht über Fußball spricht. Für ihn gebe es nicht so viele Unterschiede zwischen Sport und Wirtschaft. Bei beidem zähle "Kompetenz und Leidenschaft". Dieses Credo versucht er auch den rund 200 Karlsruher Wirschaftsjunioren - Führungskräfte und Unternehmer unter 40 Jahren - sowie ihren Begleitern im Saal zu vermitteln. Aufmerksam und amüsiert hören sie Calmund zu wie er Anekdote an Anekdote reiht, flotte Sprüche klopft und seine eigene Körperfülle durch den Kakao zieht. Dabei watschelt er gestikulierend auf und ab, redet locker, emotional und stes mit rheinischem Akzent - typisch Calli eben.

"Ohne Leidenschaft ist man nur eine intelligente Schlaftablette"

"Kompetenz ist 'ne einfache Nummer", sagt er und meint damit Bildung, Know-How, Erfahrung. "Wenn ich die meisten hier so sitzen sehe, dann nehme ich an, Sie gehören dazu. Aber Sie bewegen gar nichts, wenn keine Leidenschaft dabei ist", fährt er fort. Ohne Leidenschaft sei man nur eine "kompetente, intelligente Schlaftablette." "Es kommt nicht darauf an, was du kannst, sondern darauf, was du tust." Zur Leidenschaft gehört für Calmund zuerst die Identifikation - egal, ob mit einem Beruf, einem Team oder Produkt. Dann komme Teamgeist, Motivation, Begeisterung und Einsatzbereitschaft.

Man müsse auch mal in den "Dreck beißen" können. Dafür findet Calmund genügend Beispiele in seiner eigenen Karriere. Wichtig sei, dass man danach wieder aufstehe, immer weiter mache. "Da musst du beißen, kratzen, marschieren." Fußballstars wie Messi, Ronaldo, Kahn oder Götze würden das tun, obwohl sie es finanziell gar nicht nötig hätten. "Schuhmacher könnte einen Rennstall leiten, aber was macht er? Der setzt sich nochmal in die Kiste!." "Positiv bekloppt" nennt Calmund solche Leute und lässt bei seinem Auftritt im BGV-Lichthof keinen Zweifel daran: Auch er ist einer dieser positiv Bekloppten.

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Reiner "Calli" Calmund in Karlsruhe

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