Wildparkstadion
Bild: marvinguengoer.de
(KSC)-"Stadion findet Stadt"? Studentin analysiert Wildpark-Debatte
Karlsruhe
16.09.2013 02:41
Zum Thema Stadion in Karlsruhe hat so ziemlich jeder etwas zu sagen: Allen voran natürlich die Stadt Karlsruhe und der Karlsruher SC selbst, aber auch die Bürger, die Fans und jüngst sogar DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. ka-news fragte nun bei Studentin Katja Köder aus Stuttgart nach, die in ihrer Diplomarbeit das Thema "Stadion" aufgreift und auch einen Blick auf die Karlsruher Stadiondebatte geworfen hat.

"Stadion findet Stadt?" lautet der Titel ihrer Arbeit, mit dem Untertitel: "Von einer isolierten Fachplanung zum städtisch integrierten Stadion". Katja Köder, Studentin für Architektur und Stadtplanung an der Universität in Stuttgart, setzt sich zur Zeit wissenschaftlich mit dem Thema Stadion auseinander.

"Es wird bald eine Entscheidung geben"

"Es gibt bereits gute Ansätze in Sachen Stadion in Karlsruhe, aber die Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt und Verein haben wohl immer wieder für Verzögerungen gesorgt", beurteilt Köder den bisherigen Verlauf des Konflikts, der nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt brodelt. Trotzdem ist sie sich sicher, dass bald eine Entscheidung getroffen werde, immerhin stünden die Gelder des Landes nur noch bis Ende des Jahres zur Verfügung. Dabei darf das Geld allerdings nur für einen Umbau des bestehenden Wildparkstadions genutzt werden. "Mit einem Umbau käme die Stadt dem Verein sogar entgegen, weil der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden könnte", so Köder.

Eine Nutzungsmöglichkeit für das Areal rund um den Wildpark beispielsweise für das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sieht Köder nicht. "Das Gebiet bleibt ja weiterhin ein Schutzgebiet und bis auf die schon bebauten Flächen stünden keine anderen zur Verfügung", sagt sie. "Und das Abtragen des Stadions, um dort Universitätsgebäude zu bauen, würde sehr hohe Kosten verursachen." Zumal das Gebiet für Studenten auch nicht optimal wäre, da längere Fußwege zurückgelegt werden müssten und die Verkehrsanbindung bekanntermaßen schwach ausgebaut ist.

Die mangelnde Verkehrsanbindung zum Wildpark empfindet die Studentin nicht unbedingt als Nachteil für die Fanströme - wenn man den Weg zum Stadion richtig gestalten würde. "Ein Stadion vertritt immer auch Urbanität", gibt sie zu bedenken. "Es ist meist in den städtischen Kontext eingebaut, wenn man sich einmal international umschaut, vor allem in der Schweiz." Schweiz? Kommt von dort nicht auch die Idee Supermärkte oder Ikea in ein Stadion zu integieren? "Mein Vorzeigebeispiel ist immer noch das 'Stade de Suisse' in Bern. Es liegt mitten in der Stadt und hat auf seinem Areal auch einen Supermarkt." Das Stadion sei städtisch sehr integriert, Verkehr und Sicherheit seien bewältigbar. "Ich finde es genial, wie in der Schweiz auch andere Nutzungen eingebaut sind", lobt Köder. Für Deutschland seien solche Stadien jedoch eher unwahrscheinlich - und damit auch für Karlsruhe. Da Ikea dem Vorschlag ohnehin eine Absage erteilte, ist diese Debatte hinfällig.

Stadion in die Stadt integrieren

Wie könnte jetzt der Weg zum Stadion besser gestaltet werden? "Nach dem Schweizer Beispiel könnten auf dem Weg dorthin Cafés und Kneipen sein, kleinere Läden oder eben auch Wohnhäuser", überlegt Köder. "Vermutlich würde das den längeren Weg zumindest gefühlsmäßig verkürzen." Allerdings sei dies rund um den Wildpark eben aufgrund des Schutzgebietes nicht möglich.

Darum hat Köder sich auch mit Standortalternativen auseinander gesetzt. Zwar möchte sie sich nicht eindeutig festlegen, da ihr noch Unterlagen und Zahlen der Stadt fehlen, um ein abschließendes Fazit zu ziehen, aber einen heimlichen Favoriten hat sie dennoch: "An der Mastweide könnte man solche städtischen Verhältnisse aufbauen", erklärt sie. Allerdings sprächen Faktoren wie teurer Grundstückserwerb und komplizierte Umbaumaßnahmen an der Infrastruktur dagegen. "Wären diese Punkte nicht, wäre das jedoch ein perfekter Standort." Aber auch der Wildpark habe als historischer Standort seinen Charme, betont sie.

Generell sei der Stadionbau in Deutschland sehr gut entwickelt. "Im internationalen Vergleich sind wir Spitzenreiter im Stadionbau, weil auf sehr hohem Niveau gebaut wird", so Köder. Sogar bei den Stadien für die WM 2014 in Brasilien seien deutsche Planer mit von der Partie. Nun wird es Zeit, dass die internationel gerühmten Planer auch einen engültigen Entwurf für Karlsruhe entwickeln.

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