KSC-Präsident Ingo Wellenreuther
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther
Bild: marvinguengoer.de
KSC-Präsidium spricht "Klartext zur Stadionfrage"
Karlsruhe
17.08.2013 06:53
In der Debatte um die KSC-Stadionfrage meldet sich das KSC-Präsidium in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort. Der Standpunkt des Vereins unter dem Titel "Klartext zur Stadionfrage" folgt im Wortlaut:

"1. Der Verein ist sich seiner Verantwortung bei den gemeinsamen Überlegungen mit der Stadt Karlsruhe in der Stadionfrage bewusst. Für den KSC stehen dabei die Sicherheit seiner Fans, die Einnahmemöglichkeiten und die Funktionalität des neuen Stadions unabhängig vom Standort im Vordergrund. Sofern die oben genannten Kriterien auch mit einem Neubau im Wildpark erfüllt werden können, wird der Verein ein solches Projekt selbstverständlich unterstützen.

2. Die Vereinsführung hat kein Interesse, die Initiative der Stadt Karlsruhe für den Neubau eines Stadions durch überzogene Forderungen zu belasten. Die mögliche Folge wäre, dass kein Konsens für einen Neubau erzielt werden kann und lediglich eine Sanierung des bestehenden Stadions durchgeführt würde. Schon nach den ersten Gesprächen im Mai 2013 waren sich Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther einig, "dass die gegenwärtige Situation im Wildpark nicht länger tragbar" sei. "Nur eine standortunabhängige Komplettlösung statt eines Sanierungsstückwerks ist eine zukunftsfähige Lösung" stimmten beide überein.

Nach der Durchführung einer Bürgerinformation durch die Stadt Karlsruhe zur Frage eines neuen Stadions am 25. Juli möchten wir als KSC unsere Rolle bei der Suche nach einem Standort und der Umsetzung des Projektes verdeutlichen und unseren Standpunkt in der Stadionfrage klarstellen:

Die Stadt hat unter der Führung von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup die Initiative übernommen, um als zukünftiger Bauherr eines neuen Stadions die Standortfrage zu klären. Das begrüßen wir sehr. Der KSC soll auch zukünftig Pächter eines neu gebauten Stadions sein.

Mit dieser Rollenverteilung können wir gut leben. Wir wollen klarstellen, dass der Verein auf der einen Seite eine beratende Rolle bei der Stadionfrage einnimmt und auf der anderen Seite für uns bei der Ermittlung von zukünftigen Einnahmen aus dem Stadionbetrieb das auschlaggebend ist, was der KSC selbst ermittelt. Wir sehen uns aber auch dafür verantwortlich, die Stadt Karlsruhe bei Fragen zu unterstützen, die die Abläufe für die Nutzung des Stadions und des Trainingsgeländes betreffen.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Der KSC kann grundsätzlich mit einem neuen Stadion an jedem der drei jetzt untersuchten Standorte in die Zukunft gehen, auch im Wildpark. Entgegen aller öffentlichen Behauptungen liegt die Priorität des KSC nicht auf einem Standort an der Mastweide!

Allerdings sehen wir bei einem Neubau im Wildpark große Fragen weiterhin ungeklärt. Als Beispiele möchten wir insbesondere folgende Sachverhalte nennen: Bei einem Neubau im Wildpark sind mit ca. 3 Mio. EUR weniger Einnahmen pro Jahr im Vergleich zu einem Neubau an der Autobahn zu rechnen. Diese Einnahmeverluste ergeben sich zum einen aus erheblichen Mindereinnahmen bei der Vermarktung des Stadionnamens. Zum anderen sind die so genannten Hospitality-Einnahmen im Business-Bereich wesentlich niedriger als bei einem Stadion an der Autobahn.

Bei einem Neubau des Stadions im Wildpark bei laufendem Betrieb muss mit Einnahmeverlusten des Vereins von ca. 3 Mio. EUR jährlich durch die Behinderungen während der Bauzeit gerechnet werden. Es stellt sich die Frage, wie der KSC dies finanziell überstehen und die Lizenz weiterhin bekommen kann.

Ein Neubau im Wildpark führt aufgrund der für Bus- oder VIP-Parkplätze benötigten Flächen zum Verlust von zwei der fünf vorhandenen Trainingsplätze, wodurch das Liga- und das Jugendtraining sowie der Spielbetrieb der Amateur- und Jugendmannschaften unmöglich würden und das 3-Sterne-Nachwuchsleistungszentrum gefährdet wäre. Ungeklärt ist daher, wo dem Verein ein neues Trainingsgelände zur Verfügung gestellt werden könnte.

Bei den vorgestellten Planungen für einen Neubau im Wildpark fehlen ca. 2.000 von insgesamt 5.000 benötigten PKW-Stellplätzen. Wenn das bisherige, nicht mehr gewünschte und ökologisch unverträgliche „wilde Parken“ im Wald nach einem Neubau nicht fortgesetzt werden soll, müsste auch hierfür eine Lösung gefunden werden.

Für den Standort Wildpark hat die Polizei Ende Juli 2013 schriftlich umfangreiche und gravierende  Sicherheitsbedenken auch im Falle eines Stadionneubaus dargestellt, da dort unter anderem eine konsequente Fantrennung nicht möglich sein würde. Gerade bei den wichtigen Sicherheitsfragen dürfen zum Schutz unserer Fans und Gäste keine Abstriche gemacht werden.

Wie Sie wissen, will der KSC lieber heute als morgen in einem neuen Stadion spielen. Das wäre für den Verein ein elementarer Schritt nach vorne. Es ist eine Entscheidung, die für die Stadt und für die nächsten Jahrzehnte getroffen werden muss. Es muss auf jeden Fall etwas passieren. Wir dürfen nicht die Augen vor ungelösten Problemen verschließen, die anschließend allein auf den Verein zukämen.

Abschließend halten wir fest: Der KSC ist offen für alle drei Standorte! Natürlich begrüßen wir auch ein neues Stadion im Wildpark und unterschreiben einen Pachtvertrag, wenn die von uns genannten Probleme gelöst werden und der KSC dadurch nicht finanziell in Gefahr gerät. Dazu verpflichtet uns schon die Verantwortung für den Verein, die die Mitglieder uns als Präsidium übertragen haben."

Alle ka-news-Artikel zum Thema KSC-Stadion finden Sie hier gesammelt in unserem Dossier.

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