Franck Kom
Franck Kom
Bild: Caro Reisenauer
Teurer KSC-Zugang Franck Kom: "Ich will immer die drei Punkte!"
Karlsruhe
10.08.2016 11:53
Für Franck Kom griffen die Bosse des Karlsruher SC tief in die Kasse. Rund 800.000 Euro mussten die Badener hinlegen, um den Kameruner aus Tunesien in den Wildpark zu locken. Sowohl Sportdirektor Jens Todt wie auch Trainer Tomas Oral sind sicher, dass der defensive Mittelfeldspieler das KSC-Team stärker machen wird. Mit Kom sprach Peter Putzing.

Herr Kom, Sie sind erst seit ein paar Wochen beim KSC, stehen erstmals bei einem europäischen Verein unter Vertrag. Was hat Sie bisher am meisten in Europa überrascht?

Nichts wirklich, denn ich habe schon eine längere Zeit in Rennes in Frankreich verbracht, dort bei Stade Rennes trainiert. Daher kannte ich den französischen Fußball. Ich wusste so zumindest fast, was auf mich in Deutschland und auch konkret im Spiel in Bielefeld zukommt. Wenn mich hier etwas überrascht hat, dann die offene, freundliche Art, mit der man mich hier empfangen hat.

Sie kennen den tunesischen und auch etwas den französischen Fußball. Wo sind da Unterschiede zur zweiten Bundesliga?

Hier geht es körperlicher zu, hier hat man keine Zeit, mal etwas durchzuatmen. Es ist schneller, härter, intensiver - zweikampforientierter. Aber das sieht jeder.

Trainer Tomas Oral nennt Sie: "Krieger".

Ich habe davon gehört. Das liegt wohl daran, dass ich es liebe, auf dem Platz zu arbeiten, zu kämpfen. Ich weiß, dass sich im Fußball in jeder Sekunde etwas ändern kann. Ich arbeite, dass ich darauf vorbereitet bin.

Wie waren Sie mit dem Spiel in Bielefeld, mit dem 0:0 zufrieden?

Meine Leistung war ganz in Ordnung. Ich wollte diese Liga kennenlernen, mich einrichten, orientieren - das ist mir gelungen. Aber: Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis – ich will immer drei Punkte.

Aber das Remis war korrekt.

Ja, dennoch - ich will gewinnen, mehr nicht.

Kennen Sie jemand aus der zweiten Bundesliga? Waren Sie vor der Partie in Bielefeld nervös?

Sicher ist man angespannt, aber das gehört dazu. Man hat Rituale, das hilft.

Wissen Sie etwas über den kommenden Gegner, den VfL Bochum?

Ich habe einiges am Fernseher gesehen und mich natürlich schon bei den Kollegen über den Gegner informiert. Bochum ist eine starke Mannschaft, die defensiv gut steht und schnell nach vorne spielt. Wir werden gut vorbereitet antreten.

Ihre Ziele für die bevorstehende Spielrunde?

Mit der Mannschaft erfolgreich und effektiv zu spielen, möglichst vorne in der Tabelle mit dabei sein. Überhaupt: Bald einmal in der Bundesliga spielen. Und für mich: Mich verbessern, auf allen Gebieten.

Haben Sie auch ein Ziel in Sachen Toren?

So sechs Treffer habe ich mir schon vorgenommen. Sechs – wie meine Rückennummer. Das wäre okay.

Es war in Bielefeld auffällig, dass Sie oft zwischen den beiden Innenverteidigern agierten und versuchten von dieser Position aus das Spiel zu lenken. War das abgesprochen? Wenn ja, warum?

Das war geplant, wohl auch, weil ich oft so spiele. Von dieser zentralen Position aus kann ich das Spiel eröffnen, habe oft den Ball, habe die Möglichkeit einen Angriff über eine Außenposition einzuleiten. Von dieser Position aus kann ich alles besser überblicken und steuern.

Sie sind in dieser Saison bisher der teuerste Neuzugang. Belastet Sie das? Ist das Druck?

Nein, denn das ist eine Sache zwischen den Vereinen.

Es sollen Angebote aus der ersten Liga Frankreichs gegeben haben. Warum dann Ihre Entscheidung für die zweite Bundesliga?

Weil ich schon immer den deutschen Fußball selbst kennenlernen wollte, weil ich diesen Fußball als Vorbild habe. Ich will einmal in der Bundesliga spielen.

Meinen Sie das kann mit dem KSC gelingen?

Das ist möglich. Wir haben viele Spieler mit hoher Qualität, wenn alle richtig seriös arbeiten, dann ist das auch einmal möglich. Sicher ist es im Moment etwas schwierig, aber da bedeutet nicht, dass es generell nicht möglich ist.

Und welcher Spieler ist Ihr Vorbild?

Toni Kroos. Das ist ein perfekter Fußballer. Der kann einfach alles. Offensiv wie defensiv.

Wo sind denn Ihre Stärken?

Sie sehen doch so viele Spiele, Sie sehen doch so viele Spieler – das können doch Sie beurteilen. Ich möchte über mich nichts sagen.

In Bielefeld waren Sie vorwiegend bei der Defensivarbeit zu sehen. Liegt darauf das Hauptaugenmerk?

Ich denke das verteilt sich so ungefähr 55 bis 60 Prozent defensiv, 40 bis 45 Prozent offensiv. Aber: Ich arbeite jeden Tag daran, auf beiden Gebieten besser zu werden. Und ich merke, dass das Training hier hilft, mich zu verbessern. Ich weiß, ich habe noch viel zu arbeiten, viel zu lernen – besonders im Offensivspiel.

Gegen Bielefeld mussten Sie defensiv arbeiten – werden Sie gegen Bochum versuchen, die Offensive mehr zu unterstützen?

Zunächst einmal war es in Bielefeld wichtig, dass wir keinen Gegentreffer zulassen. Daher habe ich zunächst mehr Wert auf die Defensive gelegt. Aber ich weiß, gegen Bochum wird zudem die Offensive mehr im Vordergrund sein. Daran müssen wir arbeiten, müssen zum Beispiel versuchen, mehr die zweiten Bälle zu erobern, um dauerhafter Druck zu erzeugen.

Es fehlte in der Partie in Bielefeld etwas die Kreativität. Das muss besser werden, um Bochum zu besiegen, oder?

Man darf nicht vergessen: das war das erste Saisonspiel, dann war es auch noch das erste Spiel für einige von uns in dieser Liga. Ich bin sicher, schon im zweiten Spiel wird das besser. Wir werden uns besser verstehen und in der Offensive stärker auftreten.

Volker Finke, der Nationaltrainer Kameruns, hat Sie beim KSC empfohlen. Haben Sie Kontakt zu ihm?

Zunächst Volker Finke hat mich in die Nationalelf geholt - einen jungen Spieler, der nicht in Europa, sondern in Afrika unter Vertrag stand. Das gab es zuvor fast nie, es wurden nahezu immer Kameruner, die in Europa spielen, berücksichtigt. Daher bin ich ihm sehr dankbar. Er ist wie ein Vater für mich. Seit ich hier bin gab es noch keinen Kontakt - aber das wir ganz bestimmt geschehen. Und er weiß, dass ich an ihn denke.

Kommt Ihre Familie kommt nach Karlsruhe?

Ja, zum Glück kommt meine Frau mit unserer zweieinhalb Jahre alten Tochter Iwana bald nach Karlsruhe.

Lernen Sie deutsch?

Ja, ich werde da gut vom Verein gut versorgt. Ich weiß, dass es nicht einfach ist deutsch zu lernen, aber das Leben ist eben nicht nur einfach. Ich will schnell lernen, weil ich weiß, dass mir das helfen wird.

Kennen Sie Schnee?

Natürlich, ich war einmal mit der U20-Nationalelf Kameruns in einem Trainingslager in Russland. Da gab es Schnee und eine "krasse" Kälte.

Was macht Franck Kom, wenn er nicht mit Fußball beschäftigt ist?

Dann höre ich gerne Musik, afrikanische Musik. Und: Ich gehe gerne mit der Familie spazieren.

Die Fragen stellte Peter Putzing.

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