Fussball 2. Bundesliga, 1.FC NŸrnberg - Karlsruher SC
Anhänger des KSC fordern den Rücktritt von Oral und Todt.
Bild: fu-sportfotografie.de
Negativ-Trend beim KSC: "Ultimaten helfen niemandem weiter"
Karlsruhe
23.11.2016 07:00
Beim Karlsruher SC läuft es bislang alles andere als rund: Am Samstag erlebten die Blau-Weißen gegen Sandhausen bereits die dritte Heimniederlage in Folge. Muss der glücklose Trainer Tomas Oral gehen? Und geht dann auch die insgesamt richtig erfolgreiche Ära mit Jens Todt als Sportdirektor zu Ende?

Herr Todt, Sie antworten auf Fragen zur Trainerzukunft immer: Ich sehe die tägliche Arbeit, die ist gut...

So ist es ja auch.

Aber: Diese so gute Arbeit trägt keine Früchte.

Natürlich sind wir alle von unserer bisherigen Punkteausbeute enttäuscht. Es tut weh, dass die Mannschaft sich viel zu selten belohnt. Aber wenn man nach 13 Spieltagen da steht, wo wir jetzt stehen, ist das natürlich auch kein kompletter Zufall.

Der Druck wird größer. Die Fans fordern: "Oral raus!" 

Der Druck ist da, keine Frage. Damit müssen und werden wir alle gemeinsam umgehen. Dazu gehört auch, in hitzigen Zeiten besonnen zu bleiben.     

War es unklug, trotz schlechter Ergebnisse, von einer positiven Tendenz zu reden? 

Ich habe die Ergebnisse niemals schöngeredet, denn das waren sie bisher ja beileibe nicht. Wir müssen neben den Ergebnissen aber auch die Leistung beurteilen, und da hatte ich in den Wochen vor dem Sandhausen-Spiel Fortschritte im Vergleich zum Saisonstart gesehen.     

Sitzt Tomas Oral noch in Kaiserslautern auf der Bank als Cheftrainer? 

Ja.    

Und wenn Derby Nummer vier in Folge verloren geht, ist dann Oral noch zu halten?

Wenn das Lautern-Spiel vorbei ist, werden wir es - wie alle anderen auch - analysieren. Fakt ist, dass wir einen beherzten Auftritt brauchen und uns anders präsentieren müssen als in den letzten 30 Minuten gegen Sandhausen. Aber Ultimaten helfen niemandem weiter und machen den Erfolg nicht wahrscheinlicher.

Was sind die Gründe, dass der KSC auf dem Relegationsplatz steht? 

Wie immer in solchen Fällen gibt es mehrere. Spieler, die in den letzten Jahren zum Herzstück der Mannschaft gehörten, haben uns im Sommer verlassen. Neuzugänge, denen wir zugetraut haben, sie schnell zu ersetzen, haben das bisher - aus unterschiedlichen Gründen - nicht ausreichend geschafft.

Spieler, die in Führungsrollen nachrücken können, brauchen dafür Zeit und Vertrauen. Dazu ein wenig Formschwäche, ein wenig Verletzungs- und Spielpech, und schon ist man mitten in einer Negativspirale. Fakt ist aber, dass wir die Fehler nicht außen suchen, sondern uns ausschließlich an die eigene Nase fassen.       

Sie erwähnten die Neuzugänge. Dazu: Ein Grund für die schwache Saison ist sicher, dass von den sechs externen Neuzugängen bisher nur Stoppelkamp richtig überzeugen konnte. Gegen Sandhausen saßen die anderen auf der Bank. Und das, obwohl mit Krebs, Kempe, Prömel und Stoll vier Stammkräfte ausfielen.

Ich möchte unsere Neuzugänge gleichzeitig in Schutz und in die Pflicht nehmen. Man kann nicht davon ausgehen, dass die ganz Jungen wie Florian Kamberi oder David Kinsombi in einer schwierigen Situation von Anfang an total stabil sind, Franck Kom muss man zudem eine gewissen Eingewöhnungszeit einräumen. Fakt ist, dass ich unserem Kader vertraue, egal ob jung, alt, Neuzugang oder nicht. Fakt ist aber auch, dass wir schnell Ergebnisse brauchen.       

Ist es nicht auch so, dass die unendlich vielen Umstellungen gar keine Harmonie, keine Entwicklung von Automatismen zulassen? Der KSC hatte nach zehn Spielen schon 23 Akteure eingesetzt. Das ist Ligarekord!

Der Umbruch in diesem Sommer war deutlich größer als in den Jahren zuvor. Der Saisonstart war nicht gut, da muss man dem Trainer doch zugestehen, Dinge auszuprobieren.    

Bjarne Thoelke kritisierte, dass einige nach dem 1:0 gegen Sandhausen nicht mehr in die Zweikämpfe gegangen sind. Haben Sie dafür Verständnis? 

Nach der Führung war auf einmal Angst spürbar, das Spiel noch aus der Hand zu geben. Wir haben es dann nicht mehr mit allerletzter Konsequenz und Galligkeit verteidigt, das war das größte Problem. Das zweite Gegentor darf in dieser Form im Profifußball nicht fallen, da müssen wir uns anders wehren.    

Was macht Sie zuversichtlich, dass ausgerechnet auf dem Betzenberg die Wende kommt?

Ich weiß, was in unserer Mannschaft steckt. Manchmal mobilisiert man dann alles am besten, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht.    

Sitzt denn Jens Todt in Lautern noch als Sportdirektor auf der Bank? 

Da bin ich der falsche Ansprechpartner, aber mir fällt kein Grund ein, warum das nicht der Fall sein sollte. 

Wie sieht’s aus mit dem HSV und Jens Todt? 

Ich flirte mit niemandem und führe auch keine Gespräche. Wir haben eine schwierige Situation, meine volle Konzentration gilt dem KSC.

Die Fragen stellte Peter Putzing.

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