Dirk Orlishausen Dirk Orlishausen
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Bild: Caro Reisenauer
KSC-Keeper Orlishausen: "Die Zeit des Redenschwingens ist vorbei"
Karlsruhe
16.03.2017 07:00
Der Karlsruher SC steckt aktuell in einer sportlichen Krise. Der aktuelle Kapitän Dirk Orlishausen weiß, was es bedeutet, abzusteigen. Der Keeper der Badener war 2012 dabei, als der Wildparkclub den bitteren Gang in die dritte Liga antreten musste. Wie schätzt der Keeper die Situation ein?

Herr Orlishausen, immer wenn die Situation beim KSC besonders prekär ist, muss der Kapitän alles erklären. Nervt Sie das?

Nein, das nervt mich nicht.

Und wie erklären Sie diese Situation, dass der KSC den Abstiegsplatz belegt?

Zunächst, es ist normal, dass man zu Beginn solcher Situationen Phrasen drischt. Aber jetzt ist die Zeit des großen Redenschwingens vorbei. Wir müssen jetzt unbedingt liefern und nicht mehr so viel reden. Wir sind in solch einer Lage, dass es uns für den Klassenerhalt wahrscheinlich nicht mehr reichen würde, wenn wir jedes Spiel unentschieden spielen. Das haben wir uns mit unserer Inkonstanz selbst eingebrockt.

Sie sprechen diese enormen Leistungsschwankungen an. Ist das für Sie erklärbar? Erst hat der KSC das Topteam Hannover 96 besiegt, dann wurde eine Katastrophenleistung in Aue abgeliefert.

Für mich ist das schwer zu erklären. Sicher hat man mal eine etwas bessere oder schwächere Tagesform. Aber bei uns reicht die Palette von ganz tief bis ganz hoch - unerklärlich. Das kostet Kraft, für den Körper und den Kopf. Eine Woche bist du abgeschlagen, fast abgestiegen, dann wirst du gefeiert, geht wieder alles.

In einem Fernsehinterview sprachen Sie davon, dass es 2012 eine andere Situation gewesen sei, dass es damals auch aufgrund sprachlicher Probleme mehrere Gruppen im Kader gegeben hätte. Ist das nun nicht wieder so? Franck Kom spricht kein Deutsch, kaum Englisch. Figueras, Mavrias und Mugosa sprechen nur mäßig bis schlecht Deutsch.

Da muss ich widersprechen. Die Jungs haben in der kurzen Zeit sehr viel Deutsch gelernt. Wir können uns auf Deutsch verständigen. Fußballbegriffe können alle. Franck Kom will beim Essen immer deutsch reden. Alle sind sehr wissbegierig. Die sprachliche Barriere gibt es nicht mehr. Es hat etwas gedauert, das ist aber kein Grund für unsere Situation.

Und was sind die Gründe für die Talfahrt des KSC?

Sehr häufig treffen wir die falschen Entscheidungen. Zum Beispiel machen wir nicht das, was der Trainer uns vorgibt. In Aue versuchten wir noch am Ende zu spielen, anstatt die Brechstange rauszuholen, als wir zwei kopfballstarke Spieler auf dem Feld hatten.

Wie kann es denn sein, dass der Plan des Trainers nicht umgesetzt wird? Hören einige Slomka nicht mehr zu?

Nein, das sind meist Spielsituationen, Entscheidungen, die unter Gegner- und Zeitdruck in Sekundenschnelle gefällt werden müssen - und die sind eben zu oft falsch. Bis zum Sechzehner sieht es oft gut aus, aber in entscheidenden Momenten bringen wir unsere Qualität nicht auf das Parkett, haben daher wenige Torchancen. Mal kommt die Flanke gut, dann ist der Stürmer nicht da. Dann ist der Stürmer da und die Flanke fliegt woanders hin.

Eines ist mitverantwortlich für den Absturz: Die bittere Auswärtsbilanz. Seit rund fünf Monaten wartet der KSC auf einen Auswärtssieg.

Ich weiß, das war in Würzburg. Ich habe in meiner Karriere leider einige solcher schlimmen Serien erlebt. In Erfurt habe ich in meinem letzten Auswärtsspiel den ersten Sieg eingefahren. Ich verstehe das aber hier nicht. Egal wo wir antreten, haben wir immer eine tolle Unterstützung durch viele KSC-Fans.

Wussten Sie, dass die Auswärtsbilanz von Trainer Slomka noch schlechter ist? Rund vier Jahre, in 21 Spielen ist er ohne Auswärtssieg. Im Schnitt gab es 0,1 Punkte für Slomka auswärts.

Ich habe davon gehört. Aber das sind Sachen, die mich nicht beeinflussen. Auf solche Statistiken lege ich keinen Wert. Wir brauchen Punkte – das zählt.

Sie haben Ihre Kollegen angemahnt, sich voll auf den Fußball zu konzentrieren. Warum? Gab es einen Anlass dafür?  

Der Anlass war die schwache Leistung im Testspiel in Pforzheim. Da wollte ich alle wachrütteln. Ich habe es in einem ruhigen Ton angesprochen. Ich habe gehofft, dass es alle kapiert haben. Dann kam die Partie in St. Pauli und das war ein richtiger Schlag in die Fresse. Das mussten wir gnadenlos aufarbeiten. Nach dem Hannoverspiel dachte ich dann: Jetzt funktioniert es. Dachte ich…. Fakt ist: Wir müssen uns steigern.

Was muss man gegen Düsseldorf konkret machen, um zu gewinnen?

Wir müssen uns das Spiel gegen Hannover ins Gedächtnis rufen. Da haben wir alle gerackert, da hat sich jeder für den anderen reingehauen. Wir haben zusammen attackiert, zusammen verteidigt. So muss es sein. Es geht nicht darum, dass einer ein Tor schießen will, dass einer seine persönliche Situation verbessern will. Jeder muss für das Team arbeiten. Auch im Training. Da müssen Tore bejubelt werden, gelungene Aktionen müssen uns helfen. Wir müssen das umsetzen, was wir im Training einstudieren.

Nach dem Aue-Auftritt: Glauben Sie, dass es gegen Düsseldorf klappt? Was macht Sie optimistisch, dass es einen Dreier gibt?

Weil wir alles geben. Weil wir selbst in Aue nicht aufgegeben haben, und weil wir es in die Köpfe reinkriegen: Wir müssen gewinnen, müssen aggressiv sein, denn es reichen keine zehn Unentschieden. Der Wille ist bei uns da. Und: Wir dürfen uns nicht gegenseitig fertig machen. Dass es im Umfeld unruhiger wird, ist normal, darf uns aber nicht beeinflussen.

Die Fragen stellte Peter Putzing. 

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